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Unternehmensgeschichte - Amcor Flexibles Singen

Amcor Flexibles Singen Unternehmensgeschichte

100 Jahre Alufolien aus Singen

Für uns im einundzwanzigsten Jahrhundert ist die Verwendung von Aluminiumfolien und anderen Aluminiumprodukten etwas ganz Selbstverständliches. Vielen ist nicht bewusst, dass es zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts noch keine Verwendung für Aluminium in Massenwaren und schon gar nicht als Verpackungsmaterial gab. Aluminium konnte erst ab 1855 hergestellt werden, war jedoch noch so teuer, dass es nur für Schmuck verwendet wurde!

Heute befasst sich ein ganzer Industriezweig mit Aluminiumverpackungen. Die Amcor Flexibles Singen GmbH ist ein weltweit führender Anbieter von aluminiumbasierten Verpackungsmaterialien für die Pharma- und die Nahrungsmittelindustrie und darüber hinaus Lieferant von technischen Applikationen, z. B. für die Automobil- und Möbelindustrie. Die Geschäfte mit Aluminiumfolien aus Singen haben von Beginn an internationalen Charakter. Ihre Geschichte reicht zurück bis ins Jahr 1912.


Robert Victor Neher legte Grundstein für Aluminiumverpackungen

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Firmengründer und Visionär: Der Schweizer Robert Victor Neher legte mit seiner Idee für das Endloswalzen von Aluminiumfolie den Grundstein für den weltweiten Siegeszug der Alufolie


Der Gründer des Singener Aluminiumwerkes, Robert Victor Neher – ein Schweizer, trat spätestens 1909 in die Fußstapfen seiner Familie, die seit 1887 in Neuhausen am Rheinfall in der Schweiz eine der ersten Aluminiumhütten Europas betrieb. 1910 meldete Robert Neher in der Schweiz ein Patent zum Endloswalzen von Aluminiumfolie an. Die ersten Abnehmer dieser Folien waren große schweizerische Schokoladenfabriken und andere Lebensmittelhersteller.

Nehers Geschäftstüchtigkeit zeigte sich unter anderem darin, dass er sich mit dem guten Start der Geschäfte in der Schweiz nicht zufrieden gab, sondern sein Auge auf den größeren, deutschen Markt richtete. Natürlich sollte das notwendige Rohaluminium weiterhin aus der Schweiz bezogen werden, wo die Geschäfts- und Familienbeziehungen zur Aluminiumhütte in Neuhausen am Rheinfall bestanden. Die Standortwahl für eine deutsche Niederlassung fiel auf die noch junge Industriestadt Singen am Hohentwiel. Dort hatten sich bereits zwei andere schweizerische Unternehmen erfolgreich angesiedelt: Maggi und Georg Fischer. Singen lag zwar in einer ländlichen Umgebung, war aber durch die Eisenbahnverbindungen nach Basel und Offenburg sehr gut an die großen Zentren angebunden.

Amcor Flexibles Singen UnternehmensgeschichteAmcor Flexibles Singen Unternehmensgeschichte



Walzen damals und heute im Singener Aluminiumwalzwerk: Mit Dampf angetriebene Walzanlage um 1912 und der Leitstand einer Folienwalzanlage bei Amcor Flexibles Singen heute.




Vor 100 Jahren, im Jahr 1912 nahm nach kurzer Bauzeit das Tochterwerk in Singen die Produktion auf. Zu den ersten Kunden zählte die Maggi, die ihre Suppenwürfel nun nicht mehr in Stanniol, sondern in Aluminiumfolie einpackte. Nach nicht einmal einem Jahr laufender Produktion schrieb die lokale Presse: „Das hier vor einigen Monaten in Betrieb genommene Aluminium-Walzwerk erfreut sich eines raschen Aufblühens, so dass das Werk schon in Tag- und Nachtschicht arbeitet, um den Aufträgen auf Aluminiumfolien nachzukommen, die anstelle des bisherigen Stanniols in den verschiedensten Stärken Verwendung als Umhüllung für Schokolade und sonstige Konsumartikel finden“ (Singener Nachrichten, 18.12.1912).


Durch den im August 1914 ausgebrochenen Ersten Weltkrieg kamen schwierige Zeiten auf das erst zweijährige Singener Unternehmen zu. Zum einen wurden Männer zur Armee eingezogen, zum anderen wurde die Einfuhr von Rohaluminium verboten. Aus Mangel an Rohaluminium stand der Folienwalzbetrieb Ende 1914 still. Man konzentrierte sich auf die Umarbeitung und das Umschmelzen von Schrotten. 1919 startete die Produktion von Bändern, Blechen und Ronden als neue Standbeine neben der Lebensmittelfolie.
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Amcor Flexibles Singen produziert Tablettenfolien in vielfältigen Ausprägungen, wie z.B. die weit verbreitete Durchdrückfolie.


Die AIAG, Aluminium-Industrie-Aktien-Gesellschaft, Neuhausen (später Alusuisse), interessierte sich auf Grund des größer werdenden Verbrauches von Aluminium für das Unternehmen und erwarb 1921 die Aktienmehrheit. Später erfolgten Namensänderungen in Aluminium-Walzwerke Singen GmbH und Alusingen GmbH – im Volksmund einfach Alu genannt.


Wachstum und „Wirtschaftswunder“ getragen durch Gastarbeiter

Das Wachstum des Werkes in den dreißiger und vierziger Jahren, welches die Alu zum größten Betrieb der Stadt gemacht hat, hielt auch in den folgenden Jahrzehnten an. Der Bedarf an Arbeitskräften war immens. Die Arbeiter selbst kamen in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu 20 Prozent aus ehemaligen deutschen Gebieten im Osten. In der Zeit des Wirtschaftswunders gab es ständig mehr Arbeit als die Arbeitnehmer leisten konnten. Es herrschte Arbeitskräftemangel.

