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Gehalt – Auch eine Frage des Verhandelns

1. Das Thema Gehalt - Fester Bestandteil des Bewerbungsprozesses

„Verhandeln heißt, geben und nehmen und dabei die richtigen „Preise“ auszuhandeln“. Das ist die kurze und knappe Version Udo Kreggenfelds, dem Autor des Buches „Verhandeln².“ So einfach sich das Zitat anhört, umso komplexer gestaltet sich das Verhandeln für viele in der Realität. Aus diesem Grund umfasst das Buch dann auch gut 250 Seiten. Das Verhandlungsgeschick von Bewerbern ist spätestens dann gefragt, wenn in der Stellenausschreibung oder im Vorstellungsgespräch die Aufforderung kommt, die Gehaltsvorstellungen zu nennen. Klar ist also: Sie werden nicht darum herum kommen.

Den meisten Bewerbern bereitet diese Aufforderung ziemliche Kopfschmerzen, denn nur wenige wissen, was sie fordern können, wo sie passende Informationen finden und wie sie sich angemessen vorbereiten sollen. Und weil der Bewerbungsprozess schließlich aufwendig genug ist und man den heiß ersehnten Job endlich in der Tasche haben will, wird die Gehaltsfrage dann leider zu oft vernachlässigt, häufig mit unangenehmen Folgen.

Wer nicht ausreichend informiert ist, läuft Gefahr, zu hohe oder zu niedrige Forderungen zu stellen und wird deshalb schnell abgelehnt. Umso ärgerlicher, wenn es wirklich nur an den falschen Gehaltsvorstellungen gelegen hat. Wurde die Gehaltsfrage bereits in der Stellenausschreibung gestellt, verbaut sich der Bewerber somit die Einladung zu einem Vorstellungsgespräch und dadurch die Möglichkeit, persönlich von sich und seinen Qualifikationen zu überzeugen. Auch ein Kompromiss in Sachen Gehalt ist dann nicht mehr möglich. Die Auseinandersetzung mit dem Thema sollte daher von vorneherein als fester Bestandteil des Bewerbungsprozesses ernstgenommen werden.

2. Das Vorgehen bei Gehaltsfragen

Geben, nehmen und aushandeln – das trifft auf Sie als Bewerber genauso zu wie auf den Arbeitgeber. Im Falle einer Einstellung stellen Sie als Mitarbeiter Ihre fachlichen und persönlichen Qualifikationen, Ihre Zusatzkenntnisse, bisherige Erfahrungen, Ihr Engagement und Ihre Ideen dem Unternehmen zur Verfügung. Ist die Stelle ausgeschrieben, dann wissen Sie, dass der Arbeitgeber all das braucht. Je besser Ihre Voraussetzungen sind bzw. je besser Sie sich verkaufen, umso höher sind Ihre Chancen auf ein überdurchschnittliches Gehalt. Welche Konditionen letztendlich vereinbart werden, hängt von den Rahmenbedingungen und Ihrem Verhandlungsgeschick ab.

Die Ausgangslage prüfen

Durch die Bestimmung der Rahmenbedingungen definieren Sie Ihre Ausgangslage für mögliche Gehaltsverhandlungen. Diese wiederum ist die entscheidende Grundlage, um sich auf ein bestimmtes Gehaltsniveau festzulegen. Bei der Prüfung der Rahmenbedingungen sollten Sie folgende Faktoren berücksichtigen:

a) Maß an Passgenauigkeit zwischen Anforderungs- und Qualifikationsprofil

Mit jeder Anforderung, die Sie erfüllen können, steigt Ihr Marktwert. An dieser Stelle können Sie auf die Ergebnisse Ihrer Selbst- und Fremdanalyse und der Auflistung und näheren Beschreibung Ihrer bisherigen Tätigkeiten zurückgreifen.

Anleitung: Errechnen Sie daraus den Prozentsatz. Lassen Sie darin auch besondere Zusatzqualifikationen einfließen oder ein spezielles Alleinstellungsmerkmal.

b) Weitere Einflussfaktoren auf das Gehalt (siehe Artikel „Immer wieder anders“)

Der Artikel geht auf verschiedene Einflussfaktoren ein, die das Gehalt in unterschiedlichem Ausmaß mitbestimmen können.

Anleitung: Listen Sie die Angaben verschiedene Gehaltstabellen untereinander auf und vergleichen Sie. Für die Entscheidung am hilfreichsten ist es, wenn Sie Gehaltstabellen zu verwenden, die auf Ihre Situation zutreffen. Sprich mind. eine, in der das Gehalt angegeben ist für:
• Ihren Abschluss
• Ihre Fachrichtung/ Ihren Studiengang
• die ausgeschriebenen Fachrichtungen / Studiengänge (oft sind es mehrere)
• die ausgeschriebene Position
• die ausgeschriebene Branche
• die Unternehmensgröße des potenziellen Arbeitgebers
• den ausgeschriebenen Standort bzw. Bundesland/Region
• ggf. nach Tarif

Prüfen Sie die Vergleichbarkeit der Tabellen und versuchen Sie einen Richtwert, eine Art Durchschnitt für Ihre Situation zu bestimmen.

