| MBA - Die Zusatzqualifikation für den Führungsnachwuchs
von morgen |
Was heißt MBA?
Der "Master of Business Administration",
kurz MBA, gehört im Ursprung zu einem Bereich
der akademischen Ausbildung in den USA. Dort
durchläuft der Student nach der High-School
zunächst vier Jahre das College, welches
mit dem Bachelor abgeschlossen wird. Danach
schließen sich mehrere Jahre Praxis an, bevor
er sich bei einer Graduate School bewirbt,
um seinen Master of Business Administration
zu erwerben. Als Ziel dieser Ausbildung soll
erreicht werden, einen entscheidungsfreudigen
Generalisten mit strategischem Weitblick
und analytischen Fähigkeiten zu erhalten.
Vermittelt wird praxisorientiertes betriebswirtschaftliches
Denken, welches sowohl in klassischen Lehrveranstaltungen
als auch durch Fallbeispiele im Team erarbeitet
wird.
Der MBA ist eine Zusatzqualifikation, die
dem mit theoretischem Wissen überladenen
deutschen Hochschulabsolventen mit Diplomabschluss
den richtigen Schliff für die Praxis im Management
geben kann. Eine großer Vorteil liegt in
der Internationalität dieses Zusatzstudiums.
Da viele Unternehmen die Theorielastig-keit
des deutschen Hochschulstudiums bemängeln,
sehen sie in diesem Studiengang eine ideale
Ergänzung. Viele Jahre galt dieser Abschluss
als Jobgarantie für Hochschulabsolventen
und wurde mit einer Promotion verglichen.
Doch in der Vielfalt der Angebote sollte
der Interessent darauf achten ein Programm
zu wählen, das nicht nur seinen persönlichen
Maßstäben entspricht, sondern es sich auch
um ein akkreditiertes Programm handelt. Mittlerweile
gibt es hierzu viel Informationsmaterial
im Internet und im Buchhandel.
MBA gibt es nicht nur in Amerika
Schon Ende der fünfziger Jahre wurde diese
akademische Ausbildung nach Europa transferiert
und in diesem Zuge auch europäischen Verhältnissen
angepasst. Denn während in Amerika der MBA
in einem zweijährigen Vollzeitstudium erworben
wird, bieten viele europäische Schulen einjährige
Programme an. Die Zielgruppe dieser Schulen
ist der Akademiker ohne wirtschaftswissenschaftlichen
Abschluss. Das heißt, der Ingenieur und Naturwissenschaftler
kann sein Fachwissen mit praxisorientiertem
und betriebswirtschaftlichem Know-how anreichern.
In der Industrie eine sehr gefragte Kombination,
da der Generalist in vielen Bereichen als
Favorit bei der Einstellung von Akademikern
angesehen wird.
MBA ist nicht gleich MBA
Ein Interessent für den Master of Business
Administration steht einer Fülle von unterschiedlichen
Lehrprogrammen gegenüber. Aufklärung tut
Not. Zunächst eine grundsätzliche Unterscheidung
zweier Wege, um zu einem MBA-Abschluss zu
gelangen:
Als Student assoziiert man mit MBA ein Aufbaustudium
nach dem Diplom. Hierbei handelt es sich
um den Junior MBA, welcher der klassischen
amerikanischen Ausbildung entspricht. Der
Junior MBA ist also trotz der Praxisorientiertheit
eine weitere theoretisch-analytische Ausbildung,
welche die Studiengesamtzeit verlängert.
Manche Unternehmen sehen in diesem Zusammenhang
wesentliche Kritikpunkte. Zum einen die eben
erwähnte Verlängerung der akademischen Ausbildung,
die somit die Konfrontation mit der Praxis
um ein bis zwei Jahre verlängert. Zum anderen
lässt sich der zum General Manager ausgebildete
Jungakademiker meist schwerer in die unternehmensinternen
Teams integrieren, da er sich als abgehobene
Elite sieht.
