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Die Master-Frage

Soll man als Ingenieurin oder Ingenieur den Master machen, muss man den Master machen? Wer sich mit diesem Thema beschäftigt, findet sich schnell in einem Gestrüpp von Meinungen und Meldungen wieder und ist möglicherweise am Ende so klug wie am Anfang. Die Frage kann in der Tat nicht einfach beantwortet werden, weil zum einen viele persönliche Dinge eine Rolle spielen und zum anderen die Zukunft nicht so zu planen ist, wie wir uns das vielleicht wünschen. Deshalb an dieser Stelle ein paar Tipps und ein bisschen Denkfutter.

Der Plan bei der Bachelor-Master-Reform, meistens Bologna-Prozess genannt, war eigentlich einfach. Man wollte uns wieder an die internationalen Abschlüsse heranführen, die der deutsche Kaiser um 1900 mit den Diplom-Abschlüssen verlassen hatte. Den »baccalaureus« und den »magister« gab es in unseren Regionen schon im Mittelalter. Das zu wissen ist deshalb wichtig, weil sich einige allein an den »albernen Bezeichnungen« (Bachelor, heirate mich!) stören und dabei so mancher auch Probleme mit der englischen Aussprache hat. Wir sind also wieder da, wo wir im Jahr 1400 schon mal waren, wir haben ein europäisches Bildungssystem. Der Plan von Bologna war außerdem, ein zweistufiges akademisches System anzubieten: zunächst einen berufsbefähigenden Bachelor mit wissenschaftlicher Qualifikation, so sagt das Hochschulrahmengesetz. Wichtig ist die Zielsetzung, nämlich die Befähigung zur Berufsausübung und nicht die Hochschulbildung im Allgemeinen. Auch hieran stört sich mancher Hochschulvertreter, der noch glaubt, er würde jemanden bilden und nicht »nur« ausbilden. Das mag ja sein, aber das Gesetz ist da eindeutig.

Für die zweite Stufe des Studiums, den Master, gab es in den Köpfen der Bildungspolitiker zwei Wege. Der eine Master sollte direkt den akademischen Weg gehen (konsekutiv = nachfolgend) und eine höhere fachliche Qualifikation erwerben, die dann möglicherweise noch weiter zum Doktor führt. Der andere Master (nicht konsekutiv) sollte Berufstätige ansprechen, die ein paar Jahre in den Unternehmen gearbeitet haben und sich dann noch fachlich weiterbilden wollen. Aber das Thema konsekutiv / nicht konsekutiv ist praktisch vom Tisch.

Nach vielem Gerangel ist man dann auch noch zu dem Schluss gekommen, dass alle Typen von Abschlüssen »wissenschaftlich« und »anwendungsorientiert« von Universitäten wie von Fachhochschulen angeboten werden dürfen. Es gab einen letzten Versuch der Hochschulen, sich über die Anhängsel »of Science« und »of Engineering« abzuheben, aber das hat sich inzwischen in Luft aufgelöst.

Das Bachelor-Studium ist deutlich kürzer als das alte Diplom, ein halbes bis ein Jahr als das alte Diplom (FH) und ein bis anderthalb Jahre als das alte Diplom (Uni). Das Master-Studium ist einschließlich des vorgeschalteten Bachelors in der Regel sogar länger als das alte Uni-Diplom. Wer als Hochschule da mit dem Bachelor als Standardabschluss weniger unterrichten muss, hat natürlich auch weniger Geld dafür zur Verfügung. Da ist doch für alle Professoren klar, dass der Master her muss. Wenn Sie jetzt lächeln: Das war die Absicht des Schreibers.

Warum diese ganzen Hintergrund-Informationen? Wenn man das alles weiß, kann man so manche Äußerung und Meinung besser einordnen und bei der eigenen Entscheidungsfindung einfach außen vor lassen. Das Gestrüpp hat sich dann schnell gelichtet. Wirklich wichtig bei der Entscheidung sind das eigene Gefühl und die eigene Gesamtsituation.

