Bioscience: Das Erfolgsprogram
Bioinformatiker werden dringend gesucht |
Technologiethema des Jahrhunderts
Biotechnologie ist das Thema der Zukunft!
Die Branche kann mit phantastischen Wachstumszahlen
aufwarten: Seit 1985 legte sie jährlich um
25 Prozent zu und brachte eine Flut von Unternehmensgründungen
mit sich. Zunächst in den USA unter dem Begriff
Bio-Science oder Life-Science, später dann
auch in Europa, speziell in Großbritannien
und in der Bundesrepublik Deutschland. Inzwischen
führt Deutschland mit rund 300 Bio-Tech-Firmen
die Europaliga der jungen Branche an.
Politik und Ökonomie reagieren hoch erfreut
auf dieses partielle Wirtschaftswunder -
inzwischen gilt die Biotechnologie als Schlüsseltechnologie
des 21. Jahrhunderts. Börsianer schwärmen
angesichts der zahlreichen, an den Börsen
notierten Biotechnologie-Unternehmen vom
Investmentthema des Jahrhunderts. Mit anderen
Worten: Die Branche boomt und wächst in rasantem
Tempo und was ihr am meisten fehlt sind gut
ausgebildete Fachkräfte.
Was ist Biotechnologie ?
Medizinischer Fortschritt ist heute ohne
die Erkenntnisse der Biotechnologie nicht
mehr denkbar. Zu den Hauptarbeitsgebieten
zählt die Erforschung unheilbarer Krankheiten
ebenso wie die Suche nach Medikamenten gegen
Krebs oder Herzinfarkt. Erst vor kurzem gab
es einen Durchbruch in der Genforschung mit
der Entschlüsselung des menschlichen Erbgutes.
Die wichtigsten technischen und wissenschaftlichen
Neuerungen, die die Pharmaindustrie in den
letzten Jahren vorangebracht haben, stammen
aus der Biotechnologie. Verwertbare Forschungsergebnisse
können hier nicht nur schneller als in der
traditionellen Pharmaforschung geliefert
werden, sondern auch wesentlich kostengünstiger.
Das gibt der Branche zusätzlich Aufwind.
Dennoch sind sich die Forscher darin einig,
dass die Biotechnologie noch am Anfang steht
und Arbeit für viele Jahre vor ihnen liegt.
Großer Bedarf an Arbeitskräften
Modernste Forschung in der Biologie, Chemie
und Pharmazie findet heute nicht mehr im
Labor, sondern am Computer statt. Bei der
Genforschung zum Beispiel fallen riesige
Datenmengen an, die zunächst in Hochleistungsrechnern
gespeichert und verarbeitet werden müssen,
bevor verwertbare Ergebnisse entstehen können.
Noch in der jüngsten Vergangenheit wurde
diese Arbeit von Wissenschaftlern mit sehr
unterschiedlichen universitären Schwerpunkten
verrichtet: Entweder übernahmen Biologen
mit speziellen Computerkenntnissen oder Informatiker
mit explizitem biologischen Know-how diese
Aufgaben. Auch Chemiker und Pharmazeuten
hatten und haben noch immer als Seiteneinsteiger
gute Berufsaussichten in der Bio-Tech-Branche.
Der Bedarf an Fachleuten in der Biotechnologie
hat jedoch seit 1990 zuerst in den USA, dann
auch in England und Deutschland das Berufsfeld
der Bioinformatik entstehen lassen, das sich
derzeit als eigenständige Disziplin neben
den Mutterdisziplinen Informatik, Biologie
und Chemie etabliert. Da die Methoden der
Bioinformatik schon heute industriell eingesetzt
werden, es aber bisher nur wenige Absolventen
dieser fachübergreifenden Disziplin gibt,
besteht von Seiten der Industrie eine sehr
hohe Nachfrage nach ausgebildeten Bioinformatikern:
Wirtschaftsexperten haben einen Bedarf von
zur Zeit 800 bis 1000 Bioinformatikern pro
Jahr ermittelt.
Was ist Bioinformatik ?
Innerhalb der Bioindustrie gilt die Bioinformatik
als Schlüsseltechnologie. Sie verbindet die
Gebiete Molekularbiologie, Biochemie und
Genetik mit der theoretischen und praktischen
Informatik sowie der Computerlinguistik.