Eben schon angeschnitten variiert die Studienlänge
der einzelnen Programme. Die älteste Form
ist das zweijährige Vollzeit-Studium aus
den USA. Als Variante bieten einige europäische
Schulen und Universitäten auch einjährige
Programme an. Jedoch geht das Motto "In
der Kürze liegt die Würze" nicht immer
auf. Die kurze europäische Variante ist zwar
intensiver, aber nicht sehr breit und detailliert
angelegt. Die Theorie rückt in den Vordergrund,
zu Lasten der Praxis. Die Besonderheit des
MBA-Abschlusses kann dadurch verloren gehen.
Als dritte Möglichkeit seien noch die Part-Time-Programme
erwähnt, die vor allem in den USA verbreitet
sind. Sie wenden sich an Teilnehmer, die
während des Studiums arbeiten müssen, um
sich das stattliche Studiengeld zu finanzieren.
Diese Variante findet sich allerdings an
Top-Schulen Amerikas und Europas nicht im
Angebot.
Für wen ist der Junior MBA wichtig?
Ob die zeitlichen und kostenintensiven Investitionen
sinnvoll sind, hängt von der fachlichen Qualifikation,
dem angestrebten Karriereweg und dem Alter
ab. Ein Ingenieur, der eine Managementkarriere
anstrebt, ist mit einem MBA sicher gut bedient.
Als Betriebs- oder Volkswirt lohnt sich dieser
Ausbildungsweg nur mit einem guten Diplom
in der Tasche, um dann an eine Top-Business-Schule
zu gehen. Für den Einstieg im unternehmensberatenden
Sektor zum Beispiel, könnte ein MBA-Abschluss
nach dem Studium auch für den Betriebswirt
sinnvoll sein. So entscheiden sich die Betriebswirte
häufig für den Junior MBA gleich im Anschluss
an das Studium, um mit Praxis und Internationaliät
Ihrem Abschluss den lezten Schliff zu geben.
Die Executive-MBA-Ausbildung, auf die später
noch näher eingegangen wird, ist dafür umgekehrt
von den Ingenieuren stärker bevorzugt. Sie
sehen im MBA die Grundlage für eine Umorientierung
in Richtung Management, während der Betriebswirt
es als Zusatzqualifikation betrachtet, die
ihn von den anderen abhebt.
Wer den MBA nach dem Studium plant, sollte
sich nicht nur nach guten Schulen bzw. Programmen
erkundigen, sondern auch bei den Unternehmen
der für sich angestrebten Branche, wie hoch
der MBA- Abschluss im unmittelbaren Anschluss
an das Studium als Einstellkriterium bewertet
wird. Denn eine Überfrachtung an theoretischem
Wissen, und das ist und bleibt der MBA trotz
aller Praxisnähe, kann auch zum Hemmschuh
im Bewerbungsmarathon werden, wenn zum Beispiel
die von Unternehmensseite gefürchtete "Überqualifizierung"
bedacht wird. Also wichtig: Nicht nur die
Angebote der Schulen auf Herz und Nieren
prüfen, sondern auch mit Unternehmen Kontakt
aufnehmen.
Ein Gefangener im Labyrinth der
Angebote
Was dem wirtschaftswissenschaftlichen Studium
an deutschen Universitäten und Fachhochschulen
fehlt, ist die Praxis. Somit ist eine fundierte
Praxisorientierung des MBA-Programmes immens
wichtig und sollte bei der Auswahl eine hohe
Priorität genießen. In Punkto Praxisnähe
haben die europäischen Business-Schulen die
Nase vorn, denn sie verfügen über engere
Beziehungen zur Wirtschaft. Einige europäische
Schulen wurden von der Wirtschaft selbst
gegründet, dies jedoch mehr im Hinblick auf
die Ausbildung des Executive MBA, der später
noch näher besprochen wird.
Wer sich für einen Master of Business Administration
entschließt, steht vor der Qual der Wahl:
Welche Schule, welches Programm ist das Richtige.
