Das Weiterbildungsangebot für Führungskräfte
der
Wirtschaft und solche, die es werden wollen |
1. Die Notwendigkeit der Weiterbildung
Im bildungspolitischen Prioritätenkatalog
der Unternehmen nimmt Weiterbildung den ersten
Platz ein: Der Produktionsfaktor Wissen gewinnt
immer mehr an Bedeutung. Gleichzeitig beschleunigt
sich der Entwertungsprozess des aktuellen
Wissensbestandes. Für die Unternehmen entscheidet
der Wissensvorsprung ihrer Mitarbeiter gerade
in der vernetzten Welt über Erfolg oder Misserfolg.
Die Betriebe sehen im Ausbau der Weiterbildung
jedenfalls den entscheidenden Weg, die Mitarbeiter
für die beruflichen Anforderungen der Zukunft
fit zu machen.
Wenn heute in Unternehmen und ihren Verbänden
von der Notwendigkeit der Weiterbildung gesprochen
wird, dann geht es in erster Linie darum,
Hilfestellung zu leisten, die Veränderungen
in unserer Industriegesellschaft sowohl im
privaten wie im beruflichen Bereich durch
Bildung zu bewältigen. Innovative Informations-
und Kommunikationssysteme greifen in nahezu
alle Unternehmensbereiche ein, verändern
Geschäftsprozesse und erfordern neue Qualifikationen
in der Mitarbeiterführung.
Der Stellenwert überfachlicher Qualifikationen
steigt. Das stärkste Wachstum wird nach einer
aktuellen Trendumfrage (2001) unter den führenden
Weiterbildungseinrichtungen der Wirtschaft
im Bereich der Kompetenzen erwartet, die
die Unternehmen für die Durchführung von
Veränderungsprozessen benötigen. Die Einführung
neuer technischer Systeme verlangt von einer
Führungskraft nicht nur die Verbindung von
Sachkompetenz mit personellen Qualifikationen,
sondern auch die Fähigkeit, in komplexen
Systemen zu denken und mehrdimensionale Sachverhalte
zu strukturieren und organisatorisch umzusetzen.
Die Weiterbildung muss bei allen konkreten
und notwendigerweise speziellen Qualifizierungsmaßnahmen
dafür Sorge tragen, dass Zusammenhänge erkannt
und Verbindungslinien hergestellt werden
können. Ein Spezialist ist erfolgreich, wenn
er auch über generalistische Fähigkeiten
verfügt. Die nach Quantität und Qualität
gewachsenen Weiterbildungsaufgaben können
nicht allein mit traditionellen Unterrichtsformen
gelöst werden. Eigenständiges, in Selbstverantwortung
gesteuertes Lernen gewinnt an Bedeutung.
Dabei ist schon heute ein Trend erkennbar,
dass sich der Weiterbildungsprozess immer
stärker in dualer Form vollziehen wird. Theorie
und Praxis wirken zusammen. Neben dem theoretischen
Lernen spielt das praktische Üben am Arbeitsplatz
eine große Rolle. Verfahren des Training
on the job nehmen zu und sorgen dafür, dass
die Betroffenen ihre gewohnte Umgebung nicht
verlassen müssen. Wenn Weiterbildung nahe
am Arbeitsplatz geschieht, ergibt sich der
Vorteil, dass eine genaue Bedarfsanalyse
und folglich eine bedarfsgerechte Bildung
möglich ist. Auf diese Weise gelingt es am
ehesten, gezielt und kostensparend auf die
Arbeitswelt von morgen vorzubereiten.
2. Erstausbildung und Weiterbildung
Irgendwann einmal kommt der Zeitpunkt, wo
die Umsetzung des durch Ausbildung oder Studium
Gelernten erwartet wird: Die Qualifikationsverwertung,
die Umsetzung von Theorie in Berufspraxis,
die Anwendung und Bewährung. Zwar steigt
die durchschnittliche Verweildauer der Generationen
in den vorberuflichen Stationen des Bildungswesens
ständig an, doch dürfte jede Erstausbildung
überfordert sein, wollte sie den Auszubildenden
auf die gesamte Dauer seiner Erwerbstätigkeit
bzw. auf sämtliche späteren Berufsprobleme
vorbereiten. Das kann sie nur in Grenzen.
