Berufsstart mitteilen:

Die Vorbereitung zur Bewerbung

Tipp! Eine Bewerbung kann durchaus mit einer Autolackierung verglichen werden! Sie können den besten Lack auftragen, wenn die Vorbereitung nichts taugt, wird das Ergebnis nicht überzeugen.

Um diese Einflussfaktoren konkret benennen zu können, sollten Sie sich vor dem Bewerbungsprozesses folgende Fragen stellen:

a) Was habe ich bereits alles gemacht?
b) Was kann ich?
c) Was will ich?
d) Woran muss ich noch arbeiten?

a) Was habe ich bereits alles gemacht?

Mit der Beantwortung dieser Frage bestimmen Sie Ihren Ist-Zustand, eine und schaffen eine wichtige Grundlage für Ihren Lebenslauf. Nehmen Sie sich einige Notizblätter und listen darauf alles auf, was Sie bisher gemacht haben – egal wie viel Platz Sie benötigen. Alles ist wichtig!

Dazu gehören Schulzeit und Ausbildung, ein freiwilliges soziales Jahr, natürlich praktische Erfahrungen jeglicher Art (z.B. Praktika – ein 3-wöchiges Schulpraktikum genauso wie ein längeres Pflicht- oder ein freiwilliges Praktikum, ein Werkstudentenjob, eine Tätigkeit als studentische Hilfskraft,...). Aber auch Nebenjobs, die Sie beispielsweise zu Schulzeiten hatten oder parallel zum Studium noch haben (z.B. Austragen von Zeitungen, Aushilfe in einem Geschäft,...) sollten Sie mit aufnehmen. Zusätzlich auch Freizeitaktivitäten und ehrenamtliche Tätigkeiten (z.B. die Mitgliedschaft in einem Fußball- oder Handballverein, bei der freiwilligen Feuerwehr, mehrere Jahre im Kirchen- oder Jugendchor...).

Tipp! Bestimmen Sie zu jeder der notierten Aktivitäten folgende Kriterien:

Tätigkeitsbezeichnung – z.B. Praktikant/in, Aushilfe, Verkäufer/in,...
Inhaltliche Zuordnung – Schule, Ausbildung, Studium, Praxiserfahrungen, Nebenjobs, Hobbys,...)
Zeitraum angeben – von / bis, Monat und Jahr
Name angeben – Schule, Hochschule, Firma, Organisation, Institut
Bereich angeben – Abteilung, Institut, Arbeitsgemeinschaft,...
Tätigkeitsbeschreibungen – stichwortartig, Verben, fachbezogene Schlagwörter

Es geht darum, erst einmal zu sammeln. Listen Sie also wirklich alles auf, was Ihnen einfällt! Besonders wichtig sind diese Überlegungen, wenn Sie sich während des Studiums das erste Mal ‚richtig‘ bewerben wollen. Denn: Anhand der gesammelten Informationen sehen Sie, ob bei Ihnen bereits eine bestimmte inhaltliche Richtung zu erkennen ist bzw. ob Sie bereits etwas Brauchbares vorweisen können. Seien Sie vor allem gründlich bei den Tätigkeitsbeschreibungen. Sie liefern konkrete Details und sind vor allem im weiteren Studienverlauf und für Ihren Berufsstart Grundlage für eine aussagekräftige und individuelle Bewerbung.

Im weiteren Bewerbungsprozess hilft Ihnen die Liste, wie gesagt, bei der Erstellung Ihrer Bewerbungsunterlagen. Mit dieser Rohfassung haben Sie Ihren Lebenslauf so gut wie erstellt und auch das Verfassen des Anschreibens wird Ihnen im Anschluss erheblich leichter fallen. Der Zeitaufwand lohnt deshalb und Sie sollten die Unterlagen unbedingt aufbewahren. Bei weiteren Bewerbungen können Sie dann an der Liste anknüpfen.

b) Was kann ich?

Nachdem Sie den Ist-Zustand Ihrer bisherigen Tätigkeiten definiert haben, geht es im zweiten Schritt der Vorbereitung um den Ist-Zustand Ihrer individuellen Stärken und Schwächen. Beginnen Sie diese Selbstanalyse mit einer Selbsteinschätzung (siehe Checkliste Selbsteinschätzung). Danach holen Sie dann – möglichst mehrere – Fremdeinschätzungen aus Ihrem familiären, persönlichen und fachbezogenen Umfeld ein siehe Checkliste Fremdeinschätzung). Vergleichen Sie abschließend die Ergebnisse zwischen Selbst- und Fremdeinschätzungen und diskutieren Sie mit den Betroffenen die Abweichungen.
Checkliste Selbsteinschätzung (als PDF)
Checkliste Fremdeinschätzung (als PDF)
Beispiel: Wie Sie die Checklisten ausfüllen (als PDF)

c) Woran muss ich noch arbeiten?