Anleitung: Um das tun zu können, sollten Sie vorab das Maß an Einfluss festlegen, dass Sie den Faktoren in Ihrem konkreten Fall und anhand Ihrer bisherigen Recherche zumessen würden. Skalavorschlag: Vergeben Sie Schulnoten von 1-6.

Nutzen Sie außerdem den Gehaltsanalyser von berufsstart.de
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c) Übliche Gehaltsstrukturen im Unternehmen

Einen weiteren Einfluss haben die üblichen Gehaltsstrukturen des Unternehmens, in dem Sie sich bewerben (siehe Mein Gehalt: Einflussfaktoren – 3. Leistungen, die zum Gehalt dazu kommen können):
Wie setzt sich das Gehalt insgesamt zusammen?
Wird nach Tarif bezahlt und wenn ja nach welchem?
Welche Zusatzzahlungen gibt es?
Gibt es Zugeständnisse nicht finanzieller Art?

Anleitung: Prüfen Sie, wie üblich diese Gehaltsstrukturen sind. Sind Sie persönlich zufrieden mit der Zusammensetzung oder fehlt Ihnen etwas, das ein höheres Jahresgehalt rechtfertigen würde? Begründen Sie!

d) Zu erwartende Konkurrenz

Je mehr Kandidaten sich gleichzeitig um eine Stelle bewerben, umso geringer ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie eingestellt werden. Die Konkurrenz entsteht z.B. durch:
• überhöhte Abgängerzahlen in bestimmten Studien- und Fachbereichen,
• durch Überschneidungen bei den Tätigkeiten, für die verschiedene Studiengänge qualifiziert sind (z.B. Marketing)
• oder durch die Beliebtheit bestimmter Arbeitgeber (z.B. Großkonzerne, Marktführer,...).

Anleitung: Versuchen Sie zu beurteilen, mit wie viel Konkurrenz Sie bei Ihrem Wunscharbeitgeber rechnen müssen. Skalavorschlag: Vergeben Sie Schulnoten von 1-6.

Die verschiedenen Bewertungen sollen es Ihnen erleichtern, Ihr Gehaltsniveau realistisch einzuschätzen und Ihre Chancen auf einen höheren Lohn als üblich zu bestimmen. Wie immer im Bewerbungsprozess sollten Sie sich soviel wie möglich austauschen und andere Meinungen einholen. Am besten ist es natürlich, wenn Sie an informelle Tipps über die Gehaltsstrukturen und den Bewerbungsprozess in Ihrem Wunschunternehmen herankommen. Kontakte zu Mitarbeitern erhalten Sie z.B. in Blogs im Internet oder in privaten bzw. beruflichen Online-Commuities. Aktivieren Sie außerdem Ihr Umfeld. Welcher Kommilitone oder Freund hat sich schon einmal in dem Unternehmen beworben und kann Ihnen weiterhelfen? Wer kennt jemanden, der dort arbeitet? Fragen Sie z.B. an der Universität bei Ihren Dozenten, im Career Center oder bei dem Alumni-Verein nach Hilfe. Bei allem Input, den Sie bekommen werden, sollten Sie immer auch die Glaubwürdigkeit der Aussagen hinterfragen. Berichte aus der Wirtschaftspresse und andere Informationen über das Unternehmen sollten Sie ebenfalls berücksichtigen.

Das Limit festlegen

Nachdem Sie viel recherchiert, analyisert, diskutiert und abgewägt haben, müssen Sie sich jetzt festlegen. Am besten bestimmen Sie eine Spanne mit dem Minimum, das Sie erwarten, und dem Maximum, das nach Ihrer Einschätzung bei diesem bestimmten Arbeitgeber möglich ist.

Wichtig ist, dass Sie sich weder unter Wert verkaufen noch zu hoch liegen mit Ihren Gehaltsvorstellungen. Fordern Sie zu wenig, werden Sie lange brauchen, um sich finanziell zu steigern. Manche Unternehmen betrachten das als mangelnde Durchsetzungskraft und als Grund, Bewerber abzulehnen. Fordern Sie zuviel werden Sie ggf. aussortiert. Die mögliche Spanne für Berufseinsteiger ist in der Regel nicht allzu groß. Mit der Berufserfahrung steigen allerdings die Möglichkeiten.

Sie können nie 100%-ig sicher sein, dass Sie wirklich alle Faktoren berücksichtigt haben bei Ihrer Entscheidung für ein bestimmtes Gehaltsniveau. Je besser Sie allerdings informiert sind, umso differenzierter wird Ihre Argumentation sein. Das erleichtert Ihnen einerseits eine fundierte Entscheidung, was die Gehaltsvorstellung angeht, und zum anderen ein überzeugenderes Auftreten, um diese zu verteidigen.

