Mein Berufsstart

Bewerbung

Richtig Bewerben = Bewerben mit Erfolg

Praktische Tipps für die schriftliche Bewerbung und das Vorstellungsgespräch

Wann beginnt der Bewerbungsmarathon?


Die Frage „wie bewerbe ich mich richtig“ sollte man nicht erst mit dem Diplom in der einen und dem Stellenteil der Tageszeitung in der anderen Hand stellen. Wer nach dem Studienabschluss nicht nur irgendeine Beschäftigung für etwas Gehalt anstrebt, sondern Karriere machen möchte, sollte bereits nach dem Vordiplom beginnen, seinen Berufseinstieg zu planen.


Die Selbstanalyse

Am Anfang dieser Planung steht die Selbstanalyse. Sie gehört bei vielen zum unbeliebtesten Teil, denn wer macht sich schon gerne Gedanken über seine Stärken und Schwächen. Aber die Selbsteinschätzung sowie die eigenen Vorstellungen und Ziele sind der wichtigste Teil im Bewerbungsprozess. Denn wer nicht über sich selbst Bescheid weiß, kann auch nicht über sich selbst Auskunft geben. Egal ob Bewerbungsunterlagen oder Vorstellungsgespräch: Ihre Person ist immer gefragt. Die Basis dieser Selbstanalyse bilden banale Fragen, wie zum Beispiel:
  • Was kann ich?
  • Was will ich?
  • Wo möchte ich hin?
  • Wie sehen mich Freunde, Bekannte, Professoren?
  • Was ist möglich?
Nicht nur im stillen Kämmerlein sollten Sie die Antworten auf diese Fragen suchen, sondern auch im Gespräch mit Freunden, Verwandten, Professoren und mit Unternehmen.

Stellen Sie sich vor, Sie treffen sich mit einem Bekannten, den Sie schon Ewigkeiten nicht mehr gesehen haben. Er oder sie fragt: Was hast du denn so alles gemacht, seitdem wir die Schule verlassen haben? Um dem Gegenüber einen spannenden und abwechslungsreichen Bericht zu geben, wird man versuchen interessante Punkte hervorzuheben, um so einen einnehmenden und spannenden Werdegang zu präsentieren. Man sollte sich nicht nur auf die Universität konzentrieren. Jobs, mit denen man das Studium finanziert hat, Praktika und auch das Hobby bilden wichtige Bausteine für einen spannenden Vortrag über erlerntes Fachwissen und die Persönlichkeit. Genau diese Strategie wird Ihnen auch die Türen der Unternehmen öffnen. Im Gespräch mit Freunden, Eltern und Professoren erfahren Sie, was andere von Ihren Fähigkeiten halten und Sie werden lernen, Ihre Fähigkeiten einzuschätzen.

Kontinuierliches Lesen von Fach- und Wirtschaftsliteratur gibt Ihnen darüber hinaus ein breites Spektrum Ihrer beruflichen Möglichkeiten. Nur so erfahren Sie, was auf dem Arbeitsmarkt los ist und welche Einstiegschancen Sie haben. Auf den vielen Jobmessen zum Beispiel erhalten Sie Informationen über die Unternehmen und darüber, wo Sie mit Ihren persönlichen Fähigkeiten einsteigen können. Sammeln Sie gerade deshalb schon während des Studiums Informationen, um Neigungen karrierefördernd zu vertiefen und die notwendigen Voraussetzungen für einen nahtlosen Berufseinstieg zu schaffen.


Die Unternehmen wollen Eigeninitiative und Eigendynamik

Trotz des immer noch recht guten Arbeitsmarktes für Hochschulabsolventen, insbesondere für Ingenieure, werden Ihnen die interessanten Jobangebote nicht auf dem Campus Ihrer Hochschule entgegenfliegen. Den ersten Schritt zu Ihrer Karriere müssen schon Sie tun und auf die Unternehmen zugehen. Je weiter Sie mit Ihrem Studium vorangeschritten sind, desto konkreter sollten diese Schritte sein.
Wo möchten Sie in fünf Jahren stehen? Eine Frage, die Ihnen in jedem Vorstellungsgespräch begegnen wird. “Wo kann ich in fünf Jahren stehen?” lautet Ihre Gegenfrage an die Unternehmen.
Sich in dem Unternehmen Ihrer Wahl wohlfühlen und persönliche Ziele verfolgen zu können, ist sehr wichtig. Haben Sie immer vor Augen, dass Sie dort die meiste Zeit des Tages verbringen werden. Es ist sehr wichtig, dass Sie sich dort wohl fühlen, sowie zufrieden und glücklich mit dem Ihnen zugeteilten Aufgabengebiet sind. Denn nur so können Sie volle Leistung erbringen. Ein vorschneller Entschluss für einen Arbeitsplatz schadet Ihnen und auch dem Unternehmen.

Richtig entscheiden können Sie aber nur, wenn Sie wissen, was Sie wollen. Und deshalb sollten Sie der Selbstanalyse viel Zeit widmen und schon nach dem Vordiplom über den Tellerrand Ihres Abschlusses hinausblicken.


Sie müssen von Ihren Fähigkeiten überzeugt sein

Wer in der schriftlichen Bewerbung und im Vorstellungsgespräch die Unternehmensvertreter davon überzeugen möchte, dass er der Idealkandidat für die ausgeschriebene Position ist, muss von seinen Fähigkeiten überzeugt sein. Die Basisfragen zu Ihren Fähigkeiten müssen in der Selbstanalyse in überzeugende Aussagen, wie Ich kann... Ich will... Ich möchte... umgewandelt werden.
  • Sich bewerben heißt sich verkaufen
...ist vielleicht eine gewagte Aussage, aber sie trifft den Nagel auf den Kopf. Das Produkt, welches „verkauft“ werden soll, ist Ihre Person und Ihre Arbeitskraft. Dafür müssen Sie eine Marketingstrategie entwickeln.
Denken Sie einmal darüber nach, wieviel Energie ein Unternehmen entwickelt, um ein neues Produkt auf dem Markt zu platzieren, es zu etablieren und sich gegenüber der Konkurrenz einen Marktvorteil zu verschaffen. Diese Energie lässt sich an den Werbestrategien für einige Produkte in Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehen eindrucksvoll verfolgen. Wenn Sie diese Maßstäbe auf Ihre Person ansetzen, werden Sie begreifen, welche Anstrengungen Sie auf sich nehmen müssen, um gegenüber Ihren Mitbewerbern bestehen zu können und einen interessanten Arbeitsplatz zu bekommen.
Bei dem Entwickeln Ihrer Marketingstrategie hilft Ihnen das AIDA Prinzip:
  • Attraction
  • Interest
  • Desire
  • Action
Beispiel: Auf eine Stellenanzeige eines bekannten Markenartikelherstellers - ausgeschrieben wird ein Traineeprogramm für Wirtschaftsingenieure im Bereich Produktion - bewerben sich zum Beispiel 200 Absolventen. Ein Horrorszenario für Stellensuchende, aber eine interessante Auswahlmöglichkeit für das Unternehmen. 200 Arbeitsuchende, die glauben, dem Anforderungsprofil des Unternehmens zu entsprechen, 200 Wirtschaftsingenieure mit entsprechenden Fachkenntnissen, 200 Individuen mit unterschiedlicher Persönlichkeit.

Sie interessiert diese Stelle natürlich auch. Doch wie kann man gegen 199 potentielle Bewerber bestehen? Zunächst sollte man das Anforderungsprofil studieren und seine eigenen Stärken in Bezug auf dieses Profil setzen. Entwickeln Sie Ihre Marketingstrategie für Ihre Person. Finden Sie für sich heraus, was Sie von all den anderen unterscheiden könnte. Ihre persönlichen Stärken und Kenntnisse sind gefragt. Sie haben Wirtschaftsingenieurwesen mit den gewünschten Schwerpunkten studiert. Warum entsprechen gerade Sie dem geforderten Profil des Unternehmens? Warum sind Sie der Kandidat, der mit Leistungsbereitschaft, Initiative, Motivation, Kreativität und Fachwissen dem Unternehmen die notwendigen Fortschritte, Marktchancen, Umsätze und Gewinne erarbeiten wird? Um hier zu bestehen, müssen Sie überzeugen.
Achtung: Trotz alledem, bleiben Sie immer bei der Wahrheit. Es hat keinen Sinn nicht vorhandene Kenntnisse oder Erfahrung darzustellen. Sie haben es bei der Bewerberauswahl mit Profis zu tun. Falls Sie z.B. die gewünschte Auslandserfahrung nicht mitbringen, heißt das noch lange nicht, dass Sie kein interessanter Kandidat sein können. In diesem Fall ist es ein guter Schachzug diesen Punkt offen anzusprechen: "Es lag mir viel daran, in meinem Studium zielstrebig die notwendigen Fachkenntnisse zu erlangen. Bei Praktika habe ich deshalb bewusst auf interessante und fundierte Projekte wert gelegt. Leider hat es sich deshalb nicht ergeben Auslandserfahrung zu erlangen. Gerade deshalb suche ich diese Erfahrung im Berufseinstieg. Durch private Reisen und Sprachstudium sehe ich mich hierfür gut gerüstet." Durch so eine geschickte Umwandlung kann aus einem Mangel ein Vorteil werden.

Das beschriebene Szenario von 200 Bewerbern mag übertrieben klingen. Ich möchte Ihnen mit einem solchen Beispiel nur die eine wichtige Tatsache vermitteln. Sie müssen eine Marketingstrategie für Ihre Person entwickeln, die klar und deutlich Ihre Vorzüge in fachlicher und persönlicher Natur hervorhebt. Verfügen Sie nicht über das so oft gewünschte Prädikatsexamen, dann müssen Sie um so mehr Ihre Persönlichkeit in den Vordergrund stellen. Denn was nützt dem Unternehmen ein Mitarbeiter mit der Note 1,0, wenn er keinen Biss, keine Teamfähigkeit, keine Leistungsbereitschaft, keine Kreativität und keine Motivation besitzt.
Achtung: Es nützt wenig, diese Schlagworte ohne Begründung in Ihrem Bewerbungsschreiben anzuführen. Aber dazu kommen wir später noch.