Die Erstausbildung bedarf wohl immer einer
Ergänzung durch die Weiterbildung. Zumal
das in der Erstausbildung (z.B. Studium)
erworbene Wissen - vor allem im technisch-naturwissenschaftlichen
Bereich - immer rascher veraltet. Außerdem
reicht das in der Erstausbildung einmal erworbene
Wissen immer weniger für ein ganzes Berufsleben.
Vieles spricht deshalb dafür, die Erstausbildung
zugunsten der Weiterbildung zu entlasten,
das Verhältnis von Erstausbildung und Weiterbildung
flexibler zu gestalten und somit auch den
Graben zwischen Studium und Berufstätigkeit
zu verkleinern. Wichtige Ansätze hierzu liegen
bereits vor, etwa in Form der Berufs-, Wirtschafts-
und Verwaltungsakademien, des berufsintegrierenden
oder berufsbegleitenden Studiums (Fachhochschule
Mainz), der Industrie- und Praxissemester
(Bayern, Baden-Württemberg), der ”kooperativen
Ingenieurausbildung” (Fachhochschule Krefeld),
im gewissen Sinne auch in Gestalt des Kontaktstudiums.
Eine Überfrachtung der Erstausbildung schadet
dem Auszubildenden, weil sie ihn länger bindet,
sie schadet den Bildungseinrichtungen, weil
sie diese überlastet. Sie schadet den Unternehmen,
weil sie diesen oft überalterte und insofern
inflexible Bewerber zuführt.
3. Karriereplanung und Personalentwicklung
... sind zwar verschiedene Begriffe, doch
bezeichnen sie letztlich den gleichen Tatbestand,
wenn auch aus verschiedener Perspektive,
nämlich einmal aus Sicht des Berufstätigen
und zum anderen aus Sicht des Personalmanagements.
Der Tatbestand ist der, dass die Bildungsteilnahme
systematisch geplant und somit auf bestimmte
Ziele hin bezogen werden sollte. An einer
solchen längerfristigen Projektion sollten
Arbeitnehmer und Arbeitgeber interessiert
sein, denn Berufszufriedenheit und Unternehmenserfolg
dürften von solchen Überlegungen und Entwürfen
abhängig sein. Doch liegen die Laufbahnplanung
und ihre Abstimmung mit der Unternehmensplanung
mancherorts im Argen. Grund genug für Bewerber
und Beschäftigte, selber an diese Dinge zu
denken.
4. Wirtschaft und Weiterbildung:
Ein Überblick
Die Weiterbildung der Wirtschaft spricht
Mitarbeiter privater Wirtschaftsunternehmen,
Arbeiter und Angestellte, aber auch Selbstständige
an und schult diese intern oder extern -
außerbetrieblich oder überbetrieblich - auf
beruflichen - seltener auf außerbetrieblichen
- Gebieten. Für derartige Weiterbildungsmaßnahmen
hat sich der Begriff betriebliche Weiterbildung
durchgesetzt. Nach Erhebungen des vom Bundesminister
für Bildung und Forschung herausgegebenen
”Berichtssystem Weiterbildung” hat fast jeder
zweite 19-64-Jährige im Jahr 1997 Angebote
zur Weiterbildung genutzt. Fast alle Unternehmen
kümmern sich regelmäßig um die berufliche
Weiterbildung, vor allem kleine und mittlere
Betriebe. Dort ist die Teilnehmerquote nahe
doppelt so hoch wie bei Großunternehmen.
Angesichts kürzerer Arbeitszeiten und reduzierter
Belegschaften findet Weiterbildung immer
häufiger in der Freizeit statt. 1995 absolvierten
die Beschäftigten in der Wirtschaft rund
22 Prozent aller Teilnehmerstunden in ihrer
freien Zeit (1987: 9%). Nach neues-ten Untersuchungen
(2001) vertreten zwei Drittel aller Betriebe
die Auffassung, dass Mitarbeiter sich künftig
verstärkt aus eigener Initiative weiterbilden
sollen.