Indem Sie die Gründe für mögliche Abweichungen zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung bzw. zwischen den verschiedenen Fremdeinschätzungen diskutieren, decken Sie automatisch Ihre Stärken und Schwächen auf. Notieren Sie diese bei jeder besprochenen Kompetenz und fragen Sie sich abschließend: „Worin bin ich in diesem Fall gut?“ und „Woran muss ich in diesem Fall noch arbeiten?“.

Tipp! Diskutieren Sie die Einschätzungen anhand beispielhafter Situationen

Bitten Sie Ihr Gegenüber, Kritik immer anhand konkreter Situationen zu erläutern und sowohl positives als auch negatives Verhalten zu begründen. Konstruktive Kritik beinhaltet zudem immer auch Verbesserungsmöglichkeiten.

Beispiel: Sie selbst sind der Ansicht, dass Sie gut darin sind, Kritik anzunehmen, weil es Ihnen wichtig ist, sich weiterzuentwickeln. Daher beurteilen Sie den ersten Punkt der Selbsteinschätzung mit einem Pluszeichen (siehe Beispiel: Wie Sie die Checklisten ausfüllen).
Die Fremdeinschätzungen eines guten Freundes (F1) und einer Kommilitonin (F2) zeigen für den Punkt „Fähigkeit Kritik anzunehmen“ jedoch negativere Beurteilungen. Die Begründung Ihres Freundes lautet, dass Sie häufig versuchen, sich zu rechtfertigen, wenn er oder andere Sie kritisieren. Die Kommilitonin erklärt, dass Sie zwar an sich arbeiten, die Kritik zunächst aber persönlich nehmen und dass auch in Ihrem Verhalten gegenüber anderen zeigen.

Worin sind Sie in diesem Fall gut?
Sie zeigen Bereitschaft, sich mit Ihren Schwächen auseinander zusetzen und wollen konstruktiv an sich arbeiten.

Woran müssen Sie in diesem Fall noch arbeiten?
Nehmen Sie Kritik an, ohne sich zu rechtfertigen und ohne sich persönlich angegriffen zu fühlen bzw. das auch zu zeigen. Sehen Sie Kritik als das, was sie ist: eine nötige Grundlage für konstruktives Arbeiten. Fragen Sie sachlich nach den Gründen nach Änderungsvorschlägen. Sollte die Kritik nicht konstruktiv geäußert werden, bleiben Sie ruhig und fordern genau das von Ihrem Gegenüber ein.

d) Was will ich?

Was Sie wollen ist natürlich immer situativ bedingt und ändert sich im Laufe der Zeit. Während des Studiums z.B. geht es vor allem darum Praxiserfahrungen zu sammeln und gute Voraussetzungen für einen optimalen Berufsstart zu schaffen. Ein studienfachbezogenes Pflichtpraktikum gibt Ihnen organisatorische und fachliche Auflagen für Ihre Stellensuche vor. Bei weiteren freiwilligen Tätigkeiten, die Sie zur Orientierung durchführen, oder später bei Ihrem Berufseinstieg, sind Sie dann grundsätzlich flexibler hinsichtlich persönlicher Interessen und Rahmenbedingungen. Welche Voraussetzungen in Ihrem Fall gut sind, sollten Sie daher stets ganz bewusst entscheiden.

Um das zu tun, müssen Sie bei jeder Bewerbung über Ihre konkreten Ziele im Klaren werden. Überlegen Sie deshalb als nächstes, wie – für die geplante Bewerbung – Ihre Wunsch-Stellenausschreibung aussehen müsste. Welche Kriterien muss sie erfüllen, mit welchen könnten Sie leben und welche wiederum dürfen keinesfalls enthalten sein?

Beispiel: Ein/e Wirtschaftswissenschaftler/in (Bachelor) im zweiten Semester sucht nach einer Werkstudentenstelle im Bereich Marketing. Es soll eine Werkstudentenstelle bei einem ortsansässigen Unternehmen sein, damit sie/er im Studium keine Zeitverluste hat und die Tätigkeit parallel zum Studium laufen kann. Notfalls käme auch eine Tätigkeit als studentische Hilfskraft an einem entsprechenden Institut der Hochschule in Frage. Ein Praktikum ist organisatorisch nicht möglich und auch die Unternehmensgröße wäre weniger relevant. Im Vordergrund steht das Ziel, bis Ende des Studiums erste, fachlich relevante, praktische Erfahrungen zu sammeln, um dann im Anschluss an das Bachelor-Studium und vor Eintritt in das geplante Master-Studium ein längeres Praktikum zu absolvieren. Die/Der Studierende möchte sich so für eine spätere Vertiefungsrichtung orientieren. Aus finanziellen Gründen muss die Tätigkeit bezahlt sein.

