Wieso ist ein Unternehmen attraktiv und welche Unternehmen sind es bereits? Dieser Frage hat sich Berufsstart auch im Jahr 2025 wieder gewidmet und die »Top 100 Attraktiven Arbeitgeber« Deutschlands gefunden. Wie auch im Vorjahr fokussiert sich die diesjährige »Attraktive Arbeitgeber Studie« auf die von Studierenden und Absolventen als wichtig empfundenen attraktiven Eigenschaften.
Der Fach- und Führungskräftemangel ist in einigen Bereichen deutlich zu spüren. Die Nachwuchssorge erfasst alle Branchen. Trotz der nach wie vor gedämpften Konjunkturlage, herrscht in einigen Bereichen ein Notstand an talentiertem Nachwuchs. Besonders betroffen davon sind Unternehmen im Gesundheitswesen und in der Softwareentwicklung. Laut Angaben der Statistik der Bundesagentur für Arbeit vom Dezember 2024 herrscht trotz der wirtschaftlichen Unsicherheiten immer noch ein Fachkräftemangel in den technischen Branchen im akademischen Sektor in der Informatik, Energie-, Mechatronik- und Automatisierungstechnik. Akuter Bedarf an neuen Kräften besteht jedoch in fast allen Bereichen der Gesundheitsbranche und das deutschlandweit. Die Unternehmen haben zwar immer noch mit noch nicht absehbaren Krisen zu kämpfen, die aber nicht über den grundsätzlichen Fachkräftemangel hinwegtäuschen können. Die Publikation Perspektive 2025: Fachkräfte für Deutschland zeigt in seinen Analysen eine kontinuierliche Verringerung des Erwerbspersonenpotentials von 3,6 Millionen bis 2030 auf. Attraktiv zu sein, ist für viele Arbeitgeber deshalb ein Top Thema.
Im Wintersemester 2024/2025 waren 2.871600 Studierende an Universitäten und gleichrangigen Hochschulen eingeschrieben, das sind 0,1 % mehr als im Wintersemester 2023/2024. Der Rückgang seit dem Höchststand vom Wintersemester 2021/2022 mit 2.946100 Studierenden ist jedoch immer noch nicht erreicht. Aber die Zahlen steigen wieder, wenn auch nur geringfügig.
Ein Plus an Studierenden geht hauptsächlich auf eine Erhöhung der Einschreibung von ausländischen Studierenden zurück, die wieder verstärkt nach Deutschland kommen. Der demografische Wandel wirkt sich somit auch auf die Zahl der Studierenden aus und prallt somit auf einen Stellenmarkt, der verstärkt Nachwuchs sucht.
Die MINT Studiengänge können leicht Pluszahlen im einstelligen Bereich verbuchen. Spitzenreiter hier ist die Informatik mit 3 % mehr Studierende im Studienjahr 2024. Punkten konnte auch der Studienbereich Maschinenbau / Verfahrenstechnik. Mit 23.800 Studierenden im Erstsemester ist das ein Zuwachs um 4 %. Schlusslicht ist das Bauingenieurwesen mit einem Rückgang um 2,4 % zum Vorjahr. Die benötigten MINT Studenten und Absolventen können die derzeitig vorherrschende Nachfrage der Unternehmen durch die wackelige Wirtschaftslage zwar abdecken, jedoch fehlt der Nachwuchs in den Zukunftsbranchen. Die Unternehmen werden also weiterhin mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen haben.
Das beliebteste Studienfach im Wintersemester 2024/25 war mit Abstand die Betriebswirtschaftslehre mit 240.866 Studierenden, gefolgt von der Informatik mit 260.078 Studierenden im Wintersemester 2023/24 (hier liegen noch keine aktuelleren Daten vor). (statista.com)
Im Vergleich zum vorherigen Jahr ist die Zahl der vakanten Arbeitsstellen bis Juni 2025 zwar um knapp 70.000 gesunken (vgl. statista.com, Bestand an gemeldeten Arbeitsstellen in Deutschland 2011 bis 2025). Trotzdem ist der Kampf der Arbeitgeber Deutschlands um die besten Absolventen für ihr Unternehmen immer noch akut. Um den Fachkräfte-Kampf für sich zu entscheiden, muss ein Unternehmen den Jobanwärtern etwas bieten können und sich auf dem Markt als attraktiver Arbeitgeber positionieren. Hierbei stellt das Employer Branding einen nicht zu unterschätzenden Faktor dar, welches auch für die Arbeitswelt 4.0 ein entscheidendes Kriterium für die Unternehmen sein wird.
