Warum im Ausland arbeiten?
Die Gründe, sich für eine Stelle im Ausland zu interessieren, sind sehr unterschiedlich.
Auf der einen Seite ist der Arbeitsmarkt
für Berufseinsteiger in Deutschland in allen
Fachrichtungen sehr eng geworden. Was noch
vor 15 Jahren gang und gäbe war - der glatte
Übergang von der Uni in den Job mit vorprogrammierter
Karriere - ist heute eher die Ausnahme. Ganz
allgemein sind die beruflichen Lebenswege
ziemlich verzweigt und holperig geworden.
Auf der anderen Seite gibt es immer wieder
Studienabsolventen, die es aus lauter Abenteuerlust
in die Ferne zieht und die berufliche Erfahrungen
mit dem Erlebnis andersartiger Kulturen verknüpfen
möchten. So manchen reizt aber auch der innovative
Vorsprung in einigen Fachrichtungen, z.B.
der Computerbranche in den USA, so sehr,
dass er sich direkt an den Puls der Zeit
begeben möchte. Und auch das ist vielen nicht
verborgen geblieben: Ein Auslandsaufenthalt
macht sich im Lebenslauf und bei künftigen
Bewerbungen im Heimatland außerordentlich
gut! Er bringt vielleicht genau den Vorsprung
vor den Mitbewerbern, der Ihnen jetzt - frisch
von der Uni - noch fehlt. Wie gesagt: die
Gründe für eine Bewerbung im Ausland sind
sehr unterschiedlich.
Keinem ernsthaft Interessierten bleibt jedoch
die mühsame und zeitaufwendige Prozedur der
Stellensuche und Bewerbung erspart. Doch
auch hier gibt es Unterschiede: Zahlreiche
Organisationen und Institutionen geben Auskunft,
Tipps und konkrete Hilfestellungen, die das
Bewerbungsverfahren erheblich erleichtern
und abkürzen können. Im folgenden haben wir
die wichtigsten Punkte für Sie zusammengestellt.
Auslandsbewerbung - Der erste Schritt:Testen
Sie sich selbst!
Bevor es richtig los geht, sollten Sie sich
ein bisschen Zeit nehmen und in Klausur gehen.
Sie müssen sich darüber im klaren sein, dass
der Gang ins Ausland ein gewaltiger Einschnitt
in Ihrem Leben sein wird und nicht jeder
eignet sich von seiner Persönlichkeit her
für ein solches Wagnis. Ganz egal, ob Sie
aus Karrieregründen oder rein persönlichen
Motiven im Ausland arbeiten wollen - Sie
werden dort auch leben und entweder allein
oder mit Familie, zumindest für eine gewisse
Zeit, in Ihrem Gastland Wurzeln schlagen.
Überprüfen Sie deshalb genau und ehrlich,
ob Sie den Anforderungen an die eigene Persönlichkeit gewachsen sind.
- Sind Sie offen für das Neue und Andere?
- Sind Sie ein kommunikativer Mensch, der die
Fähigkeit hat, auf andere Menschen zuzugehen?
- Sind Sie selbständig genug, um sich in der
neuen Umgebung zurechtzufinden?
- Können Sie improvisieren und haben Sie organisatorisches
Geschick?
- Können Sie sich flexibel auf neue Situationen
einstellen?
- Besitzen Sie genug Frustrationstole--ranz,
um auch Niederlagen und Fehlschläge verkraften
zu können?
- Sind Sie in Ihrem beruflichen Umfeldern bereit,
anpassungsfähig und tolerant?
- Sind Ihr Selbstbewusstsein, Ihre Risikobereitschaft
und Ihre Belastbarkeit überdurchschnittlich
hoch?
Sie sollten sich auch schon vorher die Nachteile eines Auslandsaufenthaltes vor Augen führen: Möglicherweise werden
Sie von der Familie und Freunden getrennt,
sind auf sich allein gestellt und müssen
Ihre Kontakte im Gastland ganz neu aufbauen.