Um nun herauszufinden, was die Unternehmen von Ihnen erwarten und was Sie auf dem Arbeitsmarkt erwartet, sind wir wieder bei der Vorbereitung, beginnend mit dem Sammeln von Informationen, angelangt.


Informationen sammeln

Im stillen Kämmerlein machen Sie sich Gedanken über Ihre Wünsche. Mit Freunden und Professoren sprechen Sie über Ihre fachlichen und persönlichen Fähigkeiten. Die Arbeitsmarktsituation, Branchen, Unternehmen und Einstiegsmöglichkeiten erfahren Sie durch das Sammeln von Informationen über und bei den Unternehmen. Diese finden Sie zum Beispiel:
  • in Fachzeitschriften
  • in der Tagespresse
  • im Internet
  • auf Jobmessen
  • auf Industriemessen
  • bei Workshops
  • durch Telefonate
  • über eMail
Fachzeitschriften und der Wirtschaftsteil der Tagespresse gehören schon in punkto Allgemeinwissen zu Ihrer Pflichtlektüre. Um die Situation auf dem Arbeitsmarkt einzuschätzen und um global über Unternehmen und Branchen Bescheid zu wissen, dienen sie als wichtiges Medium.
Um sich ein Bild über Unternehmen zu machen, hat das Internet in den letzten Jahren sehr an Bedeutung gewonnen und zählt mittlerweile zur Informationsquelle Nummer eins. Viele Firmen bieten spezielle Informationsseiten für Arbeitsuchende an (siehe auch die ca. 10.000 Jobangebote unter http://www.berufsstart.de/stellenmarkt/index1.html.

Auf Job- und Industriemessen können Sie persönlich mit den Unternehmen Kontakt aufnehmen. Details hierzu im nächsten Kapitel.

Viele Unternehmen bieten über Studentenorganisationen oder Fachschaften Workshops und Firmenbesichtigungen an. Ähnlich wie bei den Messen können Sie dort persönlich mit Firmenvertretern Kontakt aufnehmen. Nutzen Sie diese Chancen, denn jede Information ist zur Karrierefindung wichtig (Alle Informationen hierzu finden Sie im umfangreichen Veranstaltungskalender http://www.berufsstart.de/veranstaltung/index1.html).
Mittelständische und Kleinunternehmen präsentieren sich leider selten direkt an der Hochschule. Um an Informationen zu gelangen, müssen Sie zum Beispiel das Telefon oder die eMail zur Kontaktaufnahme nutzen. Mitarbeiter unseres Verlages haben für Sie die Informationsbeschaffung per Telefon getestet. In den meisten Fällen wurde unser Anliegen sehr positiv von den Personalabteilungen aufgenommen. Ja, ehe man sich versah, befanden sich unsere Mitarbeiter regelrecht in einem Interview.
Achtung: Bereiten Sie sich gründlich vor, bevor Sie den Telefonhörer zur Hand nehmen. Notieren Sie sich Ihre Fragen und erarbeiten Sie ein Entrée, in dem Sie sich vorstellen und Ihre Vorzüge herausarbeiten. Denken Sie an Ihre Marketingstrategie.
Ein Tipp: Um die Sekretärin zu umgehen, die Sie nur vertröstet, sollten Sie antizyklisch telefonieren: Die Sekretärin arbeitet zum Beispiel von 9 Uhr bis 17 Uhr. Der Personalleiter bzw. -leiterin sitzt bereits ab 8 Uhr am Arbeitsplatz oder verlässt diesen erst nach 19 Uhr.
Beginnen Sie Ihr Gespräch mit der Frage: “Guten Tag, meine Name ist.... Haben Sie ein paar Minuten Zeit für mich?" Wird die Frage bejaht, können Sie sicher sein, dass Ihr Gesprächspartner sich positiv eingestellt mit Ihrer Präsentation und Ihren Fragen beschäftigen wird. Wird die Frage negativ beantwortet, versuchen Sie gleich einen Termin für einen nächsten Anruf zu vereinbaren: "Wann darf ich mich nochmals melden?"
Eine gute Alternative zum Telefon kann die eMail sein. Bei einer Umfrage unseres Verlages zu den elektronischen Medien bei Unternehmen ergab sich eine durchaus positive Einstellung der eMail gegenüber. Als Instrument zur ersten Kontaktaufnahme wird sie sehr gerne gesehen. Finden Sie eine eMail in Stellenanzeigen, Firmenbroschüren oder im Internet, dann nutzen Sie diese. Sofort erhalten Sie aber keine Antwort. Bis zu einer Woche müssen Sie manchmal warten. Sollte die eMail nach diesem Zeitraum nicht beantwortet sein, sollten Sie zum Telefonhörer greifen, um die gewünschten Informationen zu erhalten.


Die Job- und Industriemesse

Studenteninitiativen wie zum Beispiel bonding oder KONAKTIVA sowie Messeveranstalter wie CampusConcept (CampusChances), VHK (Bau- und IT-Messen), bmv (TALENTS), Absolventenkongress in Köln und viele mehr organisieren Firmenkontakt- bzw. Jobmessen an verschiedenen Hochschulstandorten. Bequem von zu Hause können Sie die virtuelle Jobmesse www.jobfair24.de besuchen. Einmal im Monat wird hier eine Messe mit verschiedenen Unternehmen veranstaltet. Um alle Messehallen besuchen zu können muss man lediglich seinen Lebenslauf bei jobfair24 oder berufsstart.de hinterlegen. Mit diesem Lebenslauf kann man sich dann gleich online bei den Firmen bewerben. Jede Woche bietet Jobfair24 darüber hinaus einen Karrierechat, bei dem Sie dem Berufsstart- und Jobfair24-Beraterteam alle Fragen zum Thema Bewerbung stellen können.
Diese Messen, ob online oder auf dem Unicampus, sind der Kontakt zwischen Studenten und Firmen. Sowohl bei Jobfair24 als auch bei vielen Campusmessen bieten die Veranstalter die Möglichkeiten zu vorterminierten Einzelgesprächen in separaten Räumen an.
Diese werden im Vorfeld über den Messeveranstalter vereinbart. Viele Unternehmen haben zu diesen Messen konkrete Stellenausschreibungen für Praktika, Diplomarbeiten und Berufseinstieg in der Tasche. Bei Jobfair24 können Sie auf den Stellenmarkt zurückgreifen und sich konkret zu offenen Positionen im Chat informieren.

Industriemessen, wie zum Beispiel die CeBIT und die HANNOVER MESSE in Hannover, die IAA in Frankfurt oder die SYSTEMS in München bieten Ihnen ein ähnliches Forum der Kontaktaufnahme.


Die Vorbereitung zur Job- und Industriemesse

Wie im ganzen Bewerbungsprozess gilt auch für den Messebesuch die Devise: Gute Vorbereitung verspricht Erfolg. Eine Jobmesse können Sie mit einem Vorstellungsgespräch vergleichen. Ihr Vorteil dabei ist, dass Sie den Gesprächspartner auswählen können und nicht erst nach dem langwierigen Verfahren der schriftlichen Bewerbung die Chance zum persönlichen Kontakt haben. Denn Sie werden feststellen, Sympathie oder Antipathie prägen das Bewerbungsverfahren mehr, als man glauben möchte. Befinden Sie sich auf der virtuellen Messe ist die "Chatiquette" ein wichtiger Baustein, um ein Unternehmen für sich zu interessieren. Hier können zum Beispiel Fragen schon im Vorfeld formuliert und dann im Chat eingeflochten werden.

Bei der Campusmesse kommt es zum Beispiel auch auf Ihre Kleidung an. Auf dem Lichtbild in der Bewerbungsmappe und bei einem Vorstellungsgespräch im Unternehmen ist der „Business-Look“, also Anzug bzw. Kostüm usw., Pflicht. Also sollten Sie auch beim Messebesuch dem Anlass entsprechend gekleidet sein. Findet die Messe direkt an der Hochschule statt, kann der dunkle Anzug getrost im Schrank bleiben. Angemessen wäre hier zum Beispiel Jeans mit Sakko bzw. Blazer.

Der nächste Punkt der Vorbereitung führt Sie wieder zu Ihrer Verkaufsstrategie. Sie müssen sich dem Unternehmen präsentieren und zwar am besten mit einem kurzen, aber prägnanten Entrée. Denn ein starkes und wichtiges Argument in Ihrer Marketingstrategie halten Sie in Händen, wenn Sie anschaulich über sich Auskunft geben können. Sie wissen am besten über sich selbst Bescheid. Ihre Person mit allen Vorzügen und Ihr Fachwissen sind gefragt. Stellen Sie sich als interessanten Kandidaten für die Unternehmen dar. Unterscheiden Sie sich von Ihren Kommilitonen. Das gilt auf der Messe, beim Telefonat, in der eMail, bei der schriftlichen Bewerbung und beim Vorstellungsgespräch.
Beispiel: Sie studieren Elektrotechnik. Wenn nun die Vorstellung Ihrer Person mit „ich studiere Elektrotechnik“ beendet ist, werden Sie sich auf einer Messe sicherlich nicht von den weiteren 100 Studenten der Elektrotechnik unterscheiden. Wie langweilig für den Unternehmensvertreter, bei dem Sie sich vorstellen. Dem bleibt die Möglichkeit, Ihnen alle Informationen aus der Nase zu ziehen oder Sie mit Standardinformationen abzuspeisen. Und sicherlich wird er sich nicht an Sie erinnern, wenn Sie ihm 14 Tage später eine Bewerbung schicken.

Die Unternehmen bieten Ihnen hier durch das an Sie gestellte Anforderungsprofil ideale Anhaltspunkte für Ihre Selbstanalyse. Sie müssen jetzt Ihre persönlichen und fachlichen Stärken anhand dieses Profils beschreiben. Durch diese einmaligen Stärken und auch Schwächen unterscheiden Sie sich von Ihren Kommilitonen (siehe hierzu auch das Kapitel "Anforderungsprofil" weiter unten im Text).

Sie haben Ihren Lebensweg hautnah erlebt, demnach sollte es für Sie kein Problem sein, sich Ihrem Gegenüber kurz, aber interessant vorzustellen. Circa zehn Elektrotechniker stellen sich zum Beispiel bei einer/einem Firmenvertreter/in stündlich auf einer Messe vor. Aber wenn Ihre Bewerbungsunterlagen 14 Tage später auf dem Schreibtisch der Personalabteilung liegen, dann soll er oder sie sich positiv an Sie erinnern. Und damit haben Sie Ihren ersten Pluspunkt im Bewerbungsmarathon erhalten.