Kosten der betrieblichen Weiterbildung
Nach einer neuen umfassenden Repräsentativ-Erhebung
(2002) des Instituts der deutschen Wirtschaft
(IW) bei 1.087 Unternehmen gab die Wirtschaft
2001 knapp 17 Milliarden Euro für die Weiterbildung
aus. Die Unternehmen haben im Durchschnitt
870 Euro je Mitarbeiter für die Weiterbildung
aufgewendet.
Etwa ein Fünftel der gesamten Weiterbildungskosten
dienen der Kompetenzsteigerung der mittleren
und oberen Führungsebene sowie der Nachwuchsförderung
der Chefetage.
Zukunftstrends
Die Einschätzungen vieler Anbieter von Weiterbildungsdienstleistungen,
wie sich die Angebotsformen in den nächsten
fünf Jahren entwickeln werden, bestätigen
den Trend: Kundenorientierung und Individualisierung
werden immmer wichtiger. Ein wichtiger Punkt
ist aber auch die Ausrichtung auf die Bedürfnisse
der einzelnen Teilnehmer, nicht nur der entsendenden
Unternehmen. Kundenorientierung im Sinne
einer Orientierung an dem Nutzen der Teilnehmer
heißt auch, dass zertifizierte Abschlüsse
und Weiterbildungsdienstleistungen, die der
"Employability" der einzelnen Mitarbeiter
und Führungskräfte dienen, an Bedeutung gewinnen
können. Die Weiterbildungsinstitute sehen
in der Zukunft einen steigenden Bedarf für
diese Art personenorientierter Weiterbildung.
Themen der Weiterbildung
Nach einer neueren Umfrage der Bundesvereinigung
der Deutschen Arbeitgeberverbände bei 212
Firmen verschiedener Branchen und Betriebsgrößenklassen
wird der Schwerpunkt künftiger Weiterbildung
von Führungskräften nicht bei fachbezogenen
Veranstaltungen, sondern bei verhaltensbezogenen
Themen bestehen. Neue Ansätze zur Unternehmens-
und Arbeitsorganisation, wie sie zur Zeit
fast überall in den Betrieben umgesetzt werden,
erfordern Verhaltensänderungen (z.B. in der
Mitarbeiterführung, in Kommunikation und
Kooperation), was sich in der Weiterbildungsnachfrage
widerspiegelt.
Ein fester Bestandteil des Bildungsangebotes
für die Mitarbeiter von manchen
Betrieben
ist die ”Auslandsfortbildung”.
Viele Betriebe
beschäftigen Inländer im Ausland,
manche
bis zu 1.000 Personen - meist
Ingenieure
oder Betriebswirte - für ca.
drei Jahre.
Dieses Personal wird systematisch
vorbereitet,
betriebsextern z.B. durch das
Institut für
Auslandsbeziehungen Stuttgart,
die Evangelische
Akademie Bad Boll, die Carl-Duisburg-Centren,
Köln und das Institut für Interkulturelles
Management, Königswinter. Formen
der Auslandsvorbereitung
sind u.a.: Beratung, Instruktion,
Lektüre,
Seminare, Interkulturelles Training,
Sprachkurse,
Erkundungsgespräche, Auslandsreisen.
Einige
Betriebe bieten Vorbereitungsseminare
an:
- Seminare für ausreisende Führungskräfte deutscher
Firmen unter besonderer Berücksichtigung
von Fragen der Anpassung an ein fremdes,
soziokultu-relles Umfeld.
- Management-, Team- und Organisationstraining
- Beratungen für Ausreisende
- Seminare für Übersee-Rückkehrer über Wiedereingliederungsfragen
- Tagungen und Konferenzen
Angesichts der Vollendung des
EU-Binnenmarktes
1993 sind die Anforderungen an
junge Führungskräfte
auf dem europäischen Markt gestiegen.
Europakompetenz
ist gefordert, d.h. in erster
Linie Beherrschung
mehrerer Fremdsprachen, Kenntnisse
über Rechts-
und Bildungssysteme, Staats-
und Verwaltungsaufbau
sowie Mentalitäten europäischer
Länder.