Worauf Arbeitgeber ihr Augenmerk bei der Unternehmenspräsentation legen sollten und welche Attribute von Studenten und Absolventen als »attraktiv« angesehen werden, wird in der nachfolgenden Studie erörtert.
Wie auch in den Jahren zuvor, wurde an der Befragungsstruktur kaum etwas verändert. An der Umfrage für die »Attraktive Arbeitgeber Studie 2025« konnten alle Studenten, Absolventen und Young Professionals in ganz Deutschland teilnehmen. Dabei gab es keine Einschränkungen hinsichtlich der Studienrichtung. Alle Fachrichtungen waren und sind daher immer eingeladen die Umfrage auszufüllen.
An der Studie kann auf verschiedenen Wegen teilgenommen werden: Zum einen werden alle Umfragebögen bei den Berufsstart Seminaren (online) oder ausgewählten Karrieremessen (online) aktiv beworben und freigeschaltet, zum anderen besteht online die Möglichkeit an der Studie teilzunehmen.
Seit Beginn der Durchführung der »Attraktiven Arbeitgeber«, wird die Frage nach dem attraktiven Arbeitgeber in Form einer offenen Frage gestellt. Somit sind keine Antwortmöglichkeiten vorgegeben und die Teilnehmer können unbeeinflusst ihre Meinung Preis geben. Die Teilnahme an der Studie erfolgt zudem anonym.
2025 haben sich 2.400 Teilnehmer an der Studie beteiligt.
Hinsichtlich der attraktiven Eigenschaften eines Unternehmens waren sich alle Teilnehmer unabhängig von deren Studienrichtung einig: Das Attraktivste ist nach wie vor das Weiterbildungsangebot. Seitdem die Studie von Berufsstart durchgeführt wird, wurde noch keine andere Eigenschaft auf den ersten Platz gewählt. Vergleicht man die Ergebnisse der Wirtschaftswissenschaftler mit den der Ingenieure, wird 2025 deutlich, dass die Branche bei den Ingenieuren klar auf Platz eins angesiedelt ist, während die Wirtschaftswissenschaftler das Gehalt knapp vor die Weiterbildung setzen.
Bei den attraktiven Eigenschaften wird ein Unterschied zwischen den beiden Studiengruppen also von Beginn an sichtbar. Die Ingenieure platzieren die Weiterbildung auf den zweiten Rang und die Aufstiegschancen auf den dritten Platz. Bei den Wirtschaftswissenschaftlern steht 2025 nach der Weiterbildung auf dem zweiten Platz das Image auf Rang drei.
Wie auch in den letzten Jahren erkennt man, wie unterschiedlich die Prioritäten in den einzelnen Studienrichtungen gesetzt werden. Eine genauere Auseinandersetzung mit diesem Phänomen wird in der nachfolgenden Studie behandelt.
Welche Eigenschaft die weiblichen Befragten an einem Unternehmen als »attraktiv« bewerten, lässt sich mit den Gesamtergebnissen und den der Männer gut vergleichen. Die Angaben der Frauen stimmen auch in diesem Jahr nicht unbedingt mit den gesamten Ergebnissen überein. Den weiblichen Teilnehmern sind das Gehalt, Image und Sozialleistungen sowie Wohnort und dann erst Aufstiegschancen wichtig. Der Gender Pay Gap scheint zu verblassen, da die weiblichen Teilnehmer das Gehalt und somit auch die Gehaltsverhandlung in ihrer Bewertung über der Gesamtstudie liegen.
Hinsichtlich der sekundären Eigenschaften, wie Arbeitsatmosphäre und Work-Life Balance, stimmen die Ergebnisse der Männer mit denen der Allgemeinheit nicht überein. Dafür messen die Frauen in diesen Punkten einen deutlich höheren Wert zu. Sie setzen sogar den Primus Arbeitsatmosphäre noch stärker in den Fokus. Aber auch die Abwechslung, Verantwortung und Familienfreundlichkeit liegen bei den Frauen höher im Kurs als in der Gesamtauswertung.