Tipps zum richtigen Verhalten

a) Überlegen Sie sich eine Strategie

Sie haben eine Spanne mit einem unterem und einem oberen Limit festgelegt. Dabei sollten Sie während des Bewerbungsgespräches auch bleiben. Bietet Ihnen das Unternehmen aus irgendeinem Grund von sich aus mehr an, ist das natürlich etwas anderes. Legen Sie vor dem Bewerbungsgespräch fest, unter welchen Bedingungen Sie das Minimum akzeptieren würden (z.B. Zusatzqualifikationen) und zu welchen Zugeständnissen Sie im Falle des Maximums bereit wären. Nehmen Sie diese notfalls in Form eines Notizzettels mit ins Gespräch hinein. Durch Ihre Überlegungen schaffen Sie die Basis für eine konstruktive Verhandlung und können mit einem Alternativvorschlag dienen, wenn Ihr erster Gehaltsvorschlag abgelehnt wird. Stehen Sie aber auch bei den Alternativen zu Ihrer Entscheidung und setzen Sie ein Limit.

b) Spielen Sie die Situation vorher einmal durch

Ein Vorstellungsgespräch an sich ist für die Mehrheit der Bewerber schon aufregend genug. Kommt dann noch die Stressfrage nach dem Gehalt auf, lassen sich viele – trotz guter Vorbereitung – durch die ungewohnte Situation verunsichern. Wichtig ist aber, dass Sie in Ihrer Argumentation überzeugen. Indem Sie die Gehaltsverhandlung im Vorfeld ein oder sogar mehrmals durchspielen, können Sie an Sicherheit gewinnen. Nicht jeder ist begeistert von solchen Rollenspielen, aber es hilft! Vor allem dann, wenn Sie es mit einem reellen Gegenüber, z.B. einer Freundin, einem Freund oder Ihrer Partnerin bzw. Ihrem Partner, versuchen - also mit jemandem, der Ihnen im Anschluss auch ein Feedback geben kann.

c) Überlassen Sie dem Personalverantwortlichen den Anfang

Wenn Sie sich im Vorstellungsgespräch befinden, dann sollten Sie nichts überstürzen und es Ihrem Gesprächspartner überlassen, das Thema Gehalt zuerst anzusprechen. Ist das bis zum Ende nicht passiert und ist auch kein zweites Treffen geplant, dann können Sie von sich aus darauf zu sprechen kommen. Versichern Sie sich zunächst, ob Ihr Gegenüber noch weitere Fragen an Sie hat. Sozusagen als Wink mit dem Zaunpfahl. Kommt dann immer noch nichts, sagen Sie etwas wie: „Ich möchte gerne noch die Gehaltsfrage klären.“ und überlassen dann dem Personaler die Antwort. Das ist höflich, aber gleichzeitig direkt und unmissverständlich.

d) Bleiben Sie immer sachlich, angemessen zurückhaltend und konstruktiv

Verhandlungen sind schwierig und ihr Erfolg ist stark abhängig von – oft unbewussten – emotionalen Empfindungen. Sympathie lässt sich schlecht steuern und Ihre Chancen auf einen ersten guten Eindruck steigen, wenn Sie sich höflich, angemessen zurückhaltend, sachlich und konstruktiv verhalten. Achten Sie darauf, welche Wirkung Ihre Äußerungen bei Ihrem Gegenüber hinterlassen. Vor allem in dem Moment, indem Sie Ihre Gehaltsvorstellungen nennen. Nennen Sie nicht einfach nur die Zahl oder die Spanne, sondern weisen Sie zusätzlich auf Ihre Recherche bei branchenrelevanten Quellen hin. Ist die Reaktion ablehnend, fragen Sie danach, was sich das Unternehmen vorstellt. Lassen Sie sich durchaus einen Moment Zeit beim Nachdenken. Wichtig ist, dass Sie nicht hektisch wirken. Sprechen Sie langsam, deutlich und überlegt, wenn Sie Ihre Gehaltsvorstellungen begründen. Je nachdem, wie das Gespräch verläuft, sollten Sie dann nach den Gründen für die Gehaltszusammensetzung fragen. So können Sie prüfen, ob Sie etwas übersehen haben oder gegensteuern. Kommt es zu Diskussionen, dann sichern Sie sich am Ende des Gespräches ab, indem Sie das Besprochene z.B. noch einmal zusammenfassen.

3. Hilfreiche Adressen

Berufsstart Gehaltsanalyser
www.igmetall.de
www.tarifspiegel.de
www.lohnspiegel.de
www.studentsatwork.org
www.kienbaum.de
www.abgabenrechner.de
www.steuerzahler.de
www.finanztest.de

4. Buchtipps:

„Ich verdiene mehr Gehalt – Was Sie für Ihre erfolgreiche Gehaltsverhandlung wissen müssen“
Nicola Holzapfel - Campus Verlag: 2009 – Kosten: 17,90 Euro

„Verhandeln² - Systemische Verhandlungskompetenz für eine komplexe Welt“
Udo Kreggenfeld – Cornelsen: 2010 – Kosten: 19,95 Euro

 
 

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