Vor dem Kontakt

Zu jeder Jobmesse gibt es einen Messekatalog mit Firmenprofilen. Bei Jobfair24 finden Sie zu jedem Unternehmen ein Profil am Messestand. Bevor Sie mit dem Unternehmen Kontakt aufnehmen, sollten Sie dieses Profil studieren. Einige Ihrer Fragen werden dann schon beantwortet sein, aber sicherlich werden neue Fragen aufgeworfen. Das gleiche gilt für die Firmenprospekte, die Sie an den einzelnen Ständen der Campusmessen finden. Einige Unternehmen bieten Ihnen im Rahmen des Messeprogramms auch Vorträge an, die Ihnen weiterhelfen werden.
Da Sie sicher nicht der einzige Informationssuchende auf der Messe sein werden, werden Sie so manches Mal warten müssen. Sie sollten sich dann nicht ärgern, sondern auch diese Zeit aktiv nutzen und beobachten bzw. bei jobfair24 den Chat am Stand mitverfolgen. Wie präsentiert sich das Unternehmen? Sind die Firmenvertreter gut vorbereitet und geben fundiert Auskunft? Wie wirkt das Messeteam des Unternehmens auf Sie (Sympathie)? Das sind wichtige Eindrücke, die Ihnen bei der zukünftigen Entscheidung für ein Unternehmen helfen.


Beim Kontakt

Machen Sie sich beim Gespräch auf alle Fälle Notizen, denn Sie werden mehrere Firmen konsultieren und wollen diese ja auch miteinander vergleichen. Lassen Sie sich bei der Campusmesse die Visitenkarte Ihres Ansprechpartners geben. Erkundigen Sie sich beim Chat nach dem Namen und der Position des Gesprächspartners. Neben der korrekten Schreibweise des Namens verfügen Sie mit der Visitenkarte auch über die korrekte Firmenanschrift mit Abteilung.
Ein Tipp: Übung macht den Meister. Deshalb sollten Sie Ihr Auftreten, Ihre Rhetorik und Ihre Fragestrategie bei einem Unternehmen trainieren, das Sie nicht interessiert, um gut gerüstet beim Wunschunternehmen vorstellig zu werden.


Das Anforderungsprofil

Das Anforderungsprofil der Unternehmen an Sie ist der Schlüssel zur individuellen Bewerbung. Ein Blick in den Messekatalog einer Jobmesse, in die Stellenanzeigen von „Berufsstart“ oder der Tageszeitung verdeutlicht Ihnen, dass die Unternehmen neben Ihrem an der Hochschule erlernten Fachwissen noch eine Menge Zusatzqualifikationen von ihrem zukünftigen Führungsnachwuchs erwarten. Diese Zusatzqualifikationen unterteilt man in persönliche und fachliche Qualifikationen. Hier die wichtigsten Qualifikationen auf einen Blick:
  • Soft Skills
    • Kreativität
    • Auffassungsgabe
    • Motivationsfähigkeit
    • analytisches Denken
    • effiziente Arbeitsorganisation
    • Entscheidungsvermögen
    • Eigenmotivation
    • Leistungsbereitschaft
    • Belastbarkeit
    • Ausdauer
    • Geduld
    • Pflichtbewusstsein
    • Selbstständigkeit
    • Teamfähigkeit
    • Durchsetzungsvermögen
    • Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen
    • Kommunikationsfähigkeit
    • Kontaktfähigkeit
    • Lebensfreude
    • Flexibilität
    • Mobilität
  • Fachliche Zusatzqualifikationen
    • Lehre
    • Praktika
    • Auslandsaufenthalte
    • Fremdsprachenkenntnisse
    • EDV-Kenntnisse
    • Außeruniversitäre Aktivitäten
    • MBA
    • Promotion
Ein Thema Ihrer Selbstanalyse ist es nun Ihre Stärken und Schwächen anhand einer solchen Liste herauszuarbeiten.

Sie haben nun in Ihrer Selbstanalyse Ihre persönlichen und fachlichen Stärken herausgearbeitet. Jetzt müssen Sie diese Stärken mit dem individuellen Anforderungsprofil des Unternehmens verknüpfen. Dann ergibt sich daraus die individuelle Bewerbung.
Beispiel: Unternehmen A, ein internationales Großunternehmen, sucht teamfähige, mobile Mitarbeiter mit Organisationstalent und Auslandserfahrung. Unternehmen B, ein Forschungsinstitut, sucht teamfähiges, motiviertes Fachpersonal mit speziellen Fachkenntnissen und Erfahrung auf einem Gebiet.
Beide Stellen interessieren Sie. Jedoch müssen Sie sich für beide Positionen völlig anders präsentieren und den Schwerpunkt auf verschiedene Ihrer Vorzüge legen. Sie haben ein Semester im Ausland studiert, nach diesem Semester beim Aufbau einer hochschuleigenen Auslandspraktikavermittlung mitgearbeitet und Ihre Diplomarbeit in dem Fachgebiet absolviert, das Unternehmen B so wichtig ist. Alles klar? In der Präsentation für Unternehmen A werden Sie natürlich schwerpunktmäßig Ihren Auslandsaufenthalt und die Mitarbeit bei der Praktikavermittlung in den Vordergrund stellen, während bei Ihrer Vorstellung bei Unternehmen B Ihre Diplomarbeit im Mittelpunkt stehen wird.
Wichtig: Diese individuelle Präsentation gilt immer. Sowohl bei der persönlichen oder telefonischen Vorstellung, als auch bei der schriftlichen Bewerbung. Jedes Unternehmen möchte von Ihnen individuell angesprochen werden (siehe auch den Punkt "Die individuelle Bewerbung" in diesem Artikel).

Ein zweiter wichtiger Punkt sind die Schlagworte wie zum Beispiel "teamfähig". Zur Beantwortung reicht nicht eine reine Aufzählung nach dem Motto "ich bin teamfähig, motiviert,etc."
Beispiel: Frage: Sind Sie teamfähig? Antwort: Ja, in einem Seminar konnten Sie dies unter Beweis stellen oder beim Praktikum haben Sie erfolgreich im Team gearbeitet. Frage: Sind Sie leistungsfähig, engagiert? In einem Praktikum in der Forschungsabteilung waren Sie maßgeblich an der erfolgreichen Entwicklung... beteiligt.
Lassen Sie sich auch von Ihrer Familie oder Freunden anhand der Schlagwörter charakterisieren. Sie werden Erstaunliches über Ihre Person erfahren.


Die schriftliche Bewerbung

Sie haben nun Informationen gesammelt, interessante Gespräche geführt und sind sich über Ihre Berufswünsche im Klaren. Jetzt können Sie gut gerüstet Ihre schriftliche Bewerbung formulieren. Sie werden sehen: Je mehr Vorarbeit Sie geleistet haben, desto leichter wird Ihnen das Ausformulieren von der Hand gehen. Denn Sie kennen Ihre Qualitäten, Sie wissen worauf es dem Unternehmen ankommt und Sie haben gelernt, sich zu präsentieren.

Zum Thema schriftliche Bewerbung führen wir laufend Umfragen in den Personalabteilungen von Unternehmen unterschiedlicher Branchen durch. Aus der letzten großen Umfrage zu diesem Thema ergab sich unter anderem folgendes Statement: Bis zu 60 % der eingehenden Unterlagen weisen formale oder inhaltliche Mängel auf. Im Kampf des Auswahlverfahrens wird auf jede Kleinigkeit geachtet. So können drei Rechtschreibfehler im Anschreiben das „Aus“ bedeuten. Negativ bewertet werden auch „Lose-Blatt-Sammlungen“, verknickte Unterlagen, unterschiedliches Datum auf Anschreiben und Lebenslauf, ein Lichtbild im Freizeit-Look, eine Online-Bewerbung die 5MB umfasst, Ansprechpartner oder Unternehmen falsch geschrieben, unsauberer Ausdruck bzw. unsaubere Kopien der Zeugnisse, unleserliche Scans der Zeugnisse, unübersichtliche Gestaltung, unvollständiger Lebenslauf, ein langes unstrukturiertes Anschreiben im eMail-Body, das Anforderungsprofil passt so gar nicht zur ausgeschriebenen Stelle usw. Doch sehen Sie es einmal von der positiven Seite. Sie müssen nur auf diese „Kleinigkeiten“ achten und schon gehören Sie zu den 40 Prozent, die einen ersten positiven Eindruck hinterlassen und somit wiederum Pluspunkte im Bewerbungsmarathon sammeln.
Ihr Motto für die grafische und textliche Gestaltung Ihrer Bewerbung sollte lauten:
  • einfach
  • übersichtlich
  • aussagefähig
  • individuell

Die individuelle Bewerbung

Statt 100 Bewerbungen an Adressen aus dem Branchenbuch an „Sehr geehrte Damen und Herren“ von Firmen, die Ihnen eigentlich kein Begriff sind, per Post zu verschicken oder zu mailen, sollten Sie lieber 20 Bewerbungen an ausgewählte Unternehmen schicken, deren Produkt- bzw. Dienstleistungspalette Sie kennen. Bei denen Ihnen die Unternehmensstruktur bekannt ist, Sie durch Informationen aus dem Internet und einem Telefonat im Anschluss über das Anforderungsprofil im Bilde sind und Ihnen Frau Müller im Telefonat mitteilte, dass Sie Ihre Bewerbungsunterlagen an den Personalleiter Herrn Maier schicken können. Oh je, Sie haben vergessen, Frau Müller nach der Schreibweise von „Herrn Maier“ zu fragen. Ein Telefonat mit der Zentrale des Unternehmens löst das Problem. Frau Müller muss nicht nochmals konsultiert werden und Herr Meyer kann nun korrekt angeschrieben werden.
Individuell bedeutet aber auch, dass Sie auf das Anforderungsprofil der Stellenanzeige oder auf die durch Telefonat oder Internet gewonnenen Informationen eingehen. Siehe hierzu das Kapitel "Anforderungsprofil".
Beispiel: Sie bewerben sich bei einem Unternehmen, das mehrfach hervorhebt: „Die internationale Firmenstruktur setzt Fremdsprachen voraus“. Sie verfügen über diese Kenntnisse. Deshalb sollten im Anschreiben Ihre Fremdsprachenkenntnisse erwähnt werden.
Bei einem anderen Unternehmen hingegen sind besondere Fachkenntnisse Voraussetzung. Über diese Fachkenntnisse verfügen Sie. Im Anschreiben an dieses Unternehmen erwähnen Sie natürlich diese Kenntnisse, eventuell verzichten Sie im Anschreiben auf den Satz zu Ihren Fremdsprachenkenntnissen (siehe auch das konkrete Beispiel unter der Rubrik "das Anforderungsprofil" in diesem Artikel).

