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Berufseinstieg für Wirtschaftsingenieure - Bachelor oder Master?

Ein Beitrag von Prof. Dr. Walter Reichert, Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik, FH Aachen

Trotz immer noch vorhandener Vorurteile gegenüber dem Bachelor sind die Absolventen in der Wirtschaft gefragt. Etwa 70 Prozent der Bachelorabsolventen entscheiden sich aber für ein weiterführendes Masterstudium.

Wirtschaftsingenieure sind interdisziplinär ausgebildet und daher in vielen Branchen gesuchte Mitarbeiter. Sie können in verschiedenen Funktionen, wie zum Beispiel Projektmanagement, Vertrieb, Controlling, Logistik oder in der Produktion, eingesetzt werden [1]. Wie die meisten Studierenden eines Bachelorstudiengangs an einer Fachhochschule (Hochschule für angewandte Wissenschaften) sammeln angehende Wirtschaftsingenieure bereits vor Abschluss ihres Studiums Berufserfahrung. Dies erfolgt entweder durch eine Berufsausbildung vor dem Studium oder indem das Praxisprojekt und die Bachelorarbeit in einem Unternehmen absolviert werden. Damit verfügen Wirtschaftsingenieure mit einem Bachelor von einer Fachhochschule, und diese bilden den Schwerpunkt dieses Beitrags, über einen berufsqualifizierenden Abschluss. Dennoch entscheidet sich der überwiegende Teil der Bachelorabsolventen für ein anschließendes Masterstudium.

Entscheidung für den Berufseinstieg mit dem Bachelor

Befragungen unter den Studierenden zeigen verschiedene Gründe für einen Berufseinstieg mit dem Bachelorabschluss auf, etwa ein bereits vorhandenes Arbeitsplatzangebot, das der Betroffene nicht ausschlagen möchte oder der Wunsch nach einer praxisnahen Tätigkeit und der damit verbundenen Verdienstmöglichkeit. Auch das als fortgeschritten wahrgenommene eigene Alter wird genannt, wenn beispielsweise vor dem Studium eine Berufsausbildung absolviert und schon Berufserfahrung gesammelt wurde.

Entscheidung für ein Masterstudium

Als Gründe für das Masterstudium werden der Wunsch nach dem höheren Abschluss oder die Befürchtung von Nachteilen im Berufsleben ohne Master genannt. Ein Masterstudium nach einem 7-semestrigen Bachelorstudium, wie z.B. an der FH Aachen, dauert lediglich 3 weitere Semester (2 Vorlesungssemester + 1 Semester für die Masterarbeit), was für die Studierenden einen überschaubaren Zeitraum darstellt. Besonders seit dem Wegfall der Wehrpflicht und der Umstellung des Gymnasiums von G9 auf G8 ist das Eintrittsalter vieler Studierender und damit auch das Alter der Absolventen gesunken. Ein weiterer Beweggrund, nach dem Bachelor ein Masterstudium aufzunehmen, ist der Wunsch nach mehr Lebenserfahrung und mehr Orientierung vor dem Berufseinstieg. Die Masterarbeit an Fachhochschulen wird, wie auch die Bachelorarbeit, üblicherweise in einem Unternehmen durchgeführt und bietet somit eine zusätzliche Orientierungsmöglichkeit.

Varianten des Masterstudiums

Im Masterstudium werden die im Bachelor erworbenen theoretischen Kenntnisse vertieft und erweitert. Masterabschlüsse können konsekutiv in Voll- oder Teilzeit oder berufsbegleitend erworben werden. Für das konsekutive Masterstudium im direkten Anschluss an den Bachelor spricht, dass die Studierenden nach dem Bachelor noch an das Lernen gewöhnt sind und i.d.R. keine größeren finanziellen und familiären Verpflichtungen haben. Wirtschaftsingenieurwesen - FH Aachen Der überwiegende Teil der Masterstudierenden entscheidet sich für den konsekutiven Master im Vollzeitstudium.

Ein Teilzeitstudium wird i.d.R. dann von Studierenden angestrebt, wenn nach dem Bachelor bereits ein Arbeitsplatzangebot vorliegt und der Arbeitgeber dem Studierenden den benötigten Freiraum durch Reduzierung der wöchentlichen Arbeitszeit und flexible Arbeitszeitgestaltung gewährt. Das Teilzeitstudium erfordert von den Studierenden gegenüber dem Vollzeitstudium jedoch einen längeren Planungshorizont und einen höheren Koordinierungsaufwand, da Studium und Beruf unter einen Hut gebracht werden müssen.