Teilnehmerstruktur: Die Überrepräsentanz
der AT-Angestellten
Zwar stellen die Tarifangestellten in Indust-rie
und Handel die meisten Teilnehmer für die
Weiterbildung, zwar rekrutiert sich die Majorität
der Weiterbildungsteilnehmer im Handwerk
aus der Gruppe gewerblicher Arbeitnehmer,
doch sind die außertariflichen und leitenden
Angestellten, gemessen an ihrer Gesamtzahl
im Betrieb, in der Weiterbildung deutlich
überrepräsentiert, und das vor allem in der
betriebsinternen, nicht beruflichen Weiterbildung.
Zu beachten ist ferner: Je höher das Führungsniveau
des angesprochenen Personenkreises, desto
eher werden sowohl von den Führungskräften
selbst als auch von den Unternehmen externe
Weiterbildungsmaßnahmen bevorzugt.
Ziele der betrieblichen Weiterbildung
Nach einer SCS-Betriebsbefragung
verfolgen
die Unternehmen mit ihren Weiterbildungsmaßnahmen
hauptsächlich folgende Ziele:
- Anpassung der Qualifikation der Mitarbeiter
an veränderte Gegebenheiten der Arbeitsplätze
- Entwicklung von Führungsnachwuchs aus den
eigenen Reihen
- Verbesserung des Leistungsverhaltens von
Mitarbeitern
- Vorbereitung auf höherwertige Tätigkeiten
- Sicherung der gegenwärtigen Qualifikation
der Mitarbeiter
- Erhöhung der Bereitschaft, Änderun- gen zu
verstehen oder herbeizuführen
- Sicherung des notwendigen Bestandes an Fachkräften
- Verbesserung des Sozialverhaltens
- Förderung der Persönlichkeit des Einzelnen
- Vermittlung von Zusatzqualifikationen als
Grundlage einer größeren Flexibilität bei
Personaleinsatz
- Erhöhung der Identifikation mit dem Unternehmen
- Erhöhung der Attraktivität des Unternehmens
auf dem Arbeitsmarkt
- Belohnung für gute Leistungen
- Einsatz für andere Leistungen
Die Investition in Humankapital
zur Erhaltung
und Verbesserung der Konkurrenzfähigkeit
dürfte wohl das Haupt- bzw. Endziel
der betrieblichen
Weiterbildung sein.
Das Kuratorium der deutschen Wirtschaft für
Berufsbildung ermittelte, dass betriebliche
Weiterbildung in erster Linie in Form von
funktionsbezogener Anpassungsweiterbildung
mit fachübergreifenden Inhalten gewerblich-technischer
und naturwissenschaftlicher Inhalte stattfindet.
Immer mehr wird Weiterbildung Teil der Personalentwicklungsplanung
sein. Sie ist notwendig, um die Weiterbildung
vorsorgend einzusetzen, um beispielsweise
organisatorische und technische Änderungen
im Betrieb bewältigen zu können.
Das Weiterbildungssystem hat sich - anders
als das staatlich administrierte und finanzierte
Schul- und Hochschulwesen - pluralistisch
entwickelt und unterliegt den Regeln einer
sozialen Marktwirtschaft. Erst dieser Wettbewerb
- so betont die Wirtschaft - gewährleistet,
dass Weiterbildung dynamisch bleibt.
Anbieter- und Angebotsvielfalt
Hauptanbieter von Weiterbildung in der und
für die Wirtschaft sind ohne Zweifel die
Betriebe selber. Nach neueren Umfragen des
Statistischen Bundesamts und des Bundesinstituts
für Berufsbildung ergibt sich: Drei Fünftel
aller Unternehmen in Deutschland bieten ihren
Beschäftigten Lehrgänge, Kurse oder Seminare
an, also die klassischen Formen der beruflichen
Weiterbildung. Über vier Fünftel wenden andere
Formen der Weiterbildung an, wie z.B. Informationsveranstaltungen,
arbeitsplatznahe Formen der Weiterbildung
und selbstgesteuertes Lernen. Bei den arbeitsplatznahen
Formen der Weiterbildung dominiert die “Unterweisung
durch Vorgesetzte” (Coaching u.a.) und die
Einarbeitung in ihren verschiedenen Formen;
wenig verbreitet sind bisher Qualitätszirkel
und Job-Rotation.