„Warum bewerben Sie sich gerade bei diesem Unternehmen?“ ist ein weiterer Punkt, den die Personalverantwortlichen in Ihrer Bewerbung finden möchten. Diese Frage kann nur fundiert beantwortet werden, wenn Sie sich mit dem Unternehmen beschäftigt haben. Natürlich, Sie bewerben sich bei mehreren Firmen. Trotzdem sollten Sie es schaffen, jedem Unternehmen den Platz eins in den Augen der Personalverantwortlichen zu geben. Was interessiert und fasziniert Sie an dem einen Unternehmen: die ausgeschriebene Position, die Produktpalette, das Dienst-leistungsangebot, die Unternehmensstruktur, die Internationalität, die Innovation, die Marktposition, die Dynamik, das Traineeprogramm, die Karriereperspektiven usw. Je mehr Informationen Sie haben, desto einfacher und fundierter können Sie argumentieren.

Unsere Umfragen ergaben, dass in der Regel das Anschreiben vor der Durchsicht der Bewerbungsmappe von den Personalverantwortlichen gelesen wird. Das heißt auch bei Online-Bewerbung sollte das Anschreiben im PDF am Anfang stehen. Die gesamte erste Durchsicht der Bewerbungsunterlagen dauert allerdings nur circa fünf Minuten. Besonders große Firmen gehen nach einem Auswahl-Schema vor. Diese Schemen beinhalten Punkte wie zum Beispiel Note, Studiendauer, Alter usw. Wichtig ist bei dieser ersten Durchsicht, viele Pluspunkte zu sammeln.
Schwierig gestaltet sich eine individuelle Bewerbung bei Bewerbungsbogen im Internet. Hier wird häufig nach Fakten wie Note etc. beurteilt. Entsprechen Sie mit Ihrem Profil so gar nicht dem gewünschten Bewerbungsmuster würde ich versuchen individuellen Kontakt per eMail oder Telefon herzustellen.

Man kann es nicht oft genug erwähnen: Gehen Sie auf das Anforderungsprofil des Unternehmens ein. Sucht das Unternehmen motivierte Mitarbeiter mit Persönlichkeit, sollte Ihre Motivation und Persönlichkeit bereits in der schriftlichen Bewerbung Ausdruck finden. Ihre Persönlichkeit kann sich z.B. auch durch eine übersichtliche und ansprechende Gestaltung Ihrer Bewerbungsunterlagen darstellen, die eigentlich allen Personalverantwortlichen sehr wichtig ist.
Wichtig: Übernehmen Sie die Gestaltungsbeispiele aus Bewerbungshandbüchern nicht blind, sondern nutzen Sie diese als Anregung für Ihre eigene persönliche Gestaltung.
Rechtschreibfehler sollten Sie vermeiden, die korrekte Schreibweise des Ansprechpartners und der Firma beachten usw. Bedenken Sie, ein/e Personalchef/in bekommt jeden Tag Bewerbungen auf den Tisch.

Versuchen Sie, das Einerlei zu durchbrechen. Wobei nicht Aufmerksamkeit durch „Gags“, wie eine Torte, um die Bewerbung zu versüßen oder einen Ziegelstein, um der Bewerbung mehr Gewicht zu verleihen, gemeint sind. Ganz bewusst finden Sie in diesem Artikel keine komplette Musterbewerbung, sondern nur formale und inhaltliche Anhaltspunkte. Ich möchte, dass Sie selbst kreativ werden und Ihre „persönliche“ Bewerbung erstellen.
Die Rechtschreibreform lässt ein neues Problem auf Sie zukommen. Seit August 1999 haben alle Printmedien und viele Unternehmen auf die neuen Rechtschreibregeln umgestellt. Die Entscheidung der Frankfurter Allgemeine Zeitung, im Sommer 2000 wieder die alten Regeln zu befolgen, hat die Lager wieder gespalten und auch den Fakultätentag zur Umkehr bewogen. Somit scheint wieder alles offen. Im Laufe der Zeit hat sich die neue Regelung zwar so einigermaßen durchgesetzt. Doch nehmen die Diskussionen kein Ende und in so manchem Artikel findet sich ein kunterbuntes Durcheinander zwischen alter und neuer Rechtschreibung wieder. Sollte die Stellenausschreibung in der alten Version verfasst sein, würde ich auch diese verwenden. Ansonsten gelten bei den meisten Unternehmen die neuen Regeln.


Das Anschreiben

Das Anschreiben sollte eine Seite nicht überschreiten. Das erscheint schwer, da Sie gerne alle Ihre Vorzüge unterbringen möchten. Aber bedenken Sie das Sprichwort: In der Kürze liegt die Würze.
Ein Tipp: Am besten schreiben Sie alle, Ihrer Meinung nach wichtigen Punkte auf und versuchen dann, den Text auf die richtige Länge zu kürzen. Lassen Sie ruhig Freunde oder die Familie das Anschreiben lesen, um neue Anregungen zu erhalten. Denken Sie daran, dass ins Anschreiben Ihre persönlichen Highlights im Hinblick auf das Anforderungsprofil des Unternehmens gehören. Für Ihren gesamten, lückenlosen Werdegang ist der Lebenslauf da.
Achtung: Sollte in einer Stellenanzeige vermerkt sein, dass Sie Ihre Gehaltsvorstellungen angeben sollen, ist die Beantwortung ein Muss. Haben Sie Angst über das heikle Thema Geld zu sprechen? Man will Sie mit dieser Stressfrage testen. Womöglich ist es sogar ein Auswahlkriterium. Mit der Beantwortung der Frage legen Sie sich nicht auf Ihr zukünftiges Gehalt fest. Denn das ist vom Unternehmen im voraus schon fest eingestuft worden. Das bestätigte auch unsere letzte Umfrage zu diesem Thema. Das Unternehmen will Sie mit dieser Frage in eine Stresssituation versetzen, denn die meisten Absolventen haben Angst, über Geld zu reden. Sie müssen sich lediglich informieren, was die Branche bzw. das Unternehmen seinen Berufseinsteigern bezahlt. Bei vielen Firmen ist das kein Geheimnis. In Firmenbroschüren, den Katalogen zu Jobmessen oder im Internet werden teilweise die Einstiegsgehälter angegeben. Nutzen Sie das Angebot des tagaktuellen Gehaltsanalyser unter www.berufsstart.de.
Beispiel: Ihre Antwort auf die Frage könnte demnach lauten: Das nach meinen Informationen branchenübliche Gehalt zwischen 32.000 - 35.000 Euro p.a. kann ich mir gut vorstellen. Oder: Die von Ihrem Unternehmen im Internet angegebene Gehaltsspanne von 30.000 - 33.000 Euro liegt innerhalb meiner Vorstellungen.

Zurück zum Formalen: Verwenden Sie bei der Bewerbung per Post hochwertiges Papier. Eine andere Möglichkeit bietet ein farbiges Papier, aber bitte nicht mit Blumenranken oder ähnlichem Schnickschnack. Bei Bewerbungen in kreativen Bereichen sollten Sie mehr Zeit bei der Auswahl des Papiers und der Bewerbungsmappe, aber auch bei der grafischen Gestaltung verwenden.
Bei Online-Bewerbungen sollten Sie darauf achten, dass grafische Elemente nicht auf Kosten der Übersichtlichkeit gehen. Bei der Gestaltung einer eigenen Website sollte diese nur der Bewerbung und nicht auch gleichzeitig privaten Informationen (Bilder vom letzten Weihnachtsfest bei der Familie) dienen.
Wichtig: Die Anschrift des Unternehmens muss vollständig sein. Falls Ihnen nicht alle Daten vorliegen, rufen Sie im Unternehmen an, um alle wichtigen Daten, also auch die exakte Bezeichnung der Abteilung usw. zu erhalten. Ihr Absender sollte am besten inklusive Telefonnummer und, falls vorhanden, inklusive eMail-Adresse sein. Wenn Sie die eMail-Adresse angeben, was heutzutage schon obligatorisch ist, sollten Sie auch täglich Ihren eMail- Kasten kontrollieren.
Ein Tipp: Bedenken Sie, dass die Firmenvertreter Sie durchaus einmal anrufen werden. Sei es, um weitere Unterlagen anzufordern oder um Sie einfach kennen zu lernen. Sollten Sie über einen Anrufbeantworter verfügen, versehen Sie diesen mit einem „seriösen“ Spruch, um den Anrufer nicht zu irritieren.
Ihr Anschreiben wird mit dem Absendedatum versehen, welches Sie einheitlich in den gesamten Bewerbungsunterlagen verwenden.
Achtung: Widerstehen Sie der Versuchung, einen Lebenslauf aus einer früheren Bewerbung mitzusenden. Die Personalverantwortlichen werden das Da- tum vergleichen. Dies ist ein Auswahlkriterium! Personalverantwortliche sehen diesen Punkt mit peinlicher Genauigkeit. Da ein Lebenslauf mit älterem Datum ja von einer früheren Bewerbung stammt, fühlt man sich sofort als Unternehmen der zweiten Kategorie.

