Akademische Bildung - Die Wirtschaft unterstützt
Studenten
Der Fachkräftemangel und gesellschaftliches
Verantwortungsbewusstsein veranlassen nahezu
sechs von zehn Unternehmen in Deutschland,
in die akademische Ausbildung zu investieren.
Zuletzt wurden Hochschulen, Studenten und
studierende Mitarbeiter der Firmen mit mehr
als 2,2 Milliarden Euro unterstützt.
Die Wirtschaft investiert weit mehr Geld
in die akademische Bildung als bisher angenommen:
Laut Statistischem Bundesamt erhielten die
Hochschulen 2009 rund 1,6 Milliarden Euro
von Unternehmen und Stiftungen. Doch dies
sind hauptsächlich Gelder für die Forschung.
Tatsächlich brachten die Betriebe 2009 allein
für Studium und Lehre an den Hochschulen
rund 2,2 Milliarden Euro auf, so das Ergebnis
einer gemeinsamen Studie des Instituts der
deutschen Wirtschaft Köln (IW) und des Stifterverbands
für die Deutsche Wissenschaft in Zusammenarbeit
mit der IW Consult.

Von dieser Summe erhielten die Hochschulen
rund 640 Millionen Euro in Form von finanziellen
Zuwendungen, Sach- und Servicespenden sowie
von Stiftungsprofessuren. Die restlichen
1,5 Milliarden Euro kamen den Studenten direkt
zugute: als Zuschüsse zu den Studiengebühren,
als Stipendien, für Praktika, duale Studiengänge
und Arbeitszeitfreistellungen für studierende
Unternehmensmitarbeiter.
Doch längst nicht alle
Fakultäten werden von den Investitionen der
Firmen gleichermaßen begünstigt (Grafik):
Am häufigsten profitieren die Wirtschaftswissenschaften
von den Zuwendungen – rund jedes zweite Unternehmen
fördert die Betriebs- und Volkswirtschaftslehre.
An zweiter Stelle rangieren die Ingenieurwissenschaften
(32 Prozent), gefolgt von den Fächern Mathematik,
Informatik und Naturwissenschaften (22 Prozent).
Dagegen engagieren sich nur 7 Prozent der
Unternehmen im Bereich der Rechtswissenschaften.
Insgesamt fördern sechs von zehn Betrieben,
die mindestens 50 Mitarbeiter beschäftigen,
das Studium und die Hochschullehre. Wie intensiv
ihr Engagement ist, hängt von verschiedenen
Faktoren ab – vor allem die Branche und die
Akademikerdichte spielen eine große Rolle.
• Industrie- und Bauunternehmen engagieren
sich häufiger als Dienstleistungsunternehmen.
• Von den Unternehmen, die mehr als 35 Prozent
Hochschulabsolventen in der Belegschaft haben,
unterstützen fast 90 Prozent die akademische
Ausbildung.
Überdurchschnittlich aktiv sind auch forschungsintensive
Firmen, die wiederum meist besonders viele
Akademiker beschäftigen.
Studium und LehreGenerell entscheidet sich
das Gros der Unternehmen für eine möglichst
praxisnahe Förderung (Grafik).
Fast jedes zweite Unternehmen ermöglicht
Studenten ein Praktikum. Ein Drittel investiert
in Mitarbeiter, die parallel zu ihrer Berufstätigkeit
einen Hochschulabschluss erwerben.

Ebenfalls gut ein Drittel der Unternehmen
unterstützt Studenten bei ihrer Abschluss-
oder Doktorarbeit, indem die Firmen den Nachwuchsakademikern
die Möglichkeit geben, eine betriebliche
Problematik wissenschaftlich zu analysieren.
Da sich diese Unterstützung oft mit den Vergütungen
für Praktika überschneidet, wurden diese
Ausgaben bei den 2,2 Milliarden Euro Gesamtaufwendungen
nicht berücksichtigt.
Aktiv sind die Unternehmen auch beim dualen
Studium, in dessen Rahmen die Studenten fest
integrierte Praxisphasen in Firmen absolvieren.
Dies wird von jedem fünften Betrieb unterstützt.
Fast genauso viele stellen finanzielle Mittel
etwa in Form von Spenden oder Sponsoring
bereit. Sachspenden leistet jeder siebte
Betrieb und gut jede zehnte Firma entsendet
Lehrbeauftragte. Da die meisten Unternehmen
die Aufwendungen für die Hochschul-Lehrtätigkeit
von eigenen Mitarbeitern nicht beziffern
können, ist auch diese Form des Engagements
nicht in die Berechnung der Fördersumme eingegangen.
Jedes zehnte Unternehmen beteiligt sich durch
Stipendien an der individuellen Studienfinanzierung.
In der kostenintensiven Finanzierung von
Stiftungsprofessuren engagieren sich knapp
3 Prozent der Betriebe, bei den großen Unternehmen
sind es immerhin gut doppelt so viele.
Zwar wollen mehr als acht von zehn Unternehmen
nach eigenen Angaben mit der Unterstützung
der Hochschulbildung gesellschaftliche Verantwortung
übernehmen – dennoch betreibt die Wirtschaft
ihr Milliarden-Engagement nicht nur aus Edelmut.
In erster Linie streben die Firmen damit
an, zusätzlichen Fachkräftenachwuchs zu rekrutieren.
Weitere wichtige Motive sind die Personalentwicklung
und ein erhoffter Imagegewinn.
Quelle: Institut der deutschen Wirtschaft
Köln
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