Hinzuweisen ist auf betriebsinterne,
berufspädagogische
Starthilfen der Wirtschaft für
den Managementnachwuchs,
auf Trainee-Programme, das Training
on the
job und sonstige ”Einführungsfortbildungen”
der Privatwirtschaft. Mögliche
Funktionsbereiche
der Trainee-Ausbildung bei der
BMW AG sind
beispielsweise:
- Organisation und Datenverarbeitung
- Forschung und Entwicklung
- Logistik und Einkauf
- technische Planung und Produktion
- Vertrieb und Marketing
- Finanz- und Bankwirtschaft
- Personal- und Sozialwesen
- Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Das ”Learning by doing” wird
ergänzt durch
- Informationen über das Gesamtunternehmen
- Fachübergreifende Spezialseminare (z.B. kreative
Problemlösungstechniken)
- und fachspezifische Seminare (z.B. Wertanalyse,
Leasing, EDV)
Bei der AUDI AG etwa können die
Fachhoch-
und Hochschulabsolventen auf
zwei unterschiedlichen
Wegen ihre berufliche Laufbahn
beginnen.
Die einen bevorzugen den direkten
Weg und
wählen eine Stelle, die ihren
speziellen
fachlichen Kenntnissen entspricht
und gewinnen
dort Erfahrung. Die Einführung
durch den
direkten Vorgesetzten und die
Weiterbildungsmöglichkeiten
führen schnell dazu, dass man
in dem überschaubaren
Aufgabengebiet Sicherheit gewinnt
und sich
von dort aus weiterentwickeln
kann.
Die anderen wählen das Trainee-Programm.
Für sie wird zu Beginn lediglich eine allgemeine
Richtung für die spätere Beschäftigung festgelegt.
Bevor die Stelle gemeinsam bestimmt wird,
absolviert der Trainee ein maßgeschneidertes
Durchlaufprogramm.
Sie erwerben auch Erfahrung im Umsetzen ihrer
eigenen theoretischen Kenntnisse. Außerdem
lernen sie, wie verschiedene Spezialisten
ihr Wissen zusammenführen müssen, um komplexe
Probleme lösen zu können. Der Überblick über
das Gesamtunternehmen hilft dabei, das richtige
Gespür zu bekommen, wie man übergreifende
Probleme anpacken muss. Dies ist sicherlich
überall eine wichtige Voraussetzung für persönlichen
beruflichen Erfolg.
Hinzuweisen ist auf sonstige Instrumente
der Personalentwicklung, z.B. auf die Laufbahn-
und Nachfolgeplanung, das Fördergespräch,
Aufstiegs- und Verwendungsplanung, Beurteilung,
Eignungsermittlungen, Qualitätszirkel, Bedarfsanalysen
- alles Maßnahmen betriebsinterner Weiterbildung.
Tendenziell gilt: Der Anteil interner Maßnahmen
nimmt mit der Größe der Unternehmen zu; je
größer ein Unternehmen, desto eher lohnen
sich eigene Weiterbildungsabteilungen oder
gar Schulungszentren. Allerdings sind große
Firmen teilweise auch dazu übergegangen,
ihre Bildungsabteilungen auszulagern und
sie als eigene Unternehmen zu betreiben.
Beispiel dafür ist die IBM Deutschland Informationssysteme
GmbH, Herrenberg, die u.a. einen “Aufbaustudiengang
Personale Entwicklung (ASPE)” im Rahmen der
IBM-Akademie für Unternehmensführung anbietet.
Neben betriebsinternen Maßnahmen zur Weiterbildung
treten externe Anbieter, beispielsweise gemeinnützig
tätige Institutionen. Ihre Anzahl wird auf
ca. 70 bis 100 geschätzt.
Die Deutsche Vereinigung zur Förderung der
Weiterbildung von Führungskräften (Wuppertaler
Kreis e.V.) ist eine Arbeitsgemeinschaft
von 53 überwiegend gemeinnützigen Instituten,
die auf dem Gebiet der Fortbildung von Führungskräften
der Wirtschaft tätig sind.
Allein im Jahre 2001 zählten die Mitgliedsinstitute
des Wuppertaler Kreises rund 53.000 Weiterbildungsveranstaltungen.
Die Zahl der zur Verfügung stehenden Referenten
betrug rund 30.000. Die Teilnehmer waren
überwiegend Führungskräfte aller Ebenen.
Einige Angebote seien exemplarisch beschrieben.