Bevor Sie die Anrede Sehr geehrte Frau... setzen, geben Sie Ihrem Anschreiben noch eine Überschrift. Besser bekannt unter dem Ausdruck „Betreff“. Das Wort „Betreff“ wird aber nicht mehr hingeschrieben. Diese Überschrift, die Sie durch Unterstreichen oder Fettdruck hervorheben können, erleichtert es der Personalabteilung, Ihre Bewerbung einzuordnen. Bewerben Sie sich auf eine Stellenanzeige, aufgrund eines Messebesuches oder nach einem Telefonat bei dem Unternehmen.
Diese Kategorisierung setzt sich im Einleitungssatz Ihres Anschreibens fort.
Beispiel: "Nach dem netten und sehr informativen Gespräch mit Frau Müller auf der Jobmesse xy sende ich Ihnen hiermit meine Bewerbungsunterlagen....“ Hatten Sie keinen persönlichen oder telefonischen Kontakt können Sie auch einmal das Pferd anders aufzäumen und einen Teil aus dem Anforderungsprofil des Unternehmens an den Anfang setzen: „Der Umgang mit Menschen hat mich schon immer fasziniert und drückt sich auch in der Auswahl meiner Praktikantenstellen aus. Deshalb hat mich Ihre Stellenausschreibung sofort angesprochen und mich bewogen, Ihnen meine Bewerbungsunterlagen zu senden." Schon in der Einleitung können Sie somit einen Punkt des Anforderungsprofils der Stellenausschreibung abdecken.

Wichtig: Versuchen Sie, Ihre positiven Eigenschaften zu belegen. Eine reine Aufzählung - Ich bin flexibel, mobil und teamorientiert - sagt wenig aus.
Beispiel: "Mobilität zeichnet mein Leben schon seit frühester Kindheit aus, da ich mich durch häufige Umzüge ständig mit neuen Städten konfrontiert sah und gelernt habe, mich immer wieder in neue Umgebungen einzuleben. Auch in meiner beruflichen Zukunft möchte ich diese mittlerweile liebgewonnene und reizvolle Lebensweise fortsetzen. Hierbei interessiert mich besonders das in Ihrer Anzeige angesprochene Tätigkeitsfeld im gesamten europäischen Ausland." Oder: "Meine Teamfähigkeit konnte ich schon in den vielen Seminaren an der Hochschule unter Beweis stellen. Besonders möchte ich meine mit Prädikat abgeschlossene Arbeit über ... bei Professor X hervorheben, die entscheidend für meinen angestrebten Berufseinstieg wurde."

Im letzten Absatz Ihres Anschreibens können Sie, falls gefordert, die Stressfrage Gehalt abklären oder das mögliche Einstiegsdatum benennen und zum Ausdruck bringen, dass Sie sich über ein persönliches Gespräch sehr freuen würden. „Mit freundlichen Grüßen“ und Ihre Unterschrift beschließen das Anschreiben.
Wichtig: Das Anschreiben wird beim Postversand der gesamten Bewerbungsmappe lose beigefügt. Sie können es als Geschäftsbrief zu Ihrer Bewerbungsmappe, der „Anlage“, betrachten. Bei der Online-Bewerbung sollte es das erste Dokument im PDF sein. Versenden Sie doc-Dokumente sollte der Lebenslauf und das Anschreiben als getrennte Dateien der eMail beigefügt werden.


Das Lichtbild

Beim Lichtbild müssen Sie folgende Punkte beachten: Bilder aus dem Automaten oder Urlaub dürfen nicht verwendet werden. Und Sie müssen sich im „Businesslook“ präsentieren. Das Bild, egal ob farbig oder schwarzweiß, sollte über Ausstrahlung verfügen. Denken Sie an Ihre Verkaufsargumente. Versuchen Sie, Ihre Motivation, Ihre Dynamik, Ihre Lern- und Leistungsbereitschaft, Ihre Kreativität und Ihre positive Einstellung in dieses Bild hineinzulegen. Mit der korrekten Kleidung
signalisieren Sie, dass Sie das Unternehmen nach außen hin repräsentieren können.
Beispiel: Sie sollen eine Softwarelösung, die Sie für einen Kunden entwickelt haben, diesem nun präsentieren. Es handelt sich um einen Auftrag in Millionenhöhe. Jeans sind hier sicher nicht angebracht. Revolutionsgedanken wie „Krawatte trage ich nicht“ sind hier absolut fehl am Platze. Katapultieren Sie sich nicht durch so eine Kleinigkeit ins Abseits.
Ein Tipp: Da Sie Ihre Bewerbung an mehrere Firmen verschicken, sollten Sie beim Fotografen ruhig auch in diesem Punkt auf die Unternehmenskultur eingehen und zum Beispiel die Krawatte bzw. Tuch oder Blazer wechseln.
Beispiel: Sie bewerben sich auf eine inte-ressante Anzeige eines kleinen, dynamischen Newcomer-Unternehmens. Gewagte Farben können hier Ihren Mut zum Neuen unterstreichen. Gleichzeitig versenden Sie eine Bewerbung an ein gediegenes mittelständisches Familienunternehmen mit Tradition. Die Krawatte bzw. das Tuch mit den gedeckten Farben unterstreicht diese Tradition. Auch damit geben Sie Ihrer Bewerbungsmappe einen individuellen „Touch“.

Gescannte Bewerbungsfotos sind auch bei der Papierbewerbung mittlerweile akzeptiert. Wichtig ist aber, dass die Qualität stimmt. Dabei ist nicht nur die Qualität des Scans, sondern auch die des Ausdrucks maßgeblich. Wird die Bewerbung online verschickt, sollte die Qualität des Bildes so sein, dass auch beim Ausdru-cken Qualität erreicht wird. Denn häufiger als gedacht, wird die online verschickte Bewerbung im Unternehmen in Papierversion weiter bearbeitet.


Die Bewerbungsmappe mit gestalteter Titelseite

Wenn Sie Ihrer Bewerbungsmappe zum Sprung aus dem grauen Einerlei verhelfen wollen, gestalten Sie doch eine Titelseite zusammen mit Ihrem Lichtbild. Sie können zum Beispiel mit einem Inhaltsverzeichnis auf der Seite Übersicht über Ihre gesamten Unterlagen schaffen. Das Lichtbild spielt oft eine psychologische Rolle.
Ein sympathisches Gesicht stimmt positiv. Auf einer gestalteten Titelseite haben Sie die Möglichkeit, Ihr Bild in einem größeren Format zu präsentieren. Oder statt des Hochformates ein quadratisches oder gar ein Querformat zu wählen. Wenn Sie etwas aus dem Rahmen fallen, kann das den Aufmerksamkeitswert erhöhen.

Bei der Online-Bewerbung kann im PDF die mit Lichtbild gestaltete Titelseite auch vor dem Anschreiben stehen. Das empfielt sich besonders bei Positionen, bei denen Kundenkontakt im Vordergrund steht und demnach der Sympathiefaktor Ihrer Person wichtig ist.
Achtung: Dosieren Sie grafische Elemente richtig. „Klasse statt Masse“ ist gefragt.
Ein Tipp: In der Inhaltsangabe unserer gestalteten Seite finden Sie neben dem tabellarischen Lebenslauf, Referenzen und den Zeugnissen noch ein Blatt betitelt mit „Vielleicht interessiert es Sie...“. Es handelt sich hierbei um ein „Motivationsschreiben“, in dem Sie, über das Anschreiben hinaus, Ihre Besonderheiten hervorheben können. Punkte wie „Meine Erfahrungen...“, „Wie andere mich sehen...“ oder „Ich bewerbe mich bei Ihnen, weil...“ können noch einmal angesprochen werden.
Achtung: Versehen Sie dieses Zusatzblatt auf alle Fälle auch mit Ihrem Namen und Ihrer Adresse sowie mit Datum und Unterschrift. Auch für dieses Schreiben gilt: nicht länger als eine Seite.


Der Lebenslauf

Doch nun zum Herz Ihrer Bewerbungsmappe, dem Lebenslauf. Ihm gilt nach dem Anschreiben die größte Aufmerksamkeit des Personalverantwortlichen. Im Lebenslauf erhält er „lückenlos“ alle Informationen über Ihren Werdegang. Wichtig ist, dass Sie hier alle Informationen in Stichpunkten erwähnen. Die Anlagen (Zeugniss etc.) werden immer weniger, in der ersten Durchsicht manchmal gar nicht gelesen. Deshalb ist es wichtig, zu Praktika oder Studium ausreichend Informationen zu geben.

Der Lebenslauf wird in der Regel tabellarisch angeordnet. Sie haben aber mehrere Möglichkeiten der grafischen Anordnung:
  • zweispaltig (was - wann / wann - was)
  • dreispaltig (wann - was - wo)
  • vierspaltig ( wann - was - wo - wie)
Welche der Gestaltungsformen Sie wählen bleibt Ihnen überlassen. Wichtig ist nur, dass Ihr Lebenslauf übersichtlich und chronologisch nach Gruppen geordnet wird. Auch obliegt dem Lebenslauf keine Beschränkung in der Länge. In der Regel dürfte er circa eineinhalb bis zwei Seiten lang sein. Lücken von mehr als drei Monaten sind im Lebenslauf nicht erlaubt. Spätestens im Vorstellungsgespräch werden Lücken 100-prozentig angesprochen. Hier eine inhaltliche Übersicht des Lebenslaufes.

Übersichtsschema zum Lebenslauf

Angaben zur Person
Vor- und Nachname
Anschrift
Telefon, eMail
Geburtsdatum und -ort
Staatsangehörigkeit
Familienstand
Schulbildung
Zeitraum
Schultyp und -ort
Abschluss
Wehr- oder Zivildienst
Zeitraum
Tätigkeit, Ort
Berufsausbildung (Lehre)
Zeitraum
Ausbildungsart
Ausbildungsstätte
Abschluss
Studium
Zeitraum
Hochschule
Studienfach
Studienschwerpunkte
Vordiplom
Abschluss (Diplom etc.)
Fachbezogene Berufspraxis
(Praktika, Werkstudententätigkeit)
Zeitraum
Betrieb und Ort
Berufsbezeichnung
Position und Aufgabenbereich
Weitere Berufspraxis
(Semesterjobs etc.)
Zeitraum
Tätigkeit
Weiterbildungsmaßnahmen
Zeitraum
Art der Weiterbildung
ev. Abschluss
ev. Veranstalter
Weitere Kenntnisse
Fremdsprachen (Leistungsstand)
EDV-Kenntnisse
Außeruniversitäre Aktivitäten
(Mitarbeit in Studentenorganisationen, Vereinen)
Zeitraum
Organisation
Aufgabengebiet, Position
Private Interessen, Hobbys
Freiwillige Angabe
Auswahl nach Softskills
Datum und Unterschrift
Alle aufgeführten Punkte ändern sich natürlich entsprechend Ihres persönlichen Werdeganges.