Wenn Sie Ihre Familie mitnehmen, kann es
Probleme mit der Berufstätigkeit des Partners
oder der Schule der Kinder geben. Unterschätzen
Sie nicht den bürokratischen Aufwand einer
Übersiedlung ins Ausland (Auto und Versicherungen
ummelden, Umzug, Wohnung vermieten oder verkaufen
etc.). Sie sollten auch nicht übersehen,
dass Sie in den meisten Ländern auf einen
niedrigeren Lebensstandard stoßen als Sie
ihn gewohnt sind und oft ein niedrigeres
Gehalt hinnehmen müssen. Dafür kommen aber
hohe Kosten durch den Umzug und zusätzliche
Versicherungen und nicht unerhebliche Unsicherheiten
für die Zeit nach Ihrer Rückkehr auf Sie
zu. Wohlgemerkt: Hier soll niemand im Vorfeld
abgeschreckt werden, aber wenn Ihr Auslandsaufenthalt
eine positive und erfolgreiche Phase in Ihrem
Leben werden soll, müssen Sie die Dinge realistisch
angehen.
Auslandsbewerbung - Erforderliche Kenntnisse
und Fähigkeiten
Sprachkenntnisse
Überdurchschnittliche Kenntnisse der Sprache
des Gastlandes sind für einen Bewerber um
einen Auslandsjob unabdingbar (und häufig
sind sie auch der größte Hemmschuh). Dabei
geht es weniger um perfekte Grammatikkenntnisse
als um die Fähigkeit, die Sprache natürlich
zu benutzen, Gesprochenes schnell zu verstehen
und fließend darauf antworten zu können.
Im beruflichen Umfeld wird man zusätzlich
noch eine fachspezifische Sprache beherrschen
müssen. Die beschriebenen Sprachfähigkeiten
lernt man natürlich nicht im Schulunterricht
- vielleicht liegt dieser auch schon weit
zurück. Sie sollten deshalb durch Eigeninitiative
schon frühzeitig Ihre Sprachkenntnisse auf
den erforderlichen Level bringen: Sprachkurse
(möglichst im Gastland) und besser noch der
Kontakt mit Muttersprachlern, vermitteln
am besten die Fähigkeit fließend zu sprechen
und zu formulieren.
Vorausgegangene Auslandserfahrung
Wer in seiner Bewerbung bereits vorausgegangene Auslandsaufenthalte anführen kann, hat einen wichtigen Vorteil!
Günstig sind Studiensemester im Gastland,
Praktika bei ausländischen Firmen, Sprachurlaube
und -kurse, Aufenthalte als Au-pair-Mädchen
etc.
Der Personalchef der Firma, bei der Sie sich
bewerben, wird aus diesen Aktivitäten schließen,
dass Sie nicht nur die Sprache besser gelernt,
sondern auch Initiative gezeigt haben und
bereit sind, sich mit der Kultur und Lebensweise
eines anderen Landes vertraut zu machen.
Berufserfahrung
Es ist schwierig, eine Stelle im Ausland
zu finden, ohne über Berufserfahrung zu verfügen.
Die Ausbildungswege und Studieninhalte sind
in den einzelnen Ländern so unterschiedlich,
dass ein ausländischer Personalchef ein deutsches
Diplom in vielen Fällen nicht richtig einschätzen
kann. Die Beurteilung der beruflichen Leistungen
und persönlichen Fähigkeiten einer im Arbeitsprozess
stehenden Person ist dagegen einfacher. Wer
direkt nach dem Examen ins Ausland gehen
möchte, sollte sich deshalb zunächst um ein
Praktikum bemühen. Dies kann durchaus in
eine fes-te Stelle münden!
Spezialkenntnisse im Beruf
Wenn Sie über spezielle Kenntnisse in Ihrem
Beruf verfügen, sind Sie für einen potentiellen
Arbeitgeber viel interessanter und Ihre Chancen
auf eine Stelle erhöhen sich beträchtlich!
Bei sehr enger Spezialisierung wird sich
allerdings der Kreis der Firmen, für die
Sie geeignet sind, verkleinern und es wird
vielleicht etwas komplizierter, die "richtigen"
überhaupt zu finden. Hier spielt die Bewerbungsstrategie
eine entscheidende Rolle.
Auslandsbewerbung - Informationen sammeln
Verschiedene Institutionen und Einrichtungen
sind Ihnen bei der Stellensuche im Ausland
behilflich. Das Angebot reicht von der Versendung
von Informationsmaterial über persönliche
Beratungsgespräche bis zu direkter Hilfe
bei der Stellensuche.
Die Europäische Kommission hat ein Netz von
EURES-Beratern (European Employment Service)
eingerichtet, die über die Bundesagentur für Arbeit bei den Arbeitsagenturen und über das Bundesverwaltungsamt
bei den Wohlfahrtsverbänden angesiedelt sind.