Beispiel: Ein/e angehende/r Diplom-Ingenieur/in mit dem Schwerpunkt Luft- und Raumfahrttechnik steht kurz vor dem Abschluss. Ihre/Seine Wunsch-Stellenausschreibung sucht nach einer/m Diplom-Ingenieur/in für die Entwicklungsabteilung eines führenden Flugzeugherstellers mit Standorten weltweit. Bevorzugt möchte sie/er sich mit Materialforschung und -verbesserung auseinandersetzen, bestenfalls projektorientiert und im Bereich der finiten Elemente, da das Thema der Abschlussarbeit war. Eine Promotion kommt nur als Ausweichmöglichkeit in Frage, wenn sie in Verbindung mit einem Unternehmen umgesetzt wird und eine Fertigstellung innerhalb von maximal 4 Jahren gewährleistet ist. Das Gehalt ist zweitrangig, sollte in der Wirtschaft aber nicht unter 40.000 Euro im Jahr liegen. Regional ist sie/er ungebunden.

Tipp! Bestimmen Sie Ihre Wunsch-Stellenausschreibung

Welche fachlichen, organisatorischen und persönlichen Anforderungen haben Sie an die Stelle?
Welche der Kriterien müssen erfüllt sein?
Mit welchen Rahmenbedingungen könnten Sie notfalls leben?
Welche Voraussetzungen darf die Tätigkeit keinesfalls fordern?

Berücksichtigen Sie unbedingt auch die bei der Selbst- und Fremdanalyse ermittelten Stärken und Schwächen!

Zusätzlich zu der sehr konkreten Bestimmung, sollten Sie sich außerdem Gedanken über Ihre langfristigen beruflichen Pläne machen. Wie stellen Sie sich Ihr späteres bzw. weiteres Berufsleben vor und was ist Ihnen privat wichtig? Je konkreter Ihre Vorstellungen sind, umso besser lassen sich im Anschluss entsprechende Handlungsanforderungen bestimmen.

Beispiel:
Wenn es z.B. schon immer Ihr Ziel war, eines Tages Senior-Partner/in in einer Unternehmensberatung zu werden, dann ergeben sich daraus ganz bestimmte Rahmenbedingungen.
Zunächst einmal müssen Sie sich gegen die Konkurrenz durchsetzen und die hohen Einstellungskriterien erfüllen. Dazu zählen meist Bestnoten, einschlägige praktische Vorerfahrungen, außerdem Auslandserfahrung und/oder ehrenamtliches Engagement. Des Weiteren sind verhandlungssichere Sprachkenntnisse in einer oder mehrere Sprachen üblich sowie hohe Anforderungen an fachliche und persönliche Kompetenzen.
Haben Sie das geschafft, dann müssen Sie den Weg zum Senior-Partner meistern und das heißt: hohe Reisebereitschaft, begrenzter Raum für das Privatleben, weiterhin hohe Anforderungen an fachliche und persönliche Kompetenzen sowie stete interne Weiterbildung. Die Gründung einer Familie ist parallel somit zunächst nicht sehr ratsam und Sie können davon ausgehen, dass das Private für mehrere Jahre in den Hintergrund rückt. Allerdings werden Sie sich fachlich stark entwickeln können und voraussichtlich sehr gut verdienen. Auf diese Weise verschaffen sich eine gute berufliche und finanzielle Grundlage.

Beispiel: Wenn Sie dagegen private Interessen wie eine räumliche Bindung in den Vordergrund stellen und Ihnen überwiegend an einer Festanstellung gelegen ist, dann schränkt das grundsätzlich logischerweise den Umfang an Stellen ein, auf die Sie sich bewerben können. Hinsichtlich Ihrer Anforderungen z.B. an den Unternehmensnamen, die Größe, die Aufgabenbereiche, aber auch Gehaltsvorstellungen müssen Sie dann zwangsläufig flexibler reagieren.

e) Was muss ich noch alles machen?

Wenn Sie Ihre Ziele definiert haben, dann sollten Sie diese – im letzten Schritt der Vorbereitung – auf Ihre Realisierbarkeit hin prüfen und ggf. leicht abgewandelt einen Maßnahmenkatalog zu ihrer Umsetzung bestimmen.

Tipp! Realitätscheck durchführen und Maßnahmenkatalog erstellen

Wie realistisch sind Ihre Zielsetzungen?
Welche Einstellungskriterien gibt es?
Welche davon erfüllen Sie und welche nicht? Welche der Kriterien, die Sie nicht erfüllen, können Sie noch erreichen?
Welche der Kriterien, die Sie nicht erfüllen, können Sie ausgleichen und wodurch?
Wieviele Schritte sind es noch, bis Sie Ihr Ziel erreicht haben?
Bis wann können Sie Ihr Ziel erreichen?
Welche Maßnahmen sind (noch) notwendig, um das gewünschte Ziel im gewünschten Zeitraum zu erreichen?
Welche Alternativen habe ich notfalls?

Auch in diesem Fall ist der Austausch mit anderen wichtig für eine realistische Einschätzung und Planung. Sprechen Sie deshalb mit Kommilitonen, Firmenvertretern, Dozenten, etc.


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