In Deutschland beginnt der Lebenslauf für den Berufseinsteiger mit den Daten zu Ihrer Person und geht dann chronologisch über die Schulausbildung usw. bis zum Studienabschluss. Sie können Ihren Lebenslauf aber auch nach dem amerikanischen Muster umdrehen und mit den aktuellsten Daten beginnen.
Ordnen Sie die einzelnen Daten in Rubriken wie z. Beispiel Studium, Praktika, Weiterbildung usw. Auch wenn sich dadurch zeitliche Überschneidungen ergeben, ist eine solche Einteilung übersichtlich und ermöglicht dem Leser, problemlos zum Beispiel Ihre praktische Erfahrung herauszulesen.
Einschub: Immer häufiger werden Sie sich europa- bzw. weltweit bewerben müssen. Sei es für ein Praktikum oder den Berufseinstieg. Berufsstart bietet Ihnen im Internet bei www.berufsstart.de in der Rubrik "Bewerbungstipps" und unter www.career-vision-europe.com im "Career Forum" umfangreiche Redaktion zuverschiedenen Ländern. Berufsstart hat vor kurzem in Zusammenarbeit mit seinem Tochterunternehmen eine internationale Stellenbörse aufgebaut. Unter career-vision-europe.com und berufsstart.de finden Sie auch internationale Praktika und Ausschreibungen zum Berufseinstieg.
Wichtig: Der Lebenslauf ist ein Dokument, das Sie auf alle Fälle mit einem Datum versehen und unterschreiben müssen.

Inhaltlich sollte Ihr Lebenslauf auch ohne langes Blättern in Ihren Zeugnissen und Praktikumsnachweisen ein ausführliches Bild von Ihren Leistungen vermitteln. In einem Schwerpunktfach haben Sie bei einem Professor, der als Koryphäe auf diesem Gebiet gilt, absolviert. Nennen Sie ihn ruhig. Auch den Personalverantwortlichen wird er bekannt sein. Oder Ihr Praktikumsnachweis ist leider alles andere als aussagefähig. Also sollten Sie im Lebenslauf stichpunktartig auf Ihre Tätigkeit eingehen.
Beispiel: 08.2003 - 10.2003 - Praktikum bei der Musterfirma, Abteilung xy, Bearbeitung des Projektes Z im sechsköpfigen Team. Aufgabenbereich: Als rechte Hand des Projektleiters, Organisation, Vor- und Nachbereitung der Meetings sowie Erarbeitung und Versand von Infomaterial an teamübergreifende Projektgruppen.

Vergessen Sie auch nicht Ihre „Jobs“, die Sie zur Finanzierung Ihres Studiums nebenbei getätigt haben. Sie werden von vielen Firmenvertretern gerne gesehen, wie unsere Umfragen immer wieder bestätigen. Viele Soft Skills wie zum Beispiel Leistungsbereitschaft, Teamfähigkeit, soziale Kompetenz, Kontaktfähigkeit, Schlagfertigkeit, Rhetorik usw. können Sie damit gut belegen. Unter einer Rubrik „Studienbegleitende Nebentätigkeiten“ könnten Sie diese auflisten.
Bei Ihren weiteren Kenntnissen, wie zum Beispiel Fremdsprachen oder EDV-Kenntnisse, sollten Sie auf alle Fälle den Leistungsstand angeben.
Beispiel: Ihre Englischkenntnisse / fließend in Wort und Schrift oder verhandlungssicher oder Schulstandard. Seien Sie ehrlich mit Ihrem Leistungsstand. Es ist peinlich, wenn Ihr Vorstellungsgespräch in englischer Sprache geführt werden soll und „fließend“ sich dann als „holprig“ herausstellt. Bei Ihren EDV-Kenntnissen sollten Sie nicht nur fachspezifische Kenntnisse angeben, sondern auch die allgemeinen Anwenderprogramme wie Windows-Office etc.

In unserem Beispiellebenslauf werden als letzter Punkt die privaten Interessen genannt. Diese Angabe ist freiwillig. Aber wie mir ein Personalverantwortlicher sagte: „Die Hobbys sind für uns sehr wichtig, da wir bestrebt sind, das ganze Individuum kennen zu lernen“. Ihre Hobbys sagen viel über Ihre Person aus. Sind Sie sportlich oder eine Leseratte, interessiert an Kultur oder künstlerisch begabt, sind Sie in Ihrer Freizeit gerne mit anderen Menschen beisammen oder bevorzugen Sie die Einsamkeit? Und warum sollten Sie einige Ihrer Hobbys nicht nennen? Nur bei „Gefahrensportarten“, wie zum Beispiel Fallschirmspringen, Steilwandklettern oder Bungee-Jumping, würde ich auf die Nennung verzichten. Falls Sie im Vorstellungsgespräch feststellen, dass Ihr zukünftiger Vorgesetzter auch jedes Wochenende „in der Wand oder am Seil hängt“, können Sie immer noch das Gespräch darauf bringen.
Wichtig: Versehen Sie Ihren Lebenslauf mit demselben Datum wie auf Ihrem Anschreiben angegeben. Unterschiedliche Datumsangaben werden negativ bewertet, da der Eindruck entsteht, dass Sie den Ausdruck mehrfach verwenden.


Die Anlagen

Anschreiben und Lebenslauf liegen fertig vor Ihnen. Zur kompletten Bewerbungsmappe fehlen Ihnen jetzt noch Ihre Anlagen. Dazu gehören Ihre Zeugnisse in Kopien. Diese Kopien müssen nicht beglaubigt werden, außer Sie bewerben sich im Öffentlichen Dienst. Wichtig ist, dass alle Kopien sauber und ordentlich sind.

Der erste Eindruck zählt. Ist in der Stellenanzeige nichts anderes vermerkt, legen Sie alle Zeugnisse bis zum Abiturzeugnis bei.
Sollten Sie Zeugnisse in Fremdsprachen haben, müssen Sie diese nur übersetzen, wenn es sich um eine nicht gängige Sprache handelt. Wenn das Unternehmen im Anforderungsprofil zum Beispiel Englisch und Französisch voraussetzt, können Sie Zeugnisse in dieser Sprache auf alle Fälle ohne Übersetzung beilegen.
Wenn Ihre Zeugnisse oder Praktikumsnachweise übersetzt werden sollen und Sie diese Fremdsprache fließend beherrschen, dann können Sie die Unterlagen selbst übersetzen. Eventuell vermerken Sie noch, dass auf Wunsch eine beglaubigte Übersetzung nachgereicht werden kann. Beglaubigte Übersetzungen von einem Übersetzungsbüro sind teuer und sollten gründlich überlegt sein. Sie zahlen bis zu ein Euro pro Zeile.
Einschub: Generell werden Ihre Unterlagen, sei es Lebenslauf oder übersetzte Zeugnisse, als echt und wahrheitsgemäß angesehen. Nicht umsonst unterschreiben Sie diese Dokumente. Das Sprichwort: "Lügen haben kurze Beine" würde sich spätestens beim Vorstellungsgespräch, wenn Sie auf Herz und Nieren geprüft werden, als richtig erweisen. Unliebsame Lücken im Lebenslauf oder eine nicht so gute Beurteilung beim Praktikum sind ärgerlich, aber Sie sollten dazu stehen. Es gibt immer eine plausible Erklärung.
Achten Sie darauf, dass Ihre Praktikums- und Arbeitsnachweise aussagefähig sind. Ein Schreiben: Frau Müller hat vom 17.08.03 bis zum 31.09.03 bei uns als Praktikantin gearbeitet, sagt im Grunde genommen nichts aus.
Ein Tipp: Im Nachhinein ist es oft schwer, einen aussagefähigen Praktikumsnachweis zu bekommen. Wenn Ihnen noch Praktika bevorstehen, bemühen Sie sich also um aussagefähige Nachweise. Sie sind für Ihre spätere Bewerbung von einem unschätzbaren Wert.

Interessant ist, wenn Sie Ihrer Bewerbungsmappe eine Referenzadresse beilegen können. Sollte aus beruflichen Tätigkeiten während des Studiums ein Arbeitgeber positiv Auskunft über Sie geben können und wollen, dann geben Sie diese Adresse inklusive Telefonnummer auf alle Fälle an.
Ob Sie Ihren Bewerbungsunterlagen eine Arbeitsprobe beifügen, sollten Sie sich genau überlegen. Sicher könnte man sich durch die prämierte Arbeit einen Vorteil gegenüber den Mitbewerbern verschaffen, aber haben die Vertreter der Personal- oder Fachabteilung überhaupt die Zeit, diese zu lesen. Eventuell ergattern Sie eher einen Minuspunkt, wenn Sie den dicken Wälzer mitschicken. Falls Ihnen diese Arbeit sehr wichtig erscheint, dann legen Sie doch eine Zusammenfassung über eine DIN A4 Seite bei mit dem Verweis, dass die komplette Arbeit gerne angefordert werden kann.


Die Präsentation

Alle Unterlagen liegen jetzt sauber ausgedruckt bzw. kopiert vor Ihnen bzw. alle Unterlagen sind gescannt bzw. ansprechend layoutet. Jetzt geht es darum, diese auch entsprechend zu präsentieren.

Postversand: Das Anschreiben wird Ihren Bewerbungsunterlagen lose beigefügt. Es übernimmt die Rolle des Geschäftsbriefes. Ihre Bewerbungsmappe ist die Anlage dazu. Haben Sie Ihre Bewerbungsmappe mit einer Titelseite inklusive Inhaltsangabe versehen, sollten Sie darauf achten, dass alle Unterlagen, wie im Inhaltsverzeichnis angegeben, in der Mappe sortiert erscheinen. Prüfen Sie, ob auf allen Unterlagen Ihr Name vermerkt ist. Die Bewerbungsmappe wird häufig auseinander sortiert. Nur Teile gelangen zum Beispiel in die Fachabteilung.
Nicht notwendig ist es, jedes einzelne Blatt in eine Klarsichthülle zu legen. Ja, bei manchen Personalverantwortlichen rief dies bei unseren Umfragen sogar einen Aufschrei „Um Gottes Willen, bloß nicht!“ hervor. Sie können dadurch eher Minus- als Pluspunkte sammeln und es kostet Sie darüber hinaus noch eine Menge Geld. Alle Blätter sollten in einen Klemmhefter Ihrer Wahl eingelegt werden. In diesem Punkt ist ganz besonders Ihre persönliche Kreativität gefragt. Wählen Sie Plastik oder Pappe? In Knallfarben oder eher in gedeckten Tönen? Alle diese persönlichen Entscheidungen sagen etwas über Ihr Naturell aus. Unsere Umfrage ergab, dass Ingenieure, Informatiker oder Naturwissenschaftler nicht so sehr auf ausgefallenes Design achten müssen. Mehr besticht der grafisch logische und übersichtliche Aufbau.