EURES-Berater beantworten Fragen zu Bewerbungsformalitäten,
zur sozialen Absicherung und zu den Aufenthaltsbestimmungen
Ihres künftigen Gastlandes. Die EURES-Mitarbeiter
haben Zugriff auf zwei Datenbanken: das SIS-System
der Arbeitsämter mit Stellenangeboten aus
ganz Europa und eine Datenbank mit Informationen
zu den einzelnen Ländern.
Die Europäische Kommission gibt eine Reihe
von Publikationen heraus, die über den Informationsservice,
Europahaus, Unter den Linden 78, 10117 Berlin,
Tel.: 030/2280-2000 oder Regionalbüro Bonn,
Bertha-von-Suttner-Platz 2-4, 51113 Bonn,
Tel.: 0228/53009-0 zu beziehen sind. Merkblätter
zu den Themen Arbeiten/Leben/Arbeitssuche/Anerkennung
der Ausbildung sind unter der Tel.-Nr.: 0130/850400
erhältlich oder umfangreich, aktuell und
informativ im Internet unter http://europa.eu/index_de.htm.
Der Deutsche Industrie- und Handelstag (DIHT)
organisiert über die Industrie- und Handelskammern
und die Außenhandelskammern ein breites Serviceangebot
für Personen, die eine Stelle im Ausland
suchen. Wenn Sie sich im Ausland selbständig
machen wollen, sollten Sie sich an ein IHK/Euro-Infocenter
wenden. Die IHK bietet dazu Workshops, Seminare
und fachspezifische Sprachkurse an und hält
eine Fülle von Informationsmaterial bereit.
Informationen unter: Abt. Außenhandelskammer,
Breite Straße 29, 10178 Berlin, Tel.: 030/203080,
Fax: 030/203081000, www.diht.de.
Eine weniger ergiebige Auskunftsquelle sind
die Botschaften und Konsulate der jeweiligen
Länder.
Die Carl-Duisberg-Gesellschaft als gemeinnützige
Organisation für internationale Weiterbildung
und Personalentwicklung vermittelt Auslandsaufenthalte
für Auszubildende und junge Berufstätige.
Die Informations- und Beratungsstelle verschickt
Info-Material unter der Adresse: Hohenstaufenring
30, 50674 Köln, Tel.: 0221/2098-102, -148,
-229, www.cdc.de.
Schließlich gibt es noch im Buchhandel zahlreiche
Leitfäden und Publikationen zum Thema "Bewerben
im Ausland". Die Bücher enthalten neben
allgemeinen Informationen zum Bewerbungsverfahren
und Adressen viele Muster für Lebensläufe
und Bewerbungsanschreiben und Formulierungshilfen
in der jeweiligen Landessprache. Insider
empfehlen allerdings, ein Anschreiben nicht
allein aus den vorgegebenen Formulierungshilfen
zusammenzustellen, da es schnell steif und
unnatürlich wirkt. Besser ist ein flüssiger
Schreibstil (auch wenn er den einen oder
anderen Grammatikfehler enthält), der Informationen
an den potentiellen Arbeitgeber vermittelt.
Bildungsprogramme der EU
Für diejenigen, die sich zunächst für Studiensemester
im Ausland oder zeitlich begrenzte Praktika
interessieren, unterhält die Europäische
Union seit Jahren eine Reihe von Bildungsprogrammen,
die den Weg ins Ausland erleichtern. Detaillierte
Auskünfte über das gesamte Bildungsangebot
bekommt man über die Vertretung der EU-Kommission
in Berlin(s.o.) und den Deutschen Akademischen
Austauschdienst (DAAD), Kennedyallee 50,
53175 Bonn, Tel.: 0228/882-0, www.daad.de.
Die drei wichtigsten Basisprogramme sind:
SOKRATES: kombiniert die Aktionen der allgemeinen
Bildung und enthält das frühere Hochschulbildungsprogramm
der EU "ERASMUS" (für Hochschulstudenten,
Graduierte bis zur Promotion, Dozenten aller
Fachrichtungen, Vergabe von Stipendien. Kontakte
über DAAD) sowie die früheren Sprachbil-dungspro-gramme
LINGUA, die sich modernen Kommunikationstechnologien
und Multi-Media-Programmen widmen.