Aufwendige, farbig bedruckte Prospekte versprechen
gern das Superprogramm mit anschließend garantierter
Karriere im oberen Management. Doch um den
richtigen Weg einzuschlagen, tut intensive
Recherche Not. Ob Amerika oder Europa: Gute
Schulen unterwerfen sich den Richtlinien
von Zentralorganisationen, die einen Mindeststandard
der Lehranstalten und -programme garantieren.
Für Amerika hat die American of Collegiate
Schools of Business (AACSB), die von 14 führenden
Business Schools gegründet wurde, die Aufgabe
übernommen, Richtlinien für die Akkreditierung
von Business-Schulen zu setzen. Das System
der Akkreditierung basiert auf einer externen
Überprüfung der Lehreinrichtung und der angebotenen
Programme. Sie garantiert dem Studenten ein
Mindestmaß an Qualität und schützt vor schwarzen
Schafen. Informationen zur Akkreditierung
von amerikanischen Business-Schulen erhält
man beim AACSB ( www.aacsb.edu )
Für Europa hat die European Foundation for
Management Development (efmd) die Aufgabe
der Festlegung des Akkreditierungsstandards
übernommen. Von dieser Institution erhält
man Informationen zu Schulen und deren Programme
sowie eine interessante Liste von Publikationen
rund um das MBA. Der efmd gibt die Informationen
von über 350 Schulen aus 26 europäischen
und 15 weiteren Ländern weiter: efmd ( www.efmd.be )
Wer sich für Programme in Deutschland, Österreich
und der Schweiz interessiert findet alle
wichtigen Informationen im MBA-Guide (Luchterhand
Verlag, Ausgabe 2005 erscheint Oktober 2004),
der jedes Jahr neu erscheint ( www.fibaa.de ).
Doch mit der Auswahl der guten Schule ist
die Recherche noch nicht am Ende. Der Punkt
der Anerkennung des Abschlusses in Deutschland,
bzw. im jeweiligen Bundesland muss abgeklärt
werden. Denn nicht jeder MBA-Abschluss darf
als Titel geführt werden. Informationen hierzu
erhält man bei der Ständigen Konferenz der
Kultusminister der Länder (KMK), Internet
www.kmk.org oder bei den jeweiligen Kultusministerien
der einzelnen Bundesländer. Für Deutschland,
Österreich und die Schweiz werden die akkreditierten
Programme sehr gut auch der Seite, der FIBAA
(Foundation for International Business Administration
Accreditation) www.mba-info.de aufgelistet.
Wer sich auf Messen über die Programme europäischer
und amerikanischer Hochschulen informieren
möchte, erhält Informationen unter www.mba-gate.de. Weitere interessante Informationsseiten
sind www.mbainfo.com und www.foreignmba.com .
Zulassungstests und Studiengebühren
Voraussetzung für die Zulassung ist ein abgeschlossenes
Hochschulstudium. Im weiteren wird ein Test
für Ausländer gefordert, um die Beherrschung
der Sprache(n) des jeweiligen MBA-Studienganges
nachzuweisen. Als weiteres ist in Europa
und den USA der Graduate Management Administration
Test (GMAT) gefordert. Dabei handelt es sich
um einen Multiple-choice-Test, der dreieinhalb
Stunden dauert. Abgefragt wird kein Spezialwissen,
sondern die allgemeinen Ausdrucks- und Problemlösungsfähigkeiten.
Der Test wird an Businessschulen angeboten.
Es gute Vorbereitung durch Selbststudium
oder Kurse lohnt sich ( www.review.de )
Die Studiengebühren für die einzelnen MBA-Programme
gestalten sich sehr unterschiedlich. So verlangen
die besten amerikanischen Business Schulen
ca. 17.000 Dollar pro Jahr und ein einjähriger
Kurs bei der französischen INSEAD beläuft
sich auf ca. 30.000 Euro, inklusive Lebensunterhalt.
Teilzeit-Studiengänge oder Fernkurse sind
sehr viel billiger, aber natürlich auch nicht
so anerkannt.
Einige Banken bieten spezielle Finan-zierungsmöglichkeiten
an und es gibt auch Stipendien. Schnell wird
einem trotzdem klar, warum der nachfolgend
beschriebene Weg des Executive-MBA-Abschlusses
schon aus dem finanziellen Grund interessanter
wird.