Ein berufsbegleitendes Studium wird häufig von Personen begonnen, die bereits mehrere Jahre Berufserfahrung haben und einen passenden Masterabschluss für das berufliche Weiterkommen als wünschenswert erachten. Viele Hochschulen haben berufsbegleitende Studiengänge im Angebot. Diese sind an den Bedürfnissen der Berufstätigen ausgerichtet und bieten Präsenzstunden an Wochenenden oder Online-Kurse an. Berufsbegleitende Studiengänge im Bereich der Weiterbildung sind i.d.R. kostenpflichtig. Nach Absprache mit dem Arbeitgeber besteht jedoch die Möglichkeit, dass dieser einen Teil der Kosten übernimmt.

Bachelor und Master in der Berufspraxis

Ob ein Master im Beruf erforderlich ist, hängt von verschiedenen Faktoren, wie beispielsweise dem Tätigkeitsfeld und der Funktion im Unternehmen, ab. In der Wissenschaft oder bei Beratungsunternehmen wird ein Masterabschluss i.d.R. vorausgesetzt. In anderen Bereichen, z.B. im industriellen Umfeld, sind Bachelor- und Masterabsolventen gleichermaßen gefragt. Eine Fach- oder Projektlaufbahn ist bei vielen Unternehmen auch mit einem Bachelor möglich und wird gefördert. Die für die berufliche Entwicklung notwendige Weiterqualifizierung kann durch Training-on-the-Job oder unternehmensinterne und -externe Weiterbildung erfolgen. Sollte im Laufe des Berufslebens eine Führungsposition, bei der ein Masterabschluss vorausgesetzt wird, ins Auge gefasst werden, dann besteht immer noch die Möglichkeit eines berufsbegleitenden Masterstudiums. Hierbei stellt die Vereinbarkeit von Beruf, Studium und ggf. Familie aber häufig eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar.

Selbst wenn ein Masterabschluss für einen erfolgreichen Berufseinstieg in viele Tätigkeitsbereiche nicht zwingend notwendig ist, so sind Tendenzen bei der Besetzung von Führungspositionen offensichtlich. Unabhängig von der Branche übernehmen Mitarbeiter mit einem Master häufiger Führungsaufgaben und erzielen höhere Gehälter als ihre Kollegen mit einem Bachelorabschluss. Auch die durchschnittlichen Einstiegsgehälter liegen beim Master über denen des Bachelors. Wie groß der Gehaltsunterschied ist, hängt u.a. von der Branche und der Größe des Unternehmens ab [2].

Der Bachelorabschluss ist eine gute Basis für eine erfolgreiche Fach- oder Projektlaufbahn. Die höhere fachliche Qualifikation und die besseren Aussichten auf eine spätere Managementposition mit höherem Gehalt sprechen für den Master. Die Befragung der Studierenden hat ergeben, dass bei der Entscheidung für oder gegen ein Masterstudium nicht allein die geplante berufliche Laufbahn eine Rolle spielt. Auch das persönliche Umfeld, die eigenen Interessen und die Berufserfahrung vor dem Bachelorstudium werden bei der Entscheidungsfindung berücksichtigt.

Literaturquellen

[1] Baumgarten, Helmut et al.: Wirtschaftsingenieurwesen in Ausbildung und Praxis, Berufsbilduntersuchung 2015, Verband Deutscher Wirtschaftsingenieure e.V. (VWI), 14. Auflage, Universitätsverlag der TU Berlin, 2015.
[2] www.academics.de
Wirtschaftsingenieurwesen - Prof. Dr. Walter Reichert

Kurzvita

Prof. Dr. Walter Reichert ist seit 2010 Professor am Fachbereich Maschinenbau und Mechatronik der FH Aachen. Er unterrichtet betriebswirtschaftliche Module für Ingenieure und vertiefende Inhalte im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen mit dem Schwerpunkt Technischer Vertrieb. In seiner Funktion als Studiengangleiter ist er für die Weiterentwicklung der Bachelor- und Masterstudiengänge Wirtschaftsingenieurwesen verantwortlich. Einen weiteren Fokus seiner Arbeit stellt die Internationalisierung der Lehre am Fachbereich dar. Er hat Ingenieurwissenschaften in Deutschland und den USA studiert und berufsbegleitend einen MBA erlangt. Nach seiner Promotion an der Technischen Universität Berlin folgte eine zweijährige Professur an der University of Utah. Anschließend war er zehn Jahre in verschiedenen Managementpositionen bei internationalen Technologieunternehmen tätig, bevor er an die FH Aachen berufen wurde.
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