Bioinformatiker sind Spezialisten, die an
den Schnittstellen von Biologie, Chemie,
Pharmazie und Informatik arbeiten. Zumeist
geschieht dies in interdisziplinär besetzten
Arbeitsgruppen in der chemischen und pharmazeutischen
Industrie und in den zahlreichen aufstrebenden
Biotechnologie-Unternehmen. Das Berufsbild
des Bioinformatikers sieht vor, dass er zum
Beispiel einen Diplom-Chemiker nicht ersetzen,
sondern mit diesem zusammen und mit Hilfe
entsprechender Methoden der Informatik chemische
Probleme effektiver lösen soll. Typische
Arbeitsgebiete von Bioinformatikern in der
pharmazeutischen und chemischen Industrie
sind:
- Simulation chemischer Prozesse
- Prozeßsteuerung, z.B. in der Biotechnologie
- Reaktions- und Stoffdatenbanken
- computergestützte Synthese
- Visualisierung chemischer Strukturen
- Strukturanalyse von Gen- und Proteinsequenzen
- Auswertung von Sensor- oder optischen Daten
mit Methoden zur Mustererkennung und der
künstlichen Intelligenz
- Robotik zur Automatisierung chemischer und
biologischer Analysen und Synthesen
Wo kann man Bioinformatik studieren?
Die deutschen Universitäten haben auf den
wachsenden Bedarf an Bioinformatikern schnell
reagiert. An zahlreichen Hochschulen wurden
Diplom-Studiengänge Bioinformatik eingerichtet,
so z.B. an den Universitäten von Bielefeld,
Halle an der Saale, München, Jena, Frankfurt
und Tübingen. Die Universität Münster bietet
seit dem Wintersemester 2001/2002 einen Informatikstudiengang
mit dem Anwendungsfach Biologie an. An den
Universitäten von Düsseldorf, Köln und Heidelberg
existieren bereits seit längerem Arbeitsgruppen,
die sich mit Bioinformatik befassen und schon
zur Weltspitze aufgerückt sind. Die Fachhochschulen
in Bingen, Weihenstephan, Rhein-Sieg, Lausitz
und Gießen-Friedberg bieten Studiengänge
Bioinformatik an. Interessant für Wissenschaftler,
die schon in ähnlichen Bereichen arbeiten
und sich spezialisieren wollen: Die Akademie
für Weiterbildung an den Universitäten Heidelberg
und Mannheim e.V. hat einen berufsbegleitenden
einjährigen Kontaktstudiengang “Bioinformatik”
eingerichtet, der sich an Hochschulabsolventen
der Fachrichtungen Biologie, Informatik,
Medizin, Physik, Chemie, Mathematik oder
Pharmazie richtet.
Info-Tipp: Fast alle Forschungs- und Lehrstandorte
sind im “Forschungsführer Bioinformatik”
aufgeführt, den man im Buchhandel oder über
das Internet beziehen kann. Ohnehin nutzt
die Branche das Internet ganz selbstverständlich
für alle seine Informationen. Mit www.bionity.com steht nun auch der Biotech- und Pharmawelt
eine umfassende und leistungsstarke Fachsuchmaschine
zur Verfügung.
Interessanterweise wird die brancheneigene
Datenbank www.bioinformatik.de ausschließlich in englischer Sprache geführt.
Ein deutlicher Hinweis darauf, dass das Englische
sich als internationale Wissenschaftssprache
immer mehr etabliert. Selbst die Münchner
Universitäten, die ein gemeinsames Diplom-,
Bachelor- und Masterstudium “Bioinformatik”
anbieten, weisen in ihrer Studienbeschreibung
darauf hin, dass fast alle Vorlesungen im
Grund- und Hauptstudium in englischer Sprache
abgehalten werden.
Fazit: Politik, Wirtschaft und
Kapitalmärkte
dieser Welt: alle wollen Bio-Tech.
Bioinformatiker
werden dringend gesucht und es
gibt wohl
kaum einen Wirtschaftszweig,
der sich so
massiv gegen den globalen wirtschaftlichen
Abwärtstrend stemmen kann wie
die Bio-Tech-Branche.
- Autor: Dr. Melanie Thielking
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