Das Werk musste Ausschau nach ausländischen Arbeitnehmern halten. Die erste Welle der Gastarbeiter kam aus Portugal und Spanien. Kurz darauf kamen Italiener. Um Arbeiter anzuwerben, fuhr der damalige Personalchef auch mal persönlich nach Italien und kehrte mit einem Eisenbahnzug voller Arbeiter zurück nach Singen! 1961 waren es, bei 4000 Angestellten und Arbeitern insgesamt, bereits 500 ausländische Arbeiter, die nach Singen gekommen waren, um in der Alu zu arbeiten. Mehr als ein Viertel der Singener Bevölkerung war zu dieser Zeit in der Alu beschäftigt.


Alu-Verpackungen werden rechtlich selbständig

Die neunziger Jahre markierten den Beginn einer weltwirtschaftlichen Flaute. Der Alusuisse-Konzern bekam die Folgen der weltweit zurückhaltenden Investitionen deutlich zu spüren. Zu dieser Zeit entschloss sich die Konzernleitung zu einer Aufteilung ihrer Unternehmen nach Produktbereichen, um die Ertragskraft und die Schwachstellen transparenter zur machen. Vor diesem Hintergrund wurde 1992 das Singener Werk in zwei Einheiten aufgeteilt. Es entstanden die Alusingen GmbH und die Alusingen Verpackungen GmbH als rechtlich selbständige Unternehmen auf dem Firmengelände.

Um das Verpackungsgeschäft am Markt langfristig zu sichern, wurde 1994 die international bekannte Lawson Mardon Gruppe akquiriert und in die Alusuisse integriert. Das Singener Verpackungsunternehmen wurde in Lawson Mardon Singen GmbH umbenannt. Im Jahr 2000 fusionierte die schweizerische Alusuisse mit dem kanadischen Aluminiumkonzern Alcan. In der Folge wurden die Geschäfte neu geordnet und aus dem Singener Verpackungsstandort die Alcan Packaging Singen GmbH. Sieben Jahre später, 2007, übernahm die anglo-australische Bergbaugruppe Rio Tinto den Alcan-Konzern. Rio Tinto bot die Alcan Packaging Sparte unmittelbar zum Weiterverkauf an, da sie für das Unternehmen kein Kerngeschäft darstellte.

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Flexible, leicht zu öffnende Deckelmaterialien für Lebensmittelverpackungen, wie z.B. Alufix-Dosenmembranen für trockene und sterilisierte Füllgüter, sind eine Spezialität des Singener Verpackungsunternehmens.

Der internationale Verpackungsspezialist Amcor mit Hauptsitz in Melbourne/Australien zeigte Interesse und erwarb im Februar 2010 von Rio Tinto einen Großteil des Alcan Packaging Geschäftes. In diese Übernahme eingeschlossen war die Singener Verpackungsgesellschaft, die seit Februar 2010 unter dem Namen Amcor Flexibles Singen GmbH firmiert.


Amcor Flexibles Singen GmbH

Die Amcor Flexibles Singen GmbH ist mit ihren Folienwalzwerken und den Veredelungsanlagen ein erfahrener Spezialist für aluminiumbasierte Verpackungsmaterialien und technische Applikationen. Mit hochwertig veredelten, aluminiumbasierten Packstoffen, die wichtige Verpackungsfunktionen wie z.B. Produktschutz, Verbraucherfreundlichkeit oder Recyclingfähigkeit erfüllen, beliefert das Werk Weltkonzerne der Pharma- und Nahrungsmittelindustrie. Das Unternehmen ist außerdem ein Spezialist für hochglänzende, matte und strukturierte dekorative Aluminiumoberflächen für die Automobil- und Möbelindustrie.

Mit einer Jahreskapazität von etwa 100.000 Tonnen besitzt Amcor Flexibles Singen eine der größten Aluminiumfolien-Walzereien Europas. Das Unternehmen produziert auf seinen Walzanlagen hochwertige Aluminiumfolien im Dickenbereich von 4 bis 250 Mikrometern (µm) und beliefert damit sowohl die eigene Veredelung als auch Amcor-Schwesterunternehmen und Kunden des Drittmarktes. Im eigenen Veredelungswerk werden jährlich ca. 200 Millionen Quadratmeter Aluminiumfolie auf modernen, multifunktionalen Großanlagen in vielfältigen Varianten veredelt. Amcor Flexibles Singen beschäftigt etwa 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


Über Amcor

Amcor ist ein weltweit führendes Unternehmen für verantwortungsbewusstes Verpacken und ist mit über 33.000 Beschäftigten in 42 Ländern an 300 Standorten aktiv. Amcor liefert ein breites Spektrum an Plastik- (starr & flexibel), Faser-, Metall- und Glasverpackungen, die den Nutzen der Produkte für den Endverbraucher im täglichen Leben verbessern. Amcor bietet zudem verpackungsbezogene Serviceleistungen und hilft damit den Kunden, mit von Kunst und Wissenschaft inspirierten Innovationen am Markt erfolgreich zu sein. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in Melbourne, Australien und ist an der australischen Börse gelistet. Weitere Informationen unter www.amcor.com.

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Links die Aluminiumwalzwerke Singen um 1940. Heute sind an diesem Standort drei eigenständige, aluminiumverarbeitende Unternehmen angesiedelt: Amcor Flexibles Singen GmbH, Constellium Singen GmbH und 3A Composites GmbH.


Bildquellen:
(1) Amcor Flexibles Singen GmbH
(2) Amcor Flexibles Kreuzlingen AG
(3) Constellium Singen GmbH
(4) Achim Mende

 

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