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Prävention statt Haftung - Wirtschaftsjuristen als Gestalter in Unternehmen

Ein Beitrag von Prof. Dr. Beatrix Weber, MLE, Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hof

Datenschutz, Online-Banking, Nutzungsbedingungen bei WhatsApp, das Labeling von Bioprodukten: kein Lebensbereich bleibt vom Recht unberührt. Wirtschaftsrecht und Technologiewandel - ein (un) auflösbares Spannungsfeld?

Herausforderung oder notwendiges Übel: Wirtschaftsjuristen in Unternehmen

Wirtschaftsjuristen in Unternehmen tragen in vielen Bereichen zur Wertschöpfung bei.

»Das rechtswissenschaftliche Studium an Universitäten orientiert sich derzeit noch nicht am Bachelor- und Mastermodell.«

Die Jurisprudenz wird in Deutschland in zwei Studienmodellen vermittelt: Rechtswissenschaften mit einer breit gefächerten Ausbildung zum sog. Volljuristen mit universitärem ersten und zweiten Examen (früher erstes und zweites Staatsexamen). Das zweite Examen befähigt zum Richteramt und berechtigt zur Zulassung zur Rechtsanwaltschaft. Das rechtswissenschaftliche Studium an Universitäten orientiert sich derzeit noch nicht am Bachelor- und Mastermodell. Zum anderen bieten insbesondere die Hochschulen für angewandte Wissenschaften Bachelor- und Masterstudiengänge Wirtschaftsrecht und insbesondere im Masterbereich auf bestimmte Themenbereiche bezogene Studiengänge wie z.B. »Personal und Arbeit« an. Während die universitäre juristische Ausbildung auf die Schaffung von Grundlagen und Methoden mit wissenschaftlichem Bezug ausgerichtet ist, wollen die Bachelor- und Masterstudiengänge der Hochschulen für angewandte Wissenschaften berufsfeldbezogen und praxisorientiert, insbesondere für Unternehmen, ausbilden.1 Die Absolventen sollen in die Lage versetzt werden, komplexe rechtliche Fragestellungen im ökonomischen Kontext fächerübergreifend, methodisch korrekt und ergebnisorientiert zu lösen. Die wirtschaftsjuristische Hochschulvereinigung hat als Zusammenschluss von Hochschulen, welche Studiengänge Wirtschaftsrecht anbieten, Mindestanforderungen an die Studieninhalte aufgestellt:
› mindestens 50% des Studiums entfällt auf Wirtschaftsrecht mit Schwerpunkt im Zivilrecht
› der Anteil der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre beträgt mindestens 25%
› im Curriculum werden in nennenswertem Umfang Schlüsselqualifikationen wie z.B. Sprachen, Informatik, Rhetorik und soziale Kompetenz angeboten.2

Nichts Halbes und nichts Ganzes oder herausragende Doppelqualifikation?

Wirtschaftsjuristen sind weder kleine BWLer mit vertieften Jurakenntnissen, noch doppelt so gut wie Absolventen der Rechtswissenschaften qualifiziert. Die Ausrichtung der Ausbildung ist vielmehr eine andere: Erwerb von Methodenwissen und vertiefte Rechtskenntnisse im Zivilrecht. Hierzu kommen wirtschaftliche Fächer wie Buchführung, Bilanzierung und Wirtschaftspolitik, die den Einsatz in Unternehmen verbreitern sollen. Im öffentlichen Recht (Staatsrecht, Verwaltungsrecht und Strafrecht) werden hingegen nur Grundlagen vermittelt. Möglichkeiten für Wirtschaftsjuristen bieten sich u.a. in:
› Unternehmen
› Verbänden
› Banken und Versicherungen
› Insolvenzkanzleien
› Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung

Jeder Studierende muss sein eigenes Profil gestalten

Viele Studiengänge sind nach einer Eingangsphase von 3-4 Semestern nach berufsfeldbezogenen Schwerpunkten wie Vertragsmanagement, Personal und Arbeit, Insolvenzverwaltung oder Steuern und Rechnungslegung ausgerichtet. Damit wird anwendungsbezogenes Wissen vermittelt, das zumeist in Verbindung mit einem Pflichtpraktikum den direkten Berufseinstieg und die Verwendbarkeit fördert.3