Anders sieht es bei allen kreativen Studienzweigen aus. Hier wird die Gestaltung der Bewerbungsmappe mitbewertet. Leider haben wir weder im Gespräch noch in unseren Umfragen „Hard Facts“ zur guten Gestaltung in Erfahrung bringen können. Aussagen der Personalverantwortlichen wie, „eine stilvoll gestaltete Bewerbung“ helfen Ihnen nur wenig weiter. Folgen Sie Ihrem persönlichen Gefühl und Geschmack. Dann können Sie zumindest voll hinter Ihrer Arbeit stehen, genauso, wie Sie von Ihrer Person und Ihren Leis-tungen überzeugt sein sollen. Wie schon zu Beginn bemerkt, werden Sie die Unternehmen nur überzeugen, wenn Sie von sich selbst überzeugt sind.
Die vorgefertigten Bewerbungsmappen haben bei unseren Umfragen schlecht abgeschnitten. Ihre eigene Kreativität geht verloren, die Mappen sind sehr teuer und meistens sind ganz bestimmte Mappen zu einem Zeitpunkt „in“, so dass vor den Personalverantwortlichen stoßweise mal grüne, dann ein Haufen blaue Mappen liegen. Sehr originell ist das dann garantiert nicht mehr. „Die Unterlagen sind in diesen Mappen besser sortiert“ war die positivste Aussage, die aus den Personalabteilungen zu hören war. Doch ich denke, auch ohne vorgefertigte Bewerbungsmappe liefern Sie gut sortierte Unterlagen ab.
Um lästige Knicke durch den Versand der Unterlagen zu vermeiden, sollten Sie einen festen Umschlag wählen. Er sollte auch groß genug sein, um die Mappe nicht einzuquetschen. Achten Sie beim Versand unbedingt auf die Portogrenzen. Das DIN A 4 Format liegt an einer Portogrenze zwischen Euro 1,44 und Euro 2,20, je nach Größe Ihres Umschlages. Kein Unternehmen bezahlt Nachporto! Es ist sicher nicht notwendig, Ihre Unterlagen per Einschreiben oder per Eilboten zu versenden. Beides macht einen ängstlichen bzw. aufdringlichen Eindruck. Bewerben Sie sich auf eine Stellenanzeige in der Tageszeitung, genügt es in der Regel, die Unterlagen ein bis zwei Wochen nach Schaltung der Anzeige zu versenden.
Die meisten Unternehmen schicken Ihnen nach Erhalt der Sendung eine Empfangsbestätigung. Zumeist einen Zweizeiler, in dem Ihnen der Erhalt bestätigt und eventuell auch der Prüfungszeitraum genannt wird. Sollten Sie keinen Brief oder Anruf erhalten, können Sie getrost nach spätes-tens 14 Tagen beim Unternehmen freundlich anfragen, ob Ihre Unterlagen angekommen sind und wann mit einer Prüfung bzw. Entscheidung gerechnet werden kann. Zeigen Sie auch hier Eigeninitiative. Sie werden mehrere Bewerbungen verschicken und müssen planen können. Vielleicht haben Sie auch schon eine Einladung zum Vorstellungsgespräch in der Tasche, möchten aber trotzdem die Entscheidung des zweiten Unternehmens rechtzeitig wissen, um entsprechend agieren zu können.

Versand per eMail: Wichtig ist hier in Erfahrung zu bringen, in welchem Dateiformat das Unternehmen die Daten wünscht. Weit verbreitet, auch wegen der geringen Datenintensität ist das PDF. Es ermöglicht eine ansprechende Gestaltung. Bei wenig Anlagen sollten sich alle Dokumente in einer Datei befinden. Beginnend mit dem Anschreiben, folgt der Lebenslauf, eine Übersicht der Anlagen gefolgt von den Zeugnissen etc.. Wichtig ist, dass man sich beim online-Versand auf wenige wichtige Zeugnisse beschränkt. Kein Unternehmensvertreter scrollt sich durch 20 Seiten. Wichtig ist auch, dass die Dokument so eingescannt werden, dass sie zwar möglichst nicht so datenintensiv, aber auch lesbar sind. Hat man trotz aller Einschränkung mehr als sechs Anlagen, sollte man ein PDF mit Anschreiben und Lebenslauf und eines mit den Anlagen erstellen, um eine Übersichtlichkeit zu garantieren.


Das Vorstellungsgespräch

Mit dem Versand der schriftlichen Bewerbungsunterlagen ist Ihre Arbeit zunächst erledigt. Jetzt beginnt für Sie die Zeit des Wartens und Hoffens. Glücklich können Sie sich schätzen, wenn nach Ablauf der Prüfphase vom Unternehmen sich nicht ein DIN A 4 Umschlag mit Ihren Bewerbungsunterlagen, sondern ein deutlich kleinerer Umschlag in Ihrem Briefkasten befindet. Ein netter freundlicher Brief lädt Sie zum Vorstellungsgespräch am Montag, dem 10. Juni 2004, um 8 Uhr nach München ein. Freuen Sie sich. Die erste Hürde ist geschafft. Als erstes sollten Sie nun den Termin bestätigen. Dies geschieht in der Regel telefonisch und sollte unverzüglich nach Erhalt der Einladung erfolgen.
Sie studieren allerdings zum Beispiel in Hamburg und sollen Dienstag früh in München erscheinen! Das bedeutet, um ausgeschlafen und gut gerüstet in das Vorstellungsgespräch zu gehen, müssen Sie einen Tag zuvor anreisen. Damit sind wir beim Thema Fahrtkosten.


Fahrtkosten

Die Fahrtkosten zum Vorstellungstermin werden Ihnen vom Unternehmen in der Regel erstattet. Leider gibt es schwarze Schafe, die diese Regelung außer Acht lassen. Handelt es sich, wie bei dem von mir gewählten Beispiel, um eine längere Anreise mit Übernachtung, sollten Sie die Frage der Erstattung von sich aus ansprechen, denn die Kosten für die Übernachtung zum Beispiel werden nicht automatisch übernommen. Um unliebsame Überraschungen zu vermeiden, sollten Sie das Thema bei der Bestätigung des Termins klären. Bei kürzeren Anfahrten und damit geringeren Auslagen für Bus, Bahn oder Auto können Sie diese Angelegenheit entweder am Tag des Vorstellungsgespräches oder auch zu einem späteren Zeitpunkt regeln.

Bis zu dem Tag Ihres Vorstellungsgespräches gibt es für Sie noch eine Menge zu tun. Die Grafik auf Seite xx zeigt Ihnen, worauf es im Vorstellungsgespräch primär ankommt. Ihr Fachwissen und Ihre weiteren Zusatzqualifikationen haben die Zustimmung der Personal- und Fachabteilung gefunden. Jetzt geht es darum, ob Ihre Persönlichkeit in das Unternehmen und in das Team passt. Entspricht Ihr Profil aus der schriftlichen Bewerbung dem Bild, welches man sich im Unternehmen aus Ihren Unterlagen gemacht hat? Um wohlgerüstet in das Vorstellungsgespräch zu gehen, müssen Sie sich wieder vorbereiten.


Die Vorbereitung zum Vorstellungsgespräch

Waren Informationen zum Unternehmen bei der schriftlichen Bewerbung wünschenswert, so sind sie zum Vorstellungsgespräch Pflicht. Sie können bei der Bestätigung des Vorstellungsgespräches um die Zusendung von Informationsmaterial bitten. Falls man Ihnen nichts zuschicken kann oder will, müssen Sie selbst recherchieren. Fachzeitschriften, Tagespresse und Internet können Ihnen hier wieder dienlich sein.
Ein Tipp: In vielen Hochschulbibliotheken
finden Sie ein Nachschlagewerk zu Groß- und mittelständischen Unternehmen, den Hoppenstedt. Dort finden Sie Informationen zur Produktpalette, zu Standorten, Beteiligungen, Umsatz- und Beschäftigungszahlen. Wenn Ihnen trotz aller Recherche unternehmensspezifische Daten verwehrt bleiben, dann sollten Sie zumindest alles Branchenspezifische in Erfahrung bringen. Je besser gerüstet Sie ins Vorstellungsgespräch gehen, desto gelassener werden Sie unternehmensspezifische Fachfragen beantworten können.
Beispiel: „Mit welchen Mitteln würden Sie eine Marketingstrategie für das Produkt xy im osteuropäischen Raum starten?“ Wenn Ihnen das Produkt ein Begriff ist und Sie auch wissen, dass das Unternehmen im osteuropäischen Raum mit drei Standorten vertreten ist, sammeln Sie Pluspunkte, erscheinen interessiert und beschlagen.
Ein weiterer, wichtiger Punkt Ihrer Vorbereitung ist der Vortrag zu Ihrer Person. Zu Beginn dieses Artikels wurde er, im Rahmen der Messen, schon angesprochen. Zum Vorstellungsgespräch sollten Sie fähig sein, bis zu einer Viertelstunde anschaulich und interessant über sich zu reden. Wichtig ist, dass Sie nicht chronologisch Ihren Lebenslauf herunterbeten, sondern mit den „Highlights“, Ihren persönlichen und fachlichen Vorzügen beginnen. Wie viel Zeit Sie letztendlich für diesen Vortrag haben, wissen Sie nie genau. Beim Assessment-Center ist dieser Zeitraum minuziös festgelegt. Sie müssen sich zum Beispiel exakt drei Minuten vorstellen, nicht weniger und nicht mehr.