Zunächst mal: Bildung schadet grundsätzlich nicht, man kann in einer Wissensgesellschaft nicht zu viel wissen. Wer etwas anderes erzählt, hat keine freundlichen Absichten. Andererseits kostet Sie das Masterstudium brutto knapp 100.000 € Lebenseinkommen, nämlich ungefähr zwei Jahresgehälter Bachelor plus die Lebenshaltung in dieser Zeit. Selbst wenn Sie als Master dann 1000 € im Monat mehr verdienen sollten, haben Sie den Bachelor erst in 8 Jahren eingeholt. Wenn Sie allerdings schon von vornherein »der Burner« sind und schnell aufsteigen wollen, ist der Master der bessere Titel auf der Visitenkarte. Natürlich sollte auch klar sein, dass man einen Master braucht, wenn man den Dr.-Ing. machen will.

Geld ist übrigens auch einer der Gründe, warum das Modell Bachelor – Beruf – Master praktisch nicht funktioniert. Sie werden kaum aus einem gut bezahlten Beruf, womöglich schon mit Familie und anderen Verpflichtungen, wieder aussteigen. Also: Wenn Master, dann am besten sofort. Oder in Teilzeit und nebenbei arbeiten, was immer mehr Unternehmen anbieten.

Und was sagen nun die Unternehmen? Die suchen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die für die Aufgaben und die Stelle geeignet erscheinen. Wenn das ein Bachelor ist, gut. Wenn das ein Master ist, auch gut.

Einige stellen Master schlicht deswegen ein, weil die schon ein bisschen älter sind. Einige nehmen Master schlicht deswegen nicht, weil sie sie nicht für Praktiker halten. Manche suchen ausdrücklich einen Master, weil man auf der Stelle besondere Fachkompetenz braucht. Es gibt mittelständische Unternehmen nahe am Handwerk oder an der Produktion, die suchen einen Bachelor, der vorher eine Ausbildung gemacht hat. Es gibt andere Mittelständler, die suchen einen Master mit Potenzial zur Unternehmensleitung. Sie merken schon: Die Antwort auf die Master-Frage ist so bunt wie das Leben selbst. Braucht man einen Master? Jein! Machen Sie sich Ihren eigenen Plan. Reizt mich der Master und warum eigentlich? Gebe ich mir noch ein bisschen Zeit? Muss das dann ein klassischer Master oder kann es auch ein Auslandsaufenthalt oder ein MBA sein? Kann ich überhaupt Master oder wird mir das zu anstrengend? Was will ich tatsächlich in meinem Berufsleben tun?

Mehr Tipps? Hören Sie nicht auf das Geplapper in den Medien. Reden Sie mit Bachelors und Masters in Unternehmen.
Elektrotechnik - Prof. Dr.-Ing. Michael Berger

Kurzvita

Prof. Dr.-Ing. Michael Berger lehrt seit 1.4.1996 an der Fachhochschule Westküste (FHW) in Heide/Holstein (zwischen Hamburg und Sylt) die Fächer Schaltungstechnik und Mikroelektronik. In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Siliziumtechnologie in Itzehoe erforscht und entwickelt er elektronische Systeme, in denen neue Sensoren und Bauteile zum Einsatz kommen.
Prof. Berger hat an der Universität Dortmund Elektrotechnik mit Schwerpunkt Elektronik studiert und an der Universität Duisburg promoviert und sich habilitiert. Er war auch zeitweilig Pressesprecher des Fraunhofer-Instituts in Duisburg. Von 1992 bis 1996 arbeitete er in der Vorentwicklung der Robert Bosch GmbH in Reutlingen in den Bereichen Schaltungsentwurf und Einsatz neuer Fertigungstechnologien. Er ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Nach seinem Ruf an die Hochschule war er ab 1998 Dekan des Fachbereichs Technik und wurde 2003 zum Vizepräsidenten seiner Hochschule gewählt. In diesem Amt wurde er 2013 zum dritten Mal bestätigt. Er war unter anderem für die Einführung von Bachelor- und Master-Abschlüssen an der FHW zuständig.
Prof. Berger engagiert sich auf Bundesebene für die Qualität der Elektroingenieur-Ausbildung. So ist er Vorsitzender des Ausschusses Ingenieurausbildung beim VDE und Vorstandsmitglied beim Fachbereichstag Elektrotechnik. Außerdem war er Mitglied des Expertenbeirats Metall/Elektro für den Deutschen Qualifikationsrahmen beim Bundesbildungsministerium.
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