»Als Einkaufsjurist, Daten- oder Umweltschutzbeauftragter oder Compliance Officer eine besondere Position einnehmen!«

Besonders interessant ist, dass mit der berufsfeldbezogenen Ausbildung Praxisanforderungen der Unternehmen umgesetzt, aber auch angestoßen werden. Ziel des wirtschaftsjuristischen Studiums: Mit dem Technologiewandel Schritt halten, ihm aber nicht hinterherlaufen, sondern mit der Kombination aus Methoden- und berufsbezogenem Wissen nachhaltig einsetzbar sein und bleiben. So können in Schwerpunkten wie »Vertragsmanagement und Compliance« Anforderungen der Praxis aus Rechtsabteilung, Einkauf, Datenschutz und Compliance oder im Schwerpunkt »Personal und Arbeit« arbeitsrechtliche und Personalmanagementinhalte aus Rechtsund Personalabteilung vorbereitet werden. Dabei erfolgt die Qualifizierung nicht allgemein auf das Ziel Unternehmens- oder Verbandsjurist, sondern ermöglicht den Erwerb von Qualifikationen mit Blick auf besondere Positionen, z.B. als Einkaufsjurist, Daten- oder Umweltschutzbeauftragter oder Compliance Officer. Die Belegung dieser Schwerpunkte dient neben der inhaltlichen Vorbereitung auch der Profilierung der Absolventen bei künftigen Arbeitgebern. Werden eine oder zwei Vertiefungsrichtungen mit der Erstellung einer Bachelorarbeit im entsprechenden Bereich und einem Pflichtpraktikum kombiniert, so ist hier der Beginn einer stringenten beruflichen Vita angelegt, der für den Arbeitgeber nicht nur Neigung, sondern auch Nachhaltigkeit und Einsetzbarkeit des Absolventen/der Absolventin nachweist.

Wirtschaftsjuristen als Projektpromotoren oder Projektverhinderer? - Die Kommunikation entscheidet

Das Studium des Wirtschaftsrechts stellt an die Studierenden hohe Ansprüche an Einsatz und Eigenverantwortung. Die Studierenden sollen neben der inhaltlichen Qualifikation in Recht und Wirtschaft auch profunde Kenntnisse in Rechtsenglisch sowie kommunikative und soziale Schlüsselfähigkeiten erwerben. Dies bildet sich an vielen Hochschulen auch in der berufsspezifischen Didaktik ab. Neben Klausuren sind mündliche Präsentationen und Gruppenarbeiten und Kurse in Präsentation und Vertragsverhandlung, insbesondere in höheren Semestern, Teil des Studiums. Die Vermittlung von Lerntechniken zum Lebenslangen Lernen umfasst zudem auch die Weiterentwicklung von virtuellen Lernformen.

Schneller Berufseinstieg oder gleich einen Master hinterher?

Der Master entwickelt sich immer weiter zur Standardfortsetzung eines Bachelorstudiums. Als Wirtschaftsjurist bietet sich zum einen die Vertiefung einer Qualifikationsrichtung, z.B. im Bereich »Personal und Arbeit« oder Steuern an. Zum zweiten kann ein Masterstudium zur Ergänzung weitere Qualifikation im wirtschaftlichen Bereich dienen. Drittens kann ein Masterstudium im Ausland neben der Fachsprachen- auch die Methodenkompetenz erweitern. Hier bieten sich Masterstudiengänge im Rechtskreis des Common Law oder in Wachstumsmärkten wie in Südostasien an.4