LEONARDO: hat die transnationale Zusammenarbeit
in der beruflichen Aus- und Weiterbildung
zum Ziel. Vermittelt Praktika im Ausland
und fördert Partnerschaften zwischen Hochschulen
und Wirtschaftsunternehmen. (Kontakte über
DAAD)
JUGEND FÜR EUROPA: Deutsch-französisches
Jugendwerk, Sprachkurse, Au-pair-Vermittlung,
internationale Jugendarbeit.
Auslandsbewerbung - Kontakte knüpfen
Nachdem Sie sich selbst und die Möglichkeiten
des Marktes überprüft haben, kommen Sie an
den wichtigsten und vielleicht schwierigsten
Punkt Ihrer Stellensuche: Wie und wo kann
man einen Arbeitsplatz im Ausland finden?
Dem Suchenden bieten sich folgende Möglichkeiten
der Stellensuche:
-
Annoncen in Zeitungen mit internationalem
Stellenteil beantworten (FAZ, Süddt. Zeitung, Die Zeit, Die Welt, Handelsblatt, VDI Nachrichten) oder direkt in internationalen Zeitungen
suchen (The European, International Herald
Tribune, The Economist, Overseas Job Express)
-
Eigeninserat aufgeben
-
Initiativbewerbungen verschicken (Adressen
über Industrie- und Handelskammern, Außenhandelskammern,
Firmenlexika in Bibliotheken, Fachliteratur
im Buchhandel)
-
Arbeitsämter in Deutschland und/oder dem
Zielland aufsuchen
-
Bewerbung bei international agierenden Zeitarbeitsfirmen
(ADIA, Ecco)
-
Jobdatenbanken im Internet nutzen, z.B. mit
Hilfe einer Suchmaschine.
-
Firmenkontaktmessen für Studenten besuchen:
AIESEC, Subbelrather Str. 247, 50825 Köln,
Tel.: 0221/551056, unter: http://www.aiesec.org, E-mail:nc@de.aiesec.org. Weitere Kontaktmessen
werden von "bonding" organisiert,
www.bonding.de.
-
Industrie- und Fachmessen besuchen und Kontakte
knüpfen, Fachverbände kontaktieren
-
firmenintern ins Ausland bewerben
-
bei internationalen Firmen mit dem Ziel Ausland
bewerben
persönliche Kontakte einsetzen
-
auf Veröffentlichungen anrufen oder schreiben
Auslandsbewerbung - Grundsätzliches zum Bewerbungsverfahren
Das eigentliche Bewerbungsverfahren läuft in den verschiedenen Ländern ziemlich
ähnlich ab. Dennoch gibt es kleine, aber
wichtige Unterschiede, die bei den jeweiligen
Länderkapiteln im folgenden erwähnt werden.
Die Bewerbungsunterlagen enthalten immer mindestens einen Lebenslauf
und ein Anschreiben. Ihre Bewerbung muss
natürlich in der jeweiligen Landessprache
abgefasst werden und sollte von einer Person
korrekturgelesen werden, die diese Sprache
als Muttersprache beherrscht (Über die Universitäten
können solche Personen eigentlich leicht
gefunden werden).
Versuchen Sie, Ihren potentiellen Arbeitgeber
auf sich aufmerksam zu machen und Ihre individuelle
Persönlichkeit und Qualifikation darzustellen.
Das ist wichtiger als eine äußerlich reißerische
Aufmachung. Einem Personalverantwortlichen
fällt es sicher positiv auf, wenn ein ausländischer
Bewerber die landestypischen Bewerbungsregeln
kennt. Informieren Sie sich zudem umfassend
über die Firma, bei der Sie sich bewerben
und überzeugen Sie durch Ihr Wissen; das
können Sie sich z.B. in Nachschlagewerken
mit Firmeninformationen anlesen.
Bewerben in Dänemark
Bewerben in England
Bewerben in Estland
Bewerben in Finnland
Bewerben in Frankreich
Bewerben in Holland
Bewerben in Irland
Bewerben in Lettland
Bewerben in Litauen
Bewerben in Norwegen
Bewerben in Österreich
Bewerben in Polen
Bewerben in Schweden
Bewerben in der Schweiz
Bewerben in Slowakei
Bewerben in Spanien
Bewerben in Tschechien
Bewerben in den USA
Bewerben im Ausland
|