MBA als berufsbezogenes Weiterbildungsprogramm
Immer interessanter für Akademiker wird der
Executive MBA, der von vielen Unternehmen
angesehen und gefördert wird. Hierbei handelt
es sich um eine Weiterbildungsmaßnahme, die
nach einigen Jahren Berufspraxis vor Übernahme
einer leitenden Managementfunktion dazwischenge-schaltet
wird. Eigentlich kommt diese Version dem
ursprünglichen Modell der MBA-Ausbildung
in den USA am nächsten. Denn hier absolviert
der Student nach dem College ja auch erst
ein paar Jahre in der Praxis, bevor er den
Master of Business Administration erwirbt.
Die Vorteile sind leicht zu ersehen. Die
Studienzeit wird nicht unnötig in die Länge
gezogen, mit Praxis im Hintergrund lassen
sich die Fallbeispiele in den MBA-Programmen
fundierter bearbeiten und im eigenen Unternehmen
gleich anwenden. Beim Executive MBA wechseln
sich on-the-job mit off-the-job Lernphasen
ab. Die Auswahl der Teilnehmer basiert nicht
nur auf formalen Zulassungsbedingungen, sondern
legt Wert auf in der Praxis nachgewiesenes
Managementpotential. Die europäischen Schulen
sind beim Modell des Executive MBA innovativer
als die amerikanischen Business Schulen.
In den USA zählt die jahrzehntelange Tradition
der klassischen Ausbildung des Junior MBA.
Grundsätzlich sind zwei Arten der Executive-MBA-Ausbildung
zu unterscheiden. Zum einen die offenen MBA-Programme,
die sich an einzelne Führungskräfte wenden
und nach einem standardisierten Zeit- und
Studienplan ablaufen. Und zum anderen sogenannte
Company-Programme, bei denen die Business
Schule ein auf die Bedürfnisse eines Unternehmens
zugeschnittenes Programm entwickelt.
Ein Executive MBA-Programm kann als Part-time-Programm
gestaltet werden, das heißt, die Schule wird
abends und an Wochenenden besucht oder als
modulares Programm, bei dem man sich einige
Wochen in der Firma und einige Wochen in
der Schule befindet. Vorteil der zweiten
Version liegt in der hohen Verträglichkeit
zwischen Ausbildung und Beruf und der Möglichkeit
der intensiven Teamarbeit während der Lernphasen.
Ein weiterer Punkt ist die Unabhängigkeit
vom Standort der Schule. Eine hohe Internationalität
ist somit gewährleistet.
Eine weitere Methode sind Distance-Learning-Programme.
Das heißt, es wird im Rahmen eines Fernstudiums
gelehrt. Der Nachteil ist die geringe Praxisorientierung,
da sich kaum Möglichkeiten des so wichtigen
Austausches in der Teamarbeit ergeben. Auch
leidet die Internationalität des Programmes.
Vorteil ist die hohe Flexibilität und der
nicht anfallende Arbeitsausfall. Aber auch
vom zeitlichen Faktor wirkt das Distance-Learning-Programm
wenig attraktiv. Während sich die zwei vorgenannten
Modelle in zwei bis drei Jahren absolvieren
lassen, müssen beim Fernstudium bis zu fünf
Jahre eingeplant werden.
Abschließend soll gesagt werden,
dass der
MBA-Abschluss für Naturwissenschaftler
und
Ingenieure in den kommenden Jahren
sicher
immer wichtiger wird. Die Wirtschaft
benötigt
in der jetzigen Situation weniger
den Forscher
und Entwickler, sondern einen
marktorientierten
Mitarbeiter, der neben der forschenden,
bzw.
entwickelnden Tätigkeit die globalen
Strukturen
der Wirtschaft im Kopf hat. Und
der durch
die immer mehr fortschreitende
Globalisierung
der Märkte ein hohes Maß an Internationalität
mitbringt.
- Autor: Dipl.-Ing.(FH) Angela Christina Sommer
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