Das Haus der Technik e.V., Essen bietet z.B.
ein nebenberufliches Weiterbildungsstudium
“Führungskraft Personal- und Organisationsentwicklung”
an. Die Lufthansa School of Business bildet
weiter durch rund 400 offene und inhouse-Seminare
mit Schwerpunkt auf der Vermittlung von Führungs-,
Kommunikations- und Sozialkompetenz von Managern
und Führungsnachwuchskräften.
Der Anpassungsfortbildung in Seminarform
für arbeitslose Lehrer, Geistes- und Sozialwissenschaftler
widmet sich die Fortbildungsakademie der
Wirtschaft (FAW), Schönhauser Str. 64, 50968
Köln, Tel.: 0221/3764062 und 3764040. Weitere
Standorte der FAW sind: Aachen, Altenburg,
Berlin, Bielefeld, Dortmund, Fulda, Hanau,
Jena, Kaiserslautern, Kiel, Köln, Leipzig,
Mainz, Plauen, Saarland.
Alle Fortbildungen der FAW schließen
Praktika
in Unternehmen, Verbänden und
Institutionen
ein. Das Kursangebot umfasst
u.a. folgende
Abschlüsse, die in Lehrgängen
von bis zu
12 Monaten Dauer erreicht werden:
- Journalist/in für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
- Referent/-in für Unternehmenskommunikation
- Wirtschafts-/ Sportreferent/in
- Management Trainee Personal
- Sporttherapeut/in
Weiterbildungsdatenbanken
Bei der Suche nach Weiterbildungsangeboten
können zwei Bildungsdatenbanken hilfreich
sein.
1) Das Weiterbildungs-Informations-System
(WIS) der Industrie- und Handelskammern und
Organisationen des Handwerkes.
2) Kurs
Die Online Datenbank für Aus- und Weiterbildung
ist kostenlos im Internet-Angebot der Bundesanstalt
für Arbeit nutzbar. Unter der Adresse www.arbeitsamt.de
können 580.000 Veranstaltungen aus dem gesamten
Aus- und Weiterbildungsbereich Deutschlands
sowie einschlägige Weiterbildungsangebote
aus den europäischen Nachbarländern abgerufen
werden. Kurs kann auch in den Berufsinformationszentren
der Arbeitsämter genutzt werden.
Wer einen passenden Qualifizierungsanbieter
sucht, kann in LIQUIDE ebenfalls kostenlos
recherchieren. Der Zugang ist ohne Passwort
frei möglich. LIQUIDE ist eine Datenbank
mit Anbietern beruflicher Weiterbildungsmaßnahmen,
die über eigene Internet-Adressen verfügen.
Diese Adressen sind als Links eingerichtet
und führen direkt zur Homepage des Anbieters.
LIQUIDE ist erreichbar unter der Adresse
www.liquide.de oder www.bildungsanbieter.de.
Auch die Gewerkschaften leisten Weiterbildung.
Speziell für Hochschulabsolventen bietet
die Deutsche Angestellten-Gewerkschaft (DAG)
eine Anpassungsfortbildung an: Juristen und
Pädagogen mit Schwierigkeiten am Arbeitsmarkt
soll durch Lehrgänge der Einstieg in die
Berufspraxis erleichtert werden.
Die rasante Verbreitung des Internets hat
auch in der Weiterbildung von Führungskräften
ihre Auswirkung. In welchem Umfang das Internet
für verschiedene Einsatzfelder in der beruflichen
Bildung genutzt wird, ergibt die unten stehende
Übersicht der deutschen Vereinigung zur Förderung
der Weiterbildung von Führungskräften (1998).
Universitäten und Fachhochschulen engagieren
sich zunehmend auf dem Gebiet der Weiterbildung.
Die Hochschulen sollen laut Hochschulrahmengesetz
”Möglichkeiten der Weiterbildung entwickeln
und anbieten” (§ 21 HRG).
Einen Überblick über die von den Hochschulen
angebotenen Aufbaustudiengänge bietet das
Buch ”Studien und Berufswahl (2003/2004)”
Hrsg.: Bund-Länder-Kommission für Bildungsplanung
und Forschungsförderung und Bundesanstalt
für Arbeit, Bad Honnef 2002 (erscheint jedes
Jahr neu).
