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Was ist ein Assessment-Center?
Endlich hat das Bewerbungsschreiben Erfolg
gehabt. Eine Einladung zum Vorstellungsgespräch
liegt auf Ihrem Tisch. Doch was lesen Sie
da: Wir laden Sie herzlich zum Assessment-Center
ein. Was ist das nun wieder?
Das Assessment-Center (kurz: AC) ist ein
Gruppenauswahlverfahren, das in den 30er
Jahren von Deutschen Wehrmachtspsychologen
entwickelt wurde. In den 50er Jahren wurde
es in den USA weiterentwickelt und wird seit
Mitte der 70er Jahre auch wieder in Deutschland
zur Personalauswahl eingesetzt. Viele namhafte
Unternehmen setzen dieses Auswahlverfahren
bei Führungskräften aber auch vermehrt zur
Auswahl von Hochschulabsolventen gerne ein.
Was unterscheidet das AC denn nun vom klassischen
Vorstellungsgespräch? Zunächst einmal werden
Sie nicht alleine geprüft, sondern in einer
Gruppe bis zu 12 Personen. Ein bis zwei Tage
werden Sie bei einem AC getestet. Permanent,
selbst beim abendlichen gemütlichen Beisammensein,
befinden Sie sich unter Zeitdruck und ständiger
Kontrolle. Das ist Stress pur. Aber auch
eine Chance. In einem klassischen Vorstellungsgespräch
bleiben Ihnen gerade einmal ein bis zwei
Stunden, um sich zu profilieren. Geht etwas
schief, bleibt wenig Zeit für eine Korrektur.
Im Assessment-Center können Sie einen Patzer
wieder korrigieren.
In einem AC geht es immer um das “wie”: Wie
gehen Sie an ein Problem heran. Wie entwickeln
Sie einen Lösungsansatz. Wie diskutieren
Sie. Wie behaupten Sie sich im Team. Wie
reagieren Sie auf Stress usw. Bei den einzelnen
Aufgaben des AC wie zum Beispiel Diskussionen,
Fallstudien, Vorträge, Rollenspiele, Tests
und Interviews werden Sie von einem Beobachter-Team
unter die Lupe genommen. Diese Beobachter
entscheiden letztendlich über Ihre Person.
Daneben steuert ein Moderator den Gesamtablauf
des ACs. Er ist derjenige, der das AC vorbereitet
und die Übungen ausgewählt hat und nicht
selten auch versucht, die Veranstaltung etwas
aufzulockern.
Wie kann man sich auf ein Assessment-Center
vorbereiten?
Zunächst einmal: Bleiben Sie locker! Ein
AC ist nicht die unheimliche Begegnung der
dritten Art, wie es in manchen Bewerbungshandbüchern
gerne dargestellt wird. Da sich in einer
Gruppe auch Kandidaten aus unterschiedlichen
Fachgebieten befinden können, stammen die
Themen zu den einzelnen Aufgaben meist aus
allgemeinen betriebswirtschaftlichen oder
gesellschaftspolitischen Bereichen. Um auch
mitdiskutieren zu können, ist die Lektüre
entsprechender Zeitungen und Zeitschriften
empfehlenswert.
Und noch etwas ist wichtig: Ihre Beobachter
sind Menschen. Das bedeutet, der Sympathiefaktor
spielt unweigerlich auch beim AC eine große
Rolle und entscheidet mit. Ängstlichkeit
und Verkrampftheit oder aufgesetzte Coolness
erzeugen eher Antipathie. Seien Sie natürlich
und immer Sie selbst.
Wie läuft ein Assessment-Center ab?
Die meisten ACs laufen nach folgendem Schema
ab: Erläuterung des AC und Bekanntgabe des
Zeitplans. Moderator und Beobachter stellen
sich vor. Dann stellen Sie sich vor. In manchen
ACs stellen Sie sich nicht selbst, sondern
Ihren Nachbarn vor.
Danach beginnen die Übungen, zum Beispiel
Gruppendiskussion, danach Kaffeepause, dann
kombinierte Einzel- und Gruppenübungen oder
Fallstudien, gefolgt vom Mittagessen. Als
nächstes Rollenspiele, zum Beispiel Verkaufsverhandlungen,
Kaffeepause und zum Abschluss des ersten
Tages eine Präsentation. Abends steht meistens
ein gemeinsames Abendessen und eine Unternehmenspräsentation
auf dem Programm. Am zweiten Tag des ACs
werden Sie häufig mit Interviews sowie auch
mit Tests konfrontiert. Dann beraten sich
die AC Beobachter untereinander. Den Abschluss
bildet dann das mit Bangen erwartete Feedback.
Hier wird Ihnen dann mitgeteilt, ob Sie es
geschafft haben. Falls nicht, nutzen Sie
die Gelegenheit, um nach den Hintergründen
zu fragen. Auch aus einem nicht bestandenen
AC kann man viele interessante Aspekte für
sich selbst mit nach Hause nehmen. Und Kopf
hoch - wenn Sie nicht zu den Kandidaten gehören,
heißt das noch lange nicht, dass Sie nicht
qualifiziert sind. Die anderen Unternehmen
am Markt setzen andere Schwerpunkte und suchen
vielleicht genau Sie.
Neben einer Vielzahl von Literatur zum AC
ist es immer von Vorteil, wenn man die Gelegenheit
wahrnimmt, ein unverbindliches Probe-Assessment-Center
mitzumachen. Viele Studenteninitiativen bieten
zusammen mit Unternehmen solche Übungen an.
Halten Sie die Augen offen! Auch an Ihrer
Hochschule finden Sie sicher Mitteilungen
- oder informieren Sie sich übers Internet,
zum Beispiel bei www.berufsstart.de unter
der Rubrik Veranstaltungen.
Was hat es denn nun mit dem Esel auf sich?
Tja, das ist das Beispiel zum Schluss: Kandidaten
eines ACs sollten sich vorstellen, Pressesprecher
im Bundestag zu sein. Ein neues Gesetz wurde
verabschiedet. Dieses Gesetz soll nun der
Presse plausibel dargelegt werden. Das Gesetz
lautet: “Jede deutsche Familie muss ab sofort
einen Esel halten”. Die Kandidaten hatten
10 Minuten Vorbereitungszeit und dann folgte
ein Vortrag von vier Minuten pro Kandidat.
Bewertet wird die Überzeugungskraft der Darstellung.
Also dann mal los! Die Zeit läuft.
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