Nicht nur das Unternehmen, sondern auch Sie sollten Fragen zum Vorstellungsgespräch parat haben. Denn auch Ihnen wird während des Gesprächs die Möglichkeit für eigene Fragen gegeben. Diese werden Sie natürlich, je nach Gesprächsverlauf dosieren. Keine Fragen zu haben, bedeutet auf jeden Fall einen Minuspunkt.
Hat man Ihnen Ihren Arbeitsplatz gezeigt? Wenn nicht, dann sollten Sie darum bitten. Beobachten Sie die Unternehmensvertreter untereinander. Wie ist der Umgangston? Wie verfährt der Vorgesetzte mit seinem Team? Wie werden Sie behandelt? Wie wird Ihre Abteilung aufgebaut sein, in der Sie arbeiten würden? Sind Sie der einzige Akademiker? Ist Ihr Vorgesetzter oder Betreuer auch wie Sie Ingenieur, Wirtschaftswissenschaftler...? Über welche Kompetenzen werden Sie verfügen? Wie sehen die Stationen Ihres Traineeprogramms im Detail aus? Welche Weiterbildungsmaßnahmen bietet Ihnen das Unternehmen? In welchem Zeitraum ist diese Weiterbildung geplant? Wann startet der im Stellenangebot angekündigte Auslandseinsatz? Wie steht es mit Ihren Aufstiegschancen? usw.

Eine Frage sollten Sie dem Unternehmen auf alle Fälle überlassen: das Gehalt. Die Gehaltsfrage kann, wie schon besprochen, in der schriftlichen Bewerbung als Stressfrage auftauchen. Diese Stressfrage kann Ihnen aber auch im Vorstellungsgespräch gestellt werden. Die Frage nach Ihren Gehaltswünschen bedeutet also nicht, dass Sie eingestellt werden, sondern kann wiederum nur ein Test sein. Ihre Antwort muss wie in der schriftlichen Bewerbung nur eine Gehaltsspanne sein. Informieren Sie sich!

Die eigentlichen Gehaltsverhandlungen beginnen erst, nachdem das Unternehmen Ihnen signalisiert hat, dass es an Ihnen ernstlich als Mitarbeiter interessiert ist. (siehe dazu den Artikel „Das Geld muss stimmen“).


Das Assessment-Center

Große Unternehmen laden immer häufiger nicht zum Vorstellungsgespräch, sondern zum Assessment-Center ein. Für Sie bedeutet das nicht zwei Stunden Einzelgespräch mit Personal- und Fachabteilung, sondern ein bis zwei Tage Diskussionen, Vorträge, Problemstellungen im Team lösen, Aufgaben eines fiktiven Büroalltages alleine und in Gruppen bewältigen. Zu einem Assessment-Center werden bis zu 16 Kandidaten eingeladen, die sich eventuell auch für unterschiedliche Positionen beworben haben. Psychologen und Firmenvertreter erarbeiten ein auf das Unternehmen abgestimmtes AC-Programm. Sie werden dabei von einem Beobachterteam unter die Lupe genommen. Diese Beobachter kennen Ihre Bewerbung nicht und gehen deshalb neutral an Ihre Person heran.

Zum Thema AC gibt es eine Menge Literatur, die Ihnen nützliche Tipps vermittelt. Sehen Sie die Rat- und Vorschläge in diesen Büchern nicht zu engstirnig. Handeln Sie Ihrer Persönlichkeit entsprechend und auch ein bisschen aus dem Bauch heraus.
Standardübungen im AC sind Diskussionsrunden zu gesellschaftspolitischen Themen (es empfiehlt sich also, auf dem Laufenden zu sein). Oder Sie müssen Vorträge innerhalb kürzester Zeit erarbeiten und halten. Dabei geht es weniger um das Thema, sondern darum, wie Sie das Thema angehen. In Rollenspielen mit anderen Teilnehmern müssen Sie zum Beispiel ein Verkaufsgespräch führen oder als Abteilungsleiter einen dem Alkohol verfallenen Mitarbeiter Ihres Teams zur Rede stellen. Wiederum ist das „wie“ gefragt.

Eine Aufgabe, die Sie alleine lösen müssen, ist der Postkorb: Sie kehren nach einer Geschäftsreise an Ihren Arbeitsplatz zurück und sollen nach 30 Minuten diesen schon wieder zu der nächsten Reise verlassen. Ein riesiger Berg unerledigter Post ziert Ihren Schreibtisch. Ihre Aufgabe ist es zu entscheiden, welche Dinge Sie selbst erledigen müssen, welche Sie delegieren können und welche zunächst unerledigt bleiben könnten. (Siehe auch Artikel "Die Entscheidung liegt beim Esel").
Ein Tipp: Auch wenn man Ihnen signalisiert, dass das Unternehmen nach dem AC nicht an Ihnen interessiert ist, sollten Sie auf ein ausführliches Feed-Back und einer Begründung bestehen. Es kann für Ihr weiteres Bewerbungsverfahren sehr inte-ressant sein zu erfahren, wie neutrale Beobachter Ihre Person beurteilen.


Am Tag des Vorstellungsgespräches

Für den Tag des Vorstellungsgespräches sollten Sie sich einen Zeitplan aufstellen. Rechnen Sie auf alle Fälle genügend Zeit für die Anfahrt ein. Kalkulieren Sie Stau oder Zugverspätungen ein. Ein Zuspät- kommen ist absolutes Tabu. Bedenken Sie, dass Sie bei großen Unternehmen Zeit benötigen, bis Sie vor dem Personalbüro stehen. Formulare müssen beim Pförtner ausgefüllt und längere Wege auf dem Firmengelände eingerechnet werden. Die Kleiderfrage haben wir schon beim Punkt “Lichtbild” dieses Artikels angesprochen. Beim Vorstellungsgespräch gilt „Business Look“.
Beispiel: „Kleider machen Leute“, aber auch Autos machen Leute, zumindest sind einige Unternehmen dieser Meinung. Am Beispiel „Auto machen Leute“ möchte ich Ihnen verdeutlichen, dass das Unternehmen einfach alles über Ihre Person erfahren will. Denn obwohl Ihre persönlichen Angelegenheiten die Personalabteilung nichts angehen, werden Sie diesbezüglich mit Fragen bombardiert.

Nun, es ist faszinierend und von mir auch schon persönlich festgestellt, dass Besucherparkplätze unter den Fenstern der Personalabteilung liegen. Haben Sie sich nun bei einem Unternehmen der Energiebranche beworben, kann Ihre alte „Ente“ mit dem „Atomkraft Nein Danke“- Aufkleber sich eher negativ auswirken. Genauso skeptisch wird man den nagelneuen Porsche eines Freundes betrachten, den Sie sich für die Spritztour zum Vorstellungsgespräch ausgeliehen haben,und sich die Frage stellen, wie wohl Ihre Gehaltsvorstellungen aussehen. Trifft eines dieser Fahrzeuge auf Sie zu, sollten Sie lieber ein paar Straßen weiter entfernt parken.
Dieses Beispiel ist natürlich überzogen. Verdeutlicht Ihnen aber, dass die Firmenvertreter Sie auf Herz und Nieren prüfen und "alles" über Sie in Erfahrung bringen wollen. Sie greifen dabei auch zu ungewöhnlichen Mitteln, zum Beispiel zu Ihrem Auto.

Der erste Eindruck, den Sie in der Begrüßungsphase hinterlassen, wird der entscheidende sein. Entsprechen Sie den Erwartungen, die Ihre schriftliche Bewerbung hinterlassen hat? Passen Sie ins Unternehmen? Ist für den Personal- und Fachabteilungsleiter die lange Suche nach dem richtigen Kandidaten nun endlich vorbei? Nach der Begrüßungsphase befragt man Sie nach einer kurzen Firmenpräsentation zu Ihrer Person, Ihren fachlichen und persönlichen Kenntnissen. Man checkt Ihren Lebenslauf mit Ihnen durch. Sie sollen aus Ihrem Leben erzählen. Hierbei müssen Sie sich interessant machen. Fünf bis zehn Minuten kann so eine Präsentation Ihrer Person schon dauern. Legen Sie darauf Wert, dass man Ihnen Ihre zukünftige Arbeitsposition und Ihr Aufgabengebiet klar aufzeigt. Hier können Sie auch mit Fragen Ihrerseits ansetzen.

Bis Sie mit einer eventuellen Zusage rechnen können, werden Sie wohl zwei Gesprächstermine haben. Das erste Gespräch dient dem ersten Kennenlernen. Hat man Sie dann in die enge Auswahl gezogen, wird man in konkrete Verhandlungen mit Ihnen treten, in denen dann auch zum Beispiel der Punkt des Gehalts oder weiterer Zusätze besprochen wird.
Wie schon bemerkt, ist Ihre Persönlichkeit gefragt. Also werden die Unternehmensvertreter versuchen, Persönliches von Ihnen zu erfahren. Da die familiären Hintergründe eigentlich nicht abgefragt werden dürfen, können Sie hier auch einmal flunkern, um einen positiven Eindruck zu hinterlassen. Beispiel: Sie haben sich nach München beworben, weil Ihr(e) Lebenspartner/in dort lebt. Das sollten Sie aber auf keinen Fall erwähnen, da das Unternehmen davon ausgeht, dass Sie München sofort wieder verlassen würden, falls Sie Freund oder Freundin verlassen.

Dasselbe gilt für die an uns Frauen immer wieder gestellte Frage nach dem Kinderwunsch. Auch hier können Sie getrost ohne mit der Wimper zu zucken, die karrierebewusste Frau an den Tag legen. Denn hätten Sie all die Jahre studiert, um dann mit dem Kinderwagen durch die Gegend zu fahren? So oder ähnlich kann Ihre Antwort lauten. Auf alle Fälle sollten Sie sich auf diese Frage einrichten. Ein anderes Beispiel: Ist Ihr Lebenspartner aus Hamburg mit dem Entschluss einverstanden, dass Sie nun anstreben, in München Ihre berufliche Karriere zu starten? Auch wenn Sie sich erst gestern so richtig mit Ihrem Lebenspartner über Ihre Karriereziele gestritten haben, ist für den Personalverantwortlichen natürlich alles in bester Ordnung.

Leider dürfen Sie bei der Verabschiedung nach gestressten zwei Stunden nicht fragen: „Und, wie war ich?“ Sie müssen sich wieder in Geduld üben, bis das Unternehmen Ihnen die Entscheidung mitteilt. Aber auch hier gilt, sollte ein vereinbarter Termin überschritten werden, sollten Sie Eigeninitiative zeigen und anrufen.
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