Studierst du noch oder lebst du schon? - Gehalt

Die jährlichen Einstiegsgehälter für Wirtschaftsjuristen variieren nach Region, Größe des Unternehmens, Note, Auslandserfahrungen, Zusatzqualifikationen und Bachelor- oder Masterabschluss zwischen 35.000,- Euro und 55.000,- Euro. In Einzelfällen werden höhere Vergütungen erzielt, insbesondere in den Bereichen der Steuerberatungs- oder Wirtschaftsprüfungsgesellschaften. Die Vergütungen für Pflichtpraktika mit einer Regeldauer von 6 Monaten bewegen sich zwischen 400,- und 800,- Euro pro Monat.5

Literatur

› Gildeggen, Rainer/ Lorinser, Barbare/ Tybusseck, Barbara: Der Bachelor Wirtschaftsrecht als berufsqualifizierender und strategischer erster akademischer Abschluss, Beobachtungen aus der Hochschule für Gestaltung, Technik, Wirtschaft und Recht, NJOZ 2011, 1353
› Vogler, Ralf: Rechtsstellung und Akzeptanz von Absolventinnen und Absolventen, wirtschaftsjuristischer Studiengänge, Berlin 2014

QUELLEN

› 1 Eine Auflistung der Bachelorstudiengänge Wirtschaftsrecht findet sich unter: www. wirtschaftsrecht-fh.de/de/vereinigung/ bachelor_whv_neu und www.wirtschaftsrecht-fh.de/de/vereinigung/Bachelor_ sonst_neu, Stand 3.2.2015
› 2 www.wirtschaftsrecht-fh.de/de/vereinigung, Stand 3.2.2015
› 3 siehe z.B. www.hof-university.de/studieninteressierte/ studienangebot/wirtschaftsrecht-llb/berufsbilder.html, Stand 3.2.2015
› 4 Eine Auflistung von Masterstudiengängen an Hochschulen und Universitäten findet sich unter: www.wirtschaftsrecht-fh. de/de/vereinigung/Master_WHV_neu und www.wirtschaftsrecht-studieren.com/wirtschaftsrecht-master/, Stand 3.2.2015
› 5 Zahlen wurden nicht systematisch erhoben, sondern basieren auf den Erfahrungen der letzten fünf Jahre.
Rechtswissenschaft - Prof. Dr. Beatrix Weber

Kurzvita

Prof. Dr. Beatrix Weber erwarb mit dem Studium der Rechtswissenschaften in Deutschland und einem Aufbaustudium zum Droit europeen in Fribourg/Schweiz neben den beiden Staatsexamina einen Master Legum Europae (MLE). In ihrer Masterarbeit beschäftigte sie sich rechtsvergleichend mit dem »Missbrauch beim electronic cash. Eine zivil- und strafrechtliche Bewertung«. Sie wurde am Institut für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht - Zivilrechtliche Abteilung - der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster bei Prof. Dr. Thomas Hoeren mit der Dissertation »Zahlungsverkehr im Internet« promoviert. Frau Prof. Dr. Weber war über viele Jahre als Syndikusanwältin in der Automobilindustrie in den Bereichen Gewerblicher Rechtsschutz, Rechtsberatung, Marketing, IT und Vertrieb Aftersales national und international, insbesondere in den USA und Südostasien, tätig. Seit 2006 ist Frau Prof. Dr. Weber nebenberufliche Dozentin an der Steinbeis- Hochschule Berlin im Fach »Gewerblicher Rechtsschutz und Compliance« für den MBA-Studiengang Governance, Risk, Compliance & Fraud Management. Dort wurde sie 2012 von den Studierenden zur »Besten Lehrkraft des Jahrgangs 2010« gewählt. Seit 2009 ist Frau Prof. Weber Professorin für Wirtschaftsrecht an der Hochschule Hof mit den Schwerpunkten Gewerblicher Rechtsschutz und Urheberrecht, IT-Recht, Wettbewerbsrecht, Nachhaltigkeit und Compliance und Vertragsverhandlung. Sie ist Studiengangleiterin des Bachelorstudienganges Wirtschaftsrecht und leitet die Forschungsgruppe »Recht in Nachhaltigkeit, Compliance und IT« am Institut für Informationssysteme der Hochschule Hof. Sie berät und hält zahlreiche Vorträge und Schulungen in mittelständischen Unternehmen.
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