Ein Schwergewicht der Weiterbildung an Hoch-
und Fachhochschulen besteht vor allem im
Bereich Informationen über neue Technologien
und benachbarte naturwissenschaftliche Bereiche.
Angesichts der zunehmenden weltwirtschaftlichen
Verflechtung sowie der vollen Verwirklichung
des europäischen Binnenmarktes steigt der
Bedarf an qualifizierten Führungskräften
für internationale Aufgaben erheblich.
Hinzuweisen ist auf das Förderungs- und Austauschprogramm
der EU ”Socrates”, das sich neben Studenten
vor allem auch an Diplomierte aus dem Technologiebereich
richtet. Im Rahmen dieses Projekts werden
auch Praktika für junge Akademiker in europäischen
Unternehmen und internationalen Organisationen
durchgeführt. Auskünfte erteilt: Bonner Büro
der EG-Kommission, Zitelmannstr. 22, 53113
Bonn, Tel.: 0228/53009-54/-56.
Hinzuweisen ist ferner auf Business-Schools
und Management-Schulen. Die amerikanischen
Business-Schools bieten sog.
MBA-Programme
(Master of Business Administration)
oder
ähnliche Curricula an, beispielsweise
das
MSM-Programm (Master of Science
in Management)
der ”Doctor of Philosophy” oder
den ”Doctor
of Business Administration” (DBA).
Europäische
Managementschulen wie
- INSEAD (Institut Européen et Administration
des Affaires),
- INSEAD (Institut Européen et Administration
des Affaires),
- IMEDE (International Management Development
Institut),
- IMK (International Management Institut),
- LBS (London Business School),
bilden gleichfalls nach dem Master-Programm
weiter. Bekannt sind ferner die
Weiterbildungsangebote
der Hochschule St. Gallen, sowie
die des
Management-Zentrums St. Gallen.
Inzwischen bietet eine zunehmende
Zahl deutscher
Hochschulen MBA-Studiengänge
an:
- Fachhochschule Anhalt, Abt. Bernburg
- Fachhochschule der Wirtschaft Berlin
- E.A.P Europäische Wirtschaftsschule Berlin
- Hochschule Bremen
- International School of Management
- Fachhochschule Fulda
- Hochschule für Wirtschaft und Politik Hamburg
- Fachhochschule Kiel
- Fachhochschule Mainz
- Universität der Bundeswehr München
- Georg-Simon-Ohm Fachhochschule Nürnberg
- Fachhochschule Nürtingen
- Fachhochschule Osnabrück
- Fachhochschule Pforzheim
- Universität des Saarlandes Saarbrücken
- Fachhochschule Trier
- Wissenschaftliche Hochschule für Unternehmensführung
(WHV) Vallendar
Bleibt anzumerken, dass es auch
im Ausland
ein breiteres Weiterbildungsangebot
des jeweiligen
Hochschulsystems gibt. Mitunter
sind diese
Angebote genaues-tens dokumentiert,
etwa
für England (Guide to Postgraduate
Study
in Britain 1996, Reed Information
Service
Ltd., DX 300237 East Grinstead).
4. Fazit: ”The job must be done”
Das Weiterbildungsangebot für die in der
Wirtschaft beschäftigten Hochschulabsolventen
ist groß und vielgestaltig. Einen kompletten
Überblick hat niemand. Doch so wichtig eine
solche komplette Darstellung auch wäre, so
wichtig die Wiederaufnahme organisierten
Lernens mitunter auch ist, bleibt doch zu
beherzigen, dass Lernerfahrungen nicht nur
im organisierten Rahmen, nicht nur ”off the
job”, sondern auch ”on the job” gemacht werden.
Wer diese Möglichkeit verkennt, der läuft
allerdings Gefahr, berufsnotwendige und erfolgsfördernde
Bildung mit dem ”Unwissen des Fleißigen”
(Ambrose Bierce) zu verwechseln. Er läuft
Gefahr zu veruntüchtigen, dem allgegenwärtigen
Erledigungsdruck beruflicher Aufgaben zu
unterliegen und somit karrieremäßig zurückzubleiben.
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- Autor: Dipl.-Pol. Pierre